Sottrum grüner machen

Kirstin Taberski ist erste kommunale Klimaschutzmanagerin im Südkreis

Kirstin Taberski ist die neue Klimaschutzmanagerin der Samtgemeinde Sottrum. - Foto: Röhrs
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Kirstin Taberski ist die neue Klimaschutzmanagerin der Samtgemeinde Sottrum.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Nach dem Beschluss hat es noch mehr als zwei Jahre gedauert. Im Jahr 2016 hat der Sottrumer Samtgemeinderat ein Klimaschutzkonzept beschlossen. Der erste große Schritt zur Umsetzung ist allerdings erst jetzt gemacht worden.

Mit Kirstin Taberski ist Mitte Oktober die im Konzept vorgesehene Klimaschutzmanagerin ihren Dienst im Rathaus angetreten. Eine Stelle, die im Landkreis noch Seltenheitswert hat.

Ganz weit weg in der Antarktis hat alles angefangen. Zumindest für Kirstin Taberski selbst. 2004 und 2006 war sie für einen Veranstalter von Expeditionskreuzfahrten am Südpol. Was sie da an Eindrücken gesammelt hat, wie der Klimawandel sich auf das unendliche Eis auswirkt, hat sie nicht mehr losgelassen. „Die Pinguine haben geröchelt wie Hunde“, erinnert sie sich noch ganz genau. „Und es war warm, obwohl es eigentlich kalt sein sollte.“ Für sie war klar: Sie kann nicht tatenlos zusehen.

Klimaschutz muss überall stattfinden. Und genau das schreiben sich immer mehr Kommunen auf die Fahne. Die Samtgemeinde Sottrum hat sich im Jahr 2016 nach längerer Diskussion auf ein entsprechendes Konzept geeinigt – auch die Teilzeitstelle, die nun Taberski innehat, ist darin integriert. 

Der Vorschlag kam schon einige Jahre früher aus der Politik, erinnert sich Jürgen Schlusnus, seines Zeichens Allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters. Arbeitskreise wurden gebildet, Infoveranstaltungen abgehalten und Fördermittel beantragt. Diese sind nun gekommen. Der Projektträger Jülich finanziert Taberskis Stelle anteilig zu circa zwei Dritteln.

Energieverbrauch senken

Ihre Aufgabe ist es unter anderem, die Einhaltung der anderen Punkte im Konzept voranzutreiben: Der Energieverbrauch soll laut einem bereits 2015 verabschiedeten Maßnahmenkatalog unter anderem in allen sieben Mitgliedsgemeinden gesenkt, dafür eventuell mehr Ladestationen für elektrische Fahrzeuge installiert oder ein Carsharing-Angebot etabliert werden. Mit einer Klimaschutzmanagerin nimmt die Samtgemeinde fast eine Pionierrolle im Landkreis Rotenburg ein. 

Zwar haben insgesamt drei weitere Kommunen das Thema „Klimaschutz“ in der Verwaltungsarbeit auf dem Zettel, doch neben dem Landkreis selbst hat nur die Stadt Bremervörde eine reine Klimaschutzmanagerin beziehungsweise einen reinen Klimaschutzmanager auf dem Stellenplan. 

Dass Klimaschutzmanagement nur auf Kreisebene ausreicht, glaubt Taberski nicht. Man müsse im engen Kontakt mit den Bürgern sein, das gehe nicht von Rotenburg aus. Dass die Kommunen aber Klimaschutzmanager einstellen, läge im Trend.

Energiemanagement als erstes Projekt

Ideen für mehr Klimaverträglichkeit gibt es mit dem Maßnahmenkatalog bereits. Doch bevor Taberski richtig starten kann, läuft gerade sozusagen eine Eingewöhnungsphase. Das heißt, sie verschafft sich eine Übersicht über den Istzustand in der Samtgemeinde. „Ich schaue, was bereits passiert ist und knüpfe erste Kontakte.“ 

Grundsätzlich gilt für die Stuhrerin: „Klimaschutz kann man nicht in zwei Sätzen erklären.“ Daher will sie zunächst auch ihre eigene Position erläutern: zunächst in einer rathaus-internen Veranstaltung, später will sie sich auch den Einwohnern stellen. „Ich möchte in den Dialog mit Bürgern treten“, so die neue Sottrumer Klimaschutzmanagerin, „und wissen, was ihre Bedenken und ihre Ideen sind.“

Was danach kommt: „Zuerst kümmere ich mich um das Energiemanagement. Das heißt, ich schaue mir die eigenen Liegenschaften der Samtgemeinde an und schauen, wo man Energie sparen kann“, sagt Taberski. Ein weiteres Thema auf ihrer Agenda ist Mobilität: „Das ist ein schwieriges Thema im ländlichen Bereich.“ Der Bürgerbus ist da schon mal ein Anfang. Aber wie könne man zum Beispiel auch spät am Abend vom Bahnhof Sottrum umweltfreundlich in die umliegenden Dörfer kommen?

„Jetzt geht es richtig los“

Ursprünglich kommt Taberski aus Bremerhaven, lebt aber in Stuhr bei Bremen, wo sie für Grünen im Gemeinderat sitzt. Das Parteibuch lasse sie in Sottrum aber ruhen. „Das ist mein Ehrenamt, hier habe ich eine andere Rolle.“ Allerdings glaubt sie, dadurch auch andere Perspektiven zu kennen.

Bevor sie nach Sottrum kam, war die ausgebildete Biologin im Bereich Naturwissenschaften in der Kinder- und Erwachsenenbildung tätig. Unter anderem für das „Haus der kleinen Forscher“, eine Stiftung das pädagogische Fach- und Lehrkräfte dabei unterstützt, Kinder im Kita- und Grundschulalter qualifiziert beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten, beim Übersee-Museum in Bremen. 

Davor hat sie unter anderem an der Jacobs-University in Bremen geforscht. In Marburg schloss sie ihr Studium mit einer Promotion ab. Das Thema, sagt sie schmunzelnd, hatte aber wenig mit ihrer jetzigen Aufgabe zu tun: „Schnecken in der Tiefsee“.

Sie lobt: „Es ist toll, dass Sottrum ein Klimaschutzkonzept hat.“ Und bei Jürgen Schlusnus kann man einen gewissen Tatendrang zwei Jahre nach der Verabschiedung des Papiers im Samtgemeinderat raushören: „Jetzt geht es richtig los.“

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