„Wir wollen zurück zur Normalität“

Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag blickt auf das Jahr 2017 zurück

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Sottrum Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag hat ein anstrengendes Jahr 2017 hinter sich.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Eines hat die vergangenen Jahre schon genervt im Sottrumer Rathaus: Die Eröffnungsbilanz für die Sottrumer Samtgemeinde und Mitgliedsgemeinden, die nach der Umstellung auf das Doppik-Verfahren idealerweise bereits 2012 hätte stehen sollen.

Obwohl auf der Zielgeraden, ist sie fünf Jahre danach in der Verwaltung immer noch das vorherrschende Projekt. Doch war sie nicht das Einzige, was Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag in diesem Jahr auf Trab hielt. Im Interview blickt er auf 2017 zurück.

Herr Freytag, mit den Eröffnungsbilanzen, wohl die größte verwaltungsseitige Baustelle der Samtgemeinde der vergangenen Jahre, stehen Sie kurz vor dem Abschluss. Ist schon der Zeitpunkt gekommen, mal durchzuatmen?

Peter Freytag: Noch nicht ganz. Alle Eröffnungsbilanzen sind zurzeit bei der abschließenden Prüfung beim Landkreis, die Unterlagen sind also eingereicht. Mit Hassendorf hat die erste Mitgliedsgemeinde bereits ihre Bilanz im Rat beschließen können, die nächsten Gemeinden sollen demnächst folgen. Für uns ist das ein Baustein, den wir zum größten Teil abgeschlossen haben. Die Dinge, die dem Rechnungsprüfungsamt noch auffallen, arbeiten wir noch ab. Was das große Ganze angeht, können wir aber tatsächlich einmal durchatmen. Wobei ich nicht verschweigen will, dass mit den 56 Jahresrechnungen, die wir anschließend noch nachträglich erstellen müssen, die nächste Herausforderung bereits bevorsteht.

Wann werden Sie denn wirklich fertig sein?

Wenn ich das so konkret beantworten könnte, könnte ich nachts vielleicht auch besser schlafen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass wir noch nicht wissen, wie viele Probleme die Jahresrechnungen machen werden. Ich nehme an, dass uns die ersten beiden Jahre – 2012 und 2013 sehr beschäftigen werden. Und aus diesen beiden Rechnungen heraus werden wir wohl eine gewisse Routine entwickeln und Fehler im System schneller erkennen können.

Inwieweit belastet dieses „Erbe“ Ihres Vorgängers Markus Luckhaus die übrige Arbeit der Verwaltung?

Ganz extrem. Wir haben gerade in den vergangenen anderthalb Jahren ganz massiv Personal aus den verschiedenen Abteilungen rausziehen müssen – zum Beispiel aus der Bauabteilung bei der Bewertung des Straßenvermögens. Das hat natürlich dazu geführt, dass die Kollegen in den Abteilungen, die entstandenen Lücken ausfüllen mussten.

Was musste man deswegen alles hinten anstellen?

Also die laufende Arbeit wurde natürlich bewältigt. Es sind im gesamten Haus extrem viele Überstunden gemacht worden, die noch abgebaut werden müssen. Größere Projekte wie Bauvorhaben sind zumindest zeitverzögert entstanden. Da wir erst spät unsere Haushalte festsetzen konnten, konnten wir mit Baumaßnahmen auch erst spät in die Ausschreibung gehen. Es hat sich alles zeitlich geschoben, aber man kann nicht sagen, dass etwas auf der Strecke geblieben ist.

Seit diesem Schuljahr ist das Gymnasium in Sottrum eine Ganztagsschule. Was haben Sie im Rathaus vom Start mitbekommen?

Wir haben parallel dazu weitere Gespräche mit dem Landkreis geführt, um bald die entsprechenden Umbaumaßnahmen durchführen zu können. Wir wollen jetzt in die Ausschreibung gehen, um spätestens im zweiten Halbjahr 2018 mit dem Bau einer Mensa zu beginnen. Was die internen Abläufe angeht, ist natürlich Sache der Schule selbst. Was uns als Verwaltung noch betrifft, ist die Umstellung auf G9. Dafür benötigt das Gymnasium noch allgemeine Unterrichtsräume und Fachräume.

Diskutiert wird auch über den Ganztag an einer Grundschule. Angedacht ist die Grundschule am Eichkamp ...

Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Wir haben einen Prüfauftrag, ob an der Außenstelle Morgenstern der Grundschule am Eichkamp ein voll gebundenes Ganztagsangebot möglich ist. Entsprechende Gespräche führen wir unter anderem mit dem Samtgemeindeelternrat und wir schauen, wie der rechtliche Rahmen aussieht. Im Januar werden wir dann die Ergebnisse im Schulausschuss diskutieren. Die Umsetzung könnte aber frühestens zum Schuljahr 2019/20 passieren, also haben wir zeitlich genügend Luft, um den Ganztag vernünftig mit Eltern und der Schule zu besprechen.

Ist der Standort Sottrum für Eltern in entfernteren Gemeinden wie Horstedt überhaupt praktikabel? Wie wollen Sie vermitteln, dass deren Kinder bei einer gewünschten Ganztagsbetreuung nach Sottrum müssen, obwohl es eine Grundschule vor Ort gibt?

Wir werden uns mit den Eltern sicherlich noch einmal auseinandersetzen müssen. Logischerweise haben die Eltern an den Außenstandorten eine andere Sichtweise. Wir haben mit Bötersen und Horstedt zwei Standorte, die mindestens dadurch betroffen sind, weil ihre Kinder dann Fahrschüler wären. Als Träger können wir schwer an allen Standorten ein Ganztagsangebot installieren. Wir wollen keinen Schulstandort schwächen. Wie Sie schon sagen: wir haben die Schulen vor Ort, es gibt kurze Wege. Die wollen wir langfristig erhalten und nicht durch Zusatzangebote an anderen Standorten gefährden.

So ein Jahreswechsel ist ja auch immer ein genereller Abschluss. Womit wollen Sie ab Silvester möglichst nichts mehr zu tun haben?

Wir haben es ja schon angesprochen: die Eröffnungsbilanz.

Aber die ist bis Silvester ja nicht mehr endgültig zu schaffen ...

Naja, der große Block ist abgearbeitet. Aber es geht auch darum, dass wir als Samtgemeindeverwaltung wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren. Es ist wirklich eine Aufgabe gewesen, die jede Abteilung und jeden Mitarbeiter betroffen hat. Die Eröffnungsbilanz war zudem eine Belastung für die politischen Entscheidungsträger und auch eine extreme Belastung für mich selbst – das gebe ich zu. Für mich ist die Abgabe an das Rechnungsprüfungsamt ein Stück auch ein Befreiungsschlag gewesen.

Generell: Wie ist das Jahr 2017 aus Sottrumer Sicht einzuschätzen?

Wenn ich die Eröffnungsbilanz mal wegnehme, ist das Jahr gut gelaufen. Wir haben für die Feuerwehren einiges umsetzen können wie die neue Fahrzeughalle in Clüversborstel. Wir haben in der Kläranlage einen Sandfang einbauen können und an den Schulen die energetische Sanierung vorantreiben können. Wir haben viel Geld investiert – was vielleicht kaum sichtbar und geräuschlos passiert ist – und von daher bin ich optimistisch, dass die Arbeit im Rathaus in 2018 auch für die Bürger wieder positiv sichtbarer wird.

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