Gemeinde prüft ihre Möglichkeiten

Reeßumer Mehrzweckgebäude: Widerspruch folgt Widerspruch

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Reeßums Bürgermeister Marco Körner mit der Mitteilung des Landkreises.

Reeßum - Von Matthias Röhrs. Der erste Schock ist überwunden, aber trotzdem sitzt der Ärger bei vielen Reeßumern tief. Der Grund: Die geplante Nutzung des sich im Bau befindlichen Mehrzweckgebäudes in der Ortsmitte steht auf der Kippe. Ein Nachbar hat Widerspruch eingelegt, das Kreisbauamt will jetzt die Baugenehmigung für das 1,3-Millionen-Euro-Projekt ergänzen. Die neuen Auflagen lassen das Vorhaben infrage stellen. Hinter den Kulissen wird das weitere Vorgehen seitens der Gemeinde besprochen. Sie steht vor schwierigen Entscheidungen.

Der Brief aus dem Rotenburger Kreishaus hatte Bürgermeister Marco Körner kalt erwischt – und später den Gemeinderat und Einwohner ebenso. Ein Nachbar des zukünftigen Mehrzweckgebäudes hatte Widerspruch beim Bauamt des Landkreises eingelegt, dieses will neue Nutzungseinschränkungen für das Gebäude nachträglich in der Baugenehmigung ergänzen. Von 6 bis 22 Uhr soll nur eine Belastung von 60 und nachts von 45 Dezibel Schalldruck zulässig sein. Ab 22 Uhr ist der Betrieb zudem komplett verboten, Veranstaltungen müssen daher um 21.45 Uhr beendet sein. In Reeßum steht man daher vor der Frage, wofür das „Mehrzweck“ überhaupt noch stehen soll.

Das Bauamt verteidigt sein Vorgehen. „Insbesondere in den Nachtstunden dürfen keine unzumutbaren Belästigungen für die umliegenden Wohnhäuser ausgehen“, sagt Landkreis-Sprecherin Christine Huchzermeier. „Soweit es zum Schutz der Nachbarschaft erforderlich ist, kann die Bauaufsicht auch eine bereits erteilte Genehmigung mit zusätzlichen Auflagen versehen.“ Stelle ein Anwohner Fragen in immissionsschutzrechtlicher Hinsicht, die sich aus der genehmigten Betriebsbeschreibung nicht eindeutig beantworten ließen, so habe die Bauaufsicht eine Klärung herbeizuführen. Wie genau, hänge von verschiedenen Aspekten ab, die in einem Widerspruchsverfahren auszuloten seien.

Vielfältige Auswirkungen

„Wenn wir das so akzeptieren würden, wäre das geplante Nutzungskonzept für das Dorf nicht mehr einzuhalten“, sagt Körner. Die Auswirkungen sind vielseitig. Lesungen beispielsweise könnten kaum stattfinden, der Sportbetrieb beispielsweise durch Tischtennis sei gerade bei Punktspielen mit Beginn um 20 Uhr oder noch später regulär nicht einzuhalten. Und auch die Mühlen der Lokalpolitik würden langsamer mahlen, wenn der Gemeinderat – der ebenfalls im Mehrzweckgebäude tagen will – immer vor 22 Uhr seine Sitzungen unterbrechen muss. Die Sitzung am Montag vergangener Woche in Clüversbostel hat zum Beispiel bis 22.30 Uhr gedauert.

„Erschrocken“, so Körner, hätten sich die Fachplaner des Mehrzweckgebäudes über die Einschränkungen gezeigt. Schließlich haben sich die Voraussetzungen für den neuen Ortsmittelpunkt auf diese Weise eklatant verändert. Die Planer prüfen nun, in welcher Form und zu welchem Preis das ebenfalls vom Bauamt geforderte Lärmschutzgutachten möglich ist. Sie wollen herausfinden, mit welchen Maßnahmen die ursprünglich geplante Nutzung des Gebäudes durchgesetzt werden kann. Schwierigkeiten bereitet die Frage nach dem Zeitpunkt des Gutachtens. Die Optionen: zeitnah während der laufenden Bauarbeiten oder nach deren Abschluss. Letzteres könnte zu nachträglichen Umbaumaßnahmen führen, wenn beispielsweise Fenster ausgetauscht werden müssten. Sollte das Gutachten früher erfolgen, müssten hinterher gegebenenfalls bereits abgeschlossene Ausschreibungen aufgehoben oder ergänzt werden. Verzögerungen wären die Folge. Körner will möglichst schnell Klarheit schaffen, sagt aber auch: „Wir müssen schauen, was sinnvoll ist.“

Teilweise aggressiv hätten einige Reeßumer laut Körner auf die Nachricht aus Rotenburg reagiert. Es herrsche Unverständnis darüber, dass jemand in dieser Weise gegen ein Projekt vorgeht, von dem die ganze Kommune profitiert, so Körner. Er arbeitet zurzeit an einem Widerspruch gegen den Widerspruch, um das Bauamt doch noch zu einem Umdenken zu bewegen. Bis zum 12. Juni hat er dafür Zeit. „Wir müssen uns noch eine gute Begründung überlegen“, sagt Körner. Mit dem betreffenden Nachbarn hat er eigener Aussage nach indes nicht mehr gesprochen.

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