„Willkommenskultur“ pflegen und mit anpacken: Weitere Helfer gesucht

Unbefangener Kontakt

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Tanja Rehbock, Christina Rehr, Elisabeth Steinkamp, Brigitte Mintenbeck, Frauke Meyer-Heinichen, Friederike Paar und Christiane Cordes heißen in Sottrum ausländische Mitbürger willkommen.

Sottrum - Von Bettina Diercks. Freudig streckt ein dunkelhäutiger Sottrumer Neubürger jedem, der den Garten betritt, eine Rolle Malerkreppband und einen wasserfesten Stift entgegen. Jeder soll sich ein Namensschild schreiben. Wieder einmal ist in Sottrum ein Treffen der „Willkommenskultur“, einem Engagement, das den Flüchtlingen des Ortes und mittlerweile auch darüber hinaus gilt.

Denn inzwischen ist es so, dass sich die monatliche Veranstaltung herum gesprochen hat und auch Neubürger aus anderen Gemeinden wie Ahausen und Waffensen kommen. Gleichzeitig kann das Angebot von den „Ureinwohnern“ Sottrums und Umgebung wahrgenommen werden, um unbefangen den Kontakt zu den vielen neuen Mitbürgern zu suchen. Das ist zumindest Ziel und Wunsch des Asyl-Unterstützerkreises. Diesen haben Brigitte Mintenbeck und Frauke Meyer-Heinichen gegründet. Mittlerweile hat sich die Gruppe der Kirche angeschlossen – „wegen der Räumlichkeiten und damit unsere Helfer versichert sind, wenn sie beispielsweise mit den Flüchtlingen zu den Behörden fahren oder Arztbesuche mit ihnen machen“, sagt Mintenbeck. Sie war diejenige, der als erstes in der Gemeinde klar wurde, dass sich etwas tun muss.

Mintenbeck ist für die Lebensmittelausgabe in Sottrum zuständig und hat über Matthias Röhrs, Abteilungsleiter Bürgerservice im Rathaus Sottrum, immer als erstes mit den Neuankömmlingen Kontakt. Sie ist zweite Anlaufstelle nach der Behörde, da es neben Lebensmitteln auch Bekleidung und Haushaltsbedarf bei ihr gibt.

Gemeinsam mit Meyer-Heinichen kam sie auf die Idee, auch in Sottrum einen Arbeitskreises für Asyl zu bilden. Neben den notwendigen Behördengängen steht vor allem der Deutschunterricht im Fokus. „Wir sind mittlerweile zehn Leute, die unterrichten“, sagt Friederike Paar. Die Stunden finden im Gemeindehaus und Mehrgenerationenhaus in Waffensen sowie mittlerweile auch an der Oberschule statt. Mit Erfolg: Die Flüchtlinge freuen sich, wenn ihre ersten Deutschversuche verstanden werden und einheimische Gäste sich auf ein Gespräch mit ihnen einlassen. Dem einen oder anderen Ankömmling ist sein Schicksal aber auch anzumerken. Ein kleines Mädchen, das zwischen den Sitzreihen im Garten des Gemeindehauses herumstrolcht, wirkt noch recht freud- und orientierungslos. „Sie ist noch traumatisiert von der Flucht über das Meer“, erzählt Paar. Sie berichtet auch, dass für Flüchtlinge, die übers Meer gekommen sind, Wasser ein rotes Tuch ist.

Gerade deshalb halten die ehrenamtlich Engagierten die regelmäßigen Treffen, die Willkommenskultur und das Begegnungscafé, ab. Termine, die helfen, eine gewisse Heilung zu erzielen. Der Umgang miteinander – gemeinsam spielen, essen und trinken sowie zu singen und zu musizieren – hilft, Berührungsängste abzubauen und sich näher zu kommen. „Für sie ist es aber am schlimmsten, nicht arbeiten zu dürfen. Dabei wollen sie so gerne: ‚Ich will gar nichts verdienen, ich will einfach nur etwas tun‘.“, bekommen die Ehrenamtlichen oft zu hören, erzählen sie. Außerdem wollen sie Kontakt zu ihren deutschen Nachbarn haben.

Die kulturelle Vielfalt ist bemerkenswert: Menschen aus nahezu ganz Afrika leben mittlerweile in Sottrum. Jetzt kamen noch Flüchtlinge aus Bulgarien, Montenegro, Bosnien und Mazedonien hinzu. Insgesamt sind mittlerweile 96 Flüchtlinge in der Samtgemeinde untergebracht. Der Großteil lebt in Sottrum und Ahausen. Nicht nur die beiden Kommunen tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. Mintenbeck trifft sich als ausgebildete ehrenamtliche Asylbegleiterin auch mit weiteren Gleichgesinnten. „Das erleichtert die Arbeit. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus. Gerade mit den Behörden. Es muss ja nicht jeder wieder bei Null anfangen“, sagt sie.

Etwa 40 Freiwillige unterstützen den Arbeitskreis derzeit. Dennoch sucht der Kreis noch mehr ehrenamtliche Helfer. „Wer sich noch beteiligen will, kann einfach zu einem Treffen kommen“, sagt Paar. Gerade für Zusammenkünfte wie die „Willkommenskultur“, die jeden dritten Samstag im Monat stattfindet, werden weitere helfende Hände gesucht. „Aber auch zum Beispiel für Fahrten zu Ärzten“, sagt Mintenbeck. Sie ist unter der Nummer 0173/7374205 zu erreichen.

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