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Wird der Wolf in Ahausen heimisch?

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Ein kaputter Schafzaun auf einer Weide.
Die Jägerschaft empfiehlt Schafhaltern, die Schutzzäune instand zu halten. Sonst lerne der Wolf einfacher, sie zu überwinden. © Diercks

In den vergangenen Woche ist es rund um Ahausen vermehrt zu Wolfssichtungen gekommen. Dabei ist der Riss eines Damwild fast mitten Dorf noch gut in Erinnerung geblieben. Ob er sich in der Gemeinde ansiedelt, bleibt indes aber schwer zu beantworten.

Ahausen – Das ist ungewöhnlich, aber innerhalb von acht Tagen hat man in Ahausen mehrmals einen Wolf beobachten können – jeweils morgens auf derselben Ecke. Erst überquerte er vor einem Ahauser Einwohner die Kreisstraße Richtung Hellwege und lief Richtung Standortübungsplatz – ziemlich genau auf der Gemeindegrenze. In unmittelbarer Nähe wurde Isegrim etwas mehr als eine Woche später zwischen Ahauser Mühle und Wiedehoop (Am Felde) beobachtet.

Beim zweiten Mal jagte der Wolf gerade Damwild. Bei bestem Sonnenlicht, etwa 8 Uhr morgens. „Leider war gerade der Akku meiner Kamera alle“, sagt Bettina Diercks, Obfrau für Öffentlichkeitsarbeit beim Naturschutzverein Jägerschaft Rotenburg/Wümme, die die Szene zufällig beobachtet hat. Bis sie einen neuen Akku eingelegt hatte, war die Jagd vorbei und der Wolf hatte bereits die Flucht angetreten, so dass nur noch Schnappschüsse möglich waren.

Mehrere Rudel in der Umgebung bestätigt

„Ich habe Fotos in der Morgenstimmung gemacht“, berichtet Diercks. Sie fuhr die Straße Am Felde Richtung Hellwege weiter, um am Waldstück Wiedehoop zu wenden. „Direkt hinter dem Güllesilo an der Straße sah ich den Wolf, wie er das Damwild hetzte. Ich bin sofort aus dem Auto gesprungen, um die Jagdszene besser fotografieren zu können. Er hatte offenbar ein Rudel gesprengt, da sowohl links und rechts Damwild auf dem Acker stand und er zwischen beiden hin und her hetzte.“

Ein Wolf im Rennen
Nach der Jagd zieht sich der Wolf zurück. © Diercks

„Ob er mich hat laufen sehen oder wie er mich mitbekommen hat, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ergriff er sofort die Flucht und verschwand im nahen Wald Richtung Ahauser Mühle. Ich war total geflasht“, sagt die Jägerin. Verwunderlich findet sie nicht, einen Wolf anzutreffen. „Ringsherum sind Rudel oder einzelne Wölfe bestätigt. Hier wird immer wieder einer durchziehen.“ Für Scheeßel und Visselhövede gelten die Rudel als bestätigt, Rotenburg sei laut dem Monitoring der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) derzeit offen, weitere Rudel nicht weit weg.

Während der Jagden im Winterhalbjahr sollen mehrfach Wölfe zwischen Bullensee und Ahausen gesichtet worden sein. „Aus Waffensen sind ebenfalls Beobachtungen bekannt“, heißt es von der Jägerschaft. Bei den guten Voraussetzungen mit Wild und Wald beziehungsweise Deckung sei nicht auszuschließen, dass er hier oder in unmittelbarer Nähe sesshaft würde. „Ein Wolf richtet sich nach dem Nahrungsangebot und der Tisch hier ist reichlich gedeckt. Wir haben hier besonders viel Damwild aber auch gut Reh- und Schwarwild“, erläutert Diercks. Ob es sich um einen residenten Einzelwolf oder Durchzügler handele, werde sich zeigen.

Vorfall auf dem Sportplatz

Vor einem Jahr, am 8. April 2021, hatte ein Grauer ein Stück Damwild auf dem Sportplatz gerissen. Anhand der DNA-Proben wurde festgestellt, dass es sich um einen Rüden aus dem Schneverdinger Rudel handelt. Ob es sich um ein und denselben Wolf handele, lasse sich schwer sagen. Diercks: „Dafür sind DNA-Nachweise erforderlich. Für das Monitoring ist es bedeutend, möglichst viel Genmaterial zusammen zu bekommen.“ Sie hält es für wichtig, alle Risse und Aufnahmen von Wölfen der LJN zur Verfügung zu stellen. „Nur so lassen sich realistische Bestandszahlen fesstellen.“

Wer für den Wolf zuständig ist

Die Rissbegutachtung (Nutztiere) hat seit dem 1. Februar 2022 die Landwirtschaftskammer (Telefon: 0511/36651500) übertragen bekommen. Bezirksförster Robin Bergmeyer ist ebenfalls Ansprechpartner (0172/4093820 oder E-Mail an bezf.sottrum@lwk-niedersachsen.de). Die Wolfsberater stehen als Ansprechpartner für alle weiteren Fragen zur Verfügung: Jürgen Cassier (04269/2208, 0151/55047309 oder juergen-cassier@web.de) und Helga Muhle (04261/83839, 0173/2182775 oder helga.muhle@gmx.net). Sichtungen und Fotos können auch direkt online www.wolfsmonitoring.com oder per Smartphone-App gemeldet werden.

Auf der Internetseite wird auch erklärt, wie Genetik-Proben genommen werden sollten. Für Fragen zum Herdenschutz, der Förderung von Präventionsvorhaben und bei allgemeinen Anfragen steht das Wolfsbüro des NLKWN in Hannover zur Verfügung (0511/30343034 oder wolfsbuero@nlwkn-h.niedersachsen.de für allgemeine Anfragen und herdenschutz@nlwkn-h.niedersachsen.de für Anfragen zu Herdenschutz und Förderung zur Prävention).

Etwas, dass für die politische Diskussion wichtig ist, wie ein Zusammenleben mit dem streng geschützten Wildtier künftig aussehen soll. Entscheidend ist laut dem Vorstandsmitglied der Jägerschaft: „Schafhalter sollten ihre Zäune in Schuss halten. Schlecht gesicherte Nutztiere, und damit sind mangelhaft aufgestellte Zäune gemeint, haben dazu geführt, dass Wölfe gelernt haben sie zu überwinden und Nutztiere zu reißen.“ Das sei in den vergangenen Jahren festgestellt worden.

Seit Bestehen des niedersächsischen Wolfsmanagements und -monitorings wurden landesweit 1 841 Nutztierschäden erfasst (Stand März 2022). Was in diesem Rahmen ebenfalls festgestellt wurde: Im April/Mai, wenn die Welpen geboren werden und während der ersten Aufzuchtmonate, gehen die Übergriffe auf Nutztiere in der Regel zurück. Experten führen das nicht nur auf eine zu der Zeit geringere Streifgebietsgröße zurück: Wildtiere bekommen zur gleichen Zeit Nachwuchs, der als Beute verfügbar ist. Laut Wolfsmonitoring sind derzeit 38 Rudel, zwei Paare und vier residente Einzelwölfe bekannt (Stand März 2022).

Podcast „Kreis und Quer“: Wird der Wolf zum Unfallrisiko?

In Niedersachsen nimmt die Wolfspopulation immer weiter zu. Das hat auch zur Folge, dass es vermehrt Verkehrsunfälle gibt, bei denen Wölfe verletzt oder getötet werden. Doch wie groß sind die Auswirkungen der Verbreitung des Wolfes auf den Straßenverkehr wirklich? Wie kann man Zusammenstöße mit dem Wolf verhindern und was tun, wenn es zu spät ist? Unter anderem darum geht es in der neuen Folge unseres Podcasts „Kreis und Quer“. Kreisjägermeister Thies Zimmermann gibt die wichtigsten Antworten rund um die Themen Wölfe und Straßenverkehr. Die Folge „Wird der Wolf zum Unfallrisiko?“ gibt es ab sofort auf Spotify, Apple Podcasts, YouTube und überall sonst, wo es Podcasts gibt. Kontakt zur Podcast-Redaktion: podcast@kreiszeitung.de.

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