Willy Strahl will Tagebuch seines Vaters von 1925 als Buch binden lassen

Geschockt vom vielen Blut

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Willy Strahl hat das Tagebuch seines Vaters handschriftlich „übersetzen“ lassen. Nun sucht er jemanden, der es ihm abtippt.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. 50 Jahre lang lag es im Kleiderschrank – das Tagebuch von Willy Strahls Vater. Die Sütterlinschrift, in der es verfasst wurde, konnte er nicht lesen, also blieb es dort liegen. Doch dafür sind die Geschichten, die sein Vater auf den Marineschiffen erlebt hat, zu interessant. Also suchte sich Willy Strahl jemanden, der das Tagebuch lesen konnte, und fand die Lösung durch einen Zufall.

Am 2. November 1920 tritt Willy Strahls Vater – der ebenfalls Willy Strahl heißt – seinen Dienst bei der Küstenwehr Abteilung III, 2. Kompanie an. Sein Stützpunkt ist in Wilhelmshaven. Von dort aus geht es mit den Linienschiffen „Elsass“ und „Hannover“ unter anderem nach Skandinavien und Spanien.

Vor allem die Erlebnisse in Spanien nehmen seinen Vater sehr mit, weiß Strahl aus den Aufzeichnungen aus den Jahren 1925 und 26. „Er schreibt, er würde lieber nochmal eine Woche nach Finnland, als drei Wochen nach Spanien“, berichtet Strahl. Die Ärmlichkeit in den Seitenstraßen Mallorcas seien ihm in Erinnerung geblieben. Und auch die Stierkämpfe in den Arenen, der Gestank nach dem vielen Blut und die toten Tiere hätten seinen Vater tief berührt, ist auf den leicht vergilbten Seiten zu lesen. Dabei bekomme man eine richtige Gänsehaut.

Dass der Sottrumer diese Texte überhaupt lesen kann, verdankt er Elfriede Strahl – einer Bekannten über Umwege. „Ein ehemaliger Schulfreund hat versucht, Kontakt zu mir aufzunehmen und ist bei einem anderen Willy Strahl gelandet“, berichtet der Sottrumer. Diesem Zufall musste Willy Strahl nachgehen und hat Kontakt zu seinem Namensvetter aufgenommen. Bei einem Besuch bei dem Ehepaar kam das Gespräch auf das Tagebuch des Vaters, dass seit 50 Jahren im Kleiderschrank gelegen hat. Das Glück für den Sottrumer: Elfriede Strahl konnte die Sütterlinschrift lesen und hat die 150 Seiten im vergangenen Sommer mit der Hand abgeschrieben.

Auf den knapp 150 Seiten beschreibt sein Vater sehr anschaulich was er auf seinen Reisen erlebt hat. „Ich fand es beeindruckend, dass es Sonderzüge für 600 Mann ins Landesinnere von Spanien gegeben hat“, erzählt Strahl. Außerdem habe er das Gefühl, die Menschen hätten mehr Zeit gehabt für das Leben. „Ich konnte gar nicht aufhören, das Tagebuch zu lesen“, gibt der Sottrumer zu.

Jetzt steht für Willy Strahl fest, dass das Tagebuch seines Vaters nicht einfach wieder im Kleiderschrank verschwinden darf. „Mein Vater hat seine Erinnerungen aufgeschrieben, damit er sie für die Nachwelt festhalten kann.“ Deswegen sucht er nun jemanden, der ihm das handschriftlich „übersetzte“ Tagebuch noch einmal abtippt. Dann schwebt ihm vor, dass ganze als Buch binden zu lassen. „Es gibt Menschen, die sich für diese Geschichten interessieren und es sicherlich gerne lesen würden“, ist sich der Sottrumer sicher. Wer sich vorstellen kann, das Tagebuch abzutippen, kann sich bei Willy Strahl unter der Nummer 04205/7298 melden.

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