Im Kreis Rotenburg nicht möglich

Nach Verdener Maß: Windrad-Projekt bei Stapel nimmt Hürde

Ein Windrad steht im Wald. Aufgenommen aus der Frosch-Perspektive.
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Direkt hinter der Kreisgrenze zu Verden werden bei Stapel drei bis zu 250 Meter hohe Windräder gebaut.

Bis zu 250 Meter hoch sollen drei neue Windräder im Dreieck Stapel, Benkel und Vorwerk werden. Im Flecken Ottersberg hat man dem Projekt zugestimmt. Im nur wenige Meter entfernten Landkreis Rotenburg wären sie hingegen verboten.

  • Ottersberg bringt drei große Windräder bei Benkel auf den Weg.
  • Sie stehen nur wenige Meter von der Kreisgrenze zu Rotenburg entfernt.
  • Zuständig ist der Kreis Verden, nach Rotenburger Maßstäben wären die Windräder nicht erlaubt gewesen.

Ottersberg/Stapel – Tausende von Kranichen, Wildgänsen und Singschwänen nutzen jedes Jahr die Gegend um Stapel und Benkel als Zwischenstation auf ihren Flügen. Seltene Moos- und andere Pflanzenarten sind im nahen, zusammenhängenden Waldgebiet ebenso heimisch wie Bussarde und der vom Aussterben bedrohte Schwarzstorch.

Durch den geplanten Bau von drei jeweils rund 250 Meter hohen Windkraftanlagen im Dreieck der Ortschaften Benkel, Vorwerk und Stapel unmittelbar an der Grenze zum Landkreis Rotenburg ist dieses Biotop aus Sicht vieler Anwohner und Naturschützer in Gefahr. Doch der Otterstedter Ortsrat sowie der Umwelt- und Landschaftspflegeausschuss des Fleckens Ottersberg haben am Mittwochabend dem Projekt ihre Zustimmung gegeben. Sehr zum Missfallen vieler auf der Rotenburger Kreisgrenze.

Bürgermeister schätzt: Mehrheit in Stapel möchte die Windräder nicht

„Wir wollen zwar alle die Energiewende, aber nicht vor unserer Haustür“, schaltete sich Helmut Prossner vom Otterstedter Ortsrat kritisch ein. An dem ausgewählten Standort gebe es kaum etwas auszusetzen. Bedenken kämen seiner Kenntnis nach vor allem aus Vorwerk und Stapel, jedoch kaum aus Benkel selbst. Dort betroffene Grundbesitzer werden beim Windenergieprojekt zudem finanziell mit eingebunden.

Unter den rund 20 Besuchern dieser sogenannten hybriden Sitzung war auch Horstedts Gemeindebürgermeister Michael Schröck (SPD). Er habe sich in seinem Dorf Stapel umgehört, wie die Meinungen zu den Windrädern liegen, erklärte er am Donnerstag gegenüber der Kreiszeitung. Er schätzt das Verhältnis von Gegnern und Befürwortern des Windpark-Projektes auf etwa zwei zu eins. Aus seiner Sicht seien die drei großen Windräder nicht unbedingt Schmuckstücke, aber regenerative Energie sei wichtig, da müsse man sich auch damit abfinden, wenn sie sozusagen im eigenen Garten erzeugt wird.

Rotenburg und Verden forderb unterschiedlichen Mindestabstände

Tatsächlich liegt Stapel noch wenige Kilometer von den drei geplanten Standorten, die teilweise in unmittelbarer Nähe zur Kreisgrenze liegen, entfernt. Die Grenze ist in diesem Falle wichtig, da der Landkreis Verden an dieser Stelle andere Maßstäbe setzt, als es der Landkreis Rotenburg tun würde. So würden die Mindestabstände von 800 Metern zu Ortschaften und 500 Metern zu Einzel-Wohnhäusern bei dem Projekt im zu Ottersberg gehörenden Ortsteil Benkel problemlos eingehalten, so Geschäftsführer Nils Niescken von der in Hannover ansässigen „Nwind“, die die Windräder bauen möchte.

Diese Richtschnur wurde auch bei den Abständen zu Stapel und Vorwerk angelegt. Im Landkreis Rotenburg gelten dagegen Mindestabstände von 400 beziehungsweise 1 000 Metern. Nimmt man diese als Maßstab, stünden die beiden nördlichen Windräder zu nah an Vorwerk. Nach dem Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Rotenburg würde das Gebiet bei Benkel daher ohnehin nicht als Vorrangfläche für Windräder gelten.

Rückbau nach bis zu 30 Jahren

Zwei Schwarzstorch-Habitate, die von Kritikern vorgebracht wurden, lägen in acht bis zehn Kilometern Entfernung von den Windanlagen, sodass ebenso wie bei den 1,5 Kilometer entfernten Rotmilan-Nistplätzen kaum Gefährdungen zu erwarten seien. Was die vom Fischerhuder Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf (FGBO) angesprochenen Fledermausvorkommen angehe, ist laut Niescken zu Zeiten erhöhter Flugaktivitäten dieser Spezies sogar an nächtliche Abschaltzeiten gedacht.

Wegen der Beeinträchtigung von Naturhabitaten durch den Anlagenbau seien Ausgleichsmaßnahmen fällig, die der Landkreis Verden als Hauptgenehmigungsinstanz für das Vorhaben noch festlegen werde. Auf entsprechende Nachfrage eines Anwohners versicherte Niescken, dass nach Ende der Nutzungszeit in voraussichtlich 20 bis 30 Jahren die Benkeler Windtürme auf Kosten der „Nwind“ komplett samt Fundament zurückgebaut würden und nicht als Ruinen in der Landschaft stehen bleiben.

Gemeindebürgermeister Weber ist erfreut über das Votum

Auf Nachfrage Schröcks erklärte der „Nwind“-Chef, dass keine weiteren Anlagen in diesem Gebiet geplant seien. Das sei auch rein flächenmäßig kaum mehr machbar. Unvermeidlich sei allerdings, dass das nach den Worten einer Anwohnerin „idyllische“ Benkeler Straßennetz vor allem wegen Anlieferung der riesigen „Windmühlen“-Flügel ausgebaut werden müsse. Von Westen her werden die Transporte voraussichtlich abzweigend von der Landesstraße her über Vorwerk und Stapel ans Ziel geleitet.

Ottersbergs Gemeindebürgermeister Tim Weber (FGBO) zeigte sich erfreut über das einmütige Ja im Ortsrat und dem Umweltausschuss. Grundsätzlich hätte der Landkreis auch ohne solche gemeindliche Zustimmung den Anlagenbau auf Grundlage des Bundesbeschlusses zur Energiewende festlegen können. Bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sei der Flecken Otterberg inzwischen schon mehr als autark und könne sogar andere mitbeliefern, hob Weber noch hervor.

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