Wenn die Berufslaufbahn zu Ende geht

Helmut Meyer ist seit 20 Jahren ehrenamtlicher Versichertenberater

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Helmut Meyer sitzt im Sottrumer Rathaus. Dort beantwortet er mindestens einmal im Monat Fragen zur Rente und stellt mit den Versicherten Anträge aus. Als ehrenamtlicher Berater arbeitet er mittlerweile seit 20 Jahren.

Sottrum/Rotenburg – Es ist 9 Uhr früh, und Helmut Meyer hat sich im Trauzimmer des Sottrumer Rathauses eingerichtet. Ein kleiner Stapel Akten liegt zu seiner Linken, die Jacke ist sorgfältig über den Stuhl gehängt. Zwei Kugelschreiber liegen auf der gegenüberliegenden Seite des Schreibtisches. Meyer ist bereit. Er ist sozusagen der Anfang vom Ende: vom Ende der Berufslaufbahn. Mindestens einmal im Monat kommt der Berater aus Rotenburg vorbei, um Menschen beim Einstieg in die Rente zu helfen. Und das macht er mittlerweile seit genau 20 Jahren. Er ist einer von rund 2 400 ehrenamtlichen Versichertenberatern in Deutschland. Er hilft gern, sagt er.

Meyer blickt auf einen Zettel. Auch an diesem Morgen haben sich wieder einige Sottrumer für die Beratung angemeldet, den Terminplan für diesen Tag haben die Mitarbeiter des Rathauses für ihn erstellt, denn dort laufen immer die Anmeldungen ein, wenn es für ihn auf Außentermin geht. Deutsche Rentenversicherung Bund oder Hannover, Knappschaft-Bahn-See: Alles, was mit Rente zu tun hat, läuft über seinen Schreibtisch. Einige seiner Versicherten, die vorbeischauen, kennt er bereits. Auch nach Renteneintritt kommen sie immer wieder zu den Beratungsstunden ins Rathaus oder zu ihm nach Hause, wenn zum Beispiel Papierkram zu klären ist. Wer zu den Beratungsstunden keine Zeit hat, bekommt einen individuellen Termin.

Auch seinen ersten Versicherten des Tages wird Meyer in etwa zwölf Monaten wiedersehen. Eigentlich wollte der Mann einen Rentenantrag stellen, ist aber knapp zu früh dran. „Für Sie kommt nur die Regelaltersrente infrage“, sagt Meyer nach einem kurzen Blick in die Papiere. Die seien soweit auch in Ordnung, aber der Renteneintritt sei eben erst im Jahr 2021 möglich. Etwa drei Monate vorher könne man den Antrag stellen. Der Mann scheint das schon geahnt zu haben. „Ich wollte lieber etwas früher nachfragen“, sagt er. „Man weiß ja nie, wie lange das dauert.“

Nachdem er gegangen ist, stellt Meyer fest: „Das war ein schneller Termin.“ Die halbe Stunde, die ein Rentenantrag im Schnitt in Anspruch nimmt, war im Nachhinein gar nicht von Nöten. Also ist ein bisschen Zeit zum Reden. Häufig seien es „Falschmeldungen“, die Meyer bei seiner Arbeit ausräumen muss. Äquivalent zu 80 Millionen Bundestrainern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gebe es mindestens 20 Millionen Rentenberater im Land – Freunde, Nachbarn sind das in der Regel, erklärt er. Das Problem: Eine Rente ist aufgrund der unterschiedlichen Berufslaufbahnen eben auch eine sehr individuelle Angelegenheit. „Das kann fatal werden. Umso wichtiger ist es, dass man aufklärt.“ Nicht zuletzt haben individuelle Laufbahnen auch Einfluss auf die Arbeit von Meyer. Je nachdem, sind die Anträge an sich unterschiedlich komplex.

Meyer selbst ist mittlerweile 71 Jahre alt und damit Rentner. Schon vor dem Ende seiner eigenen Laufbahn hat er vor 20 Jahren dieses Amt angetreten. Von Haus aus ist Sozialversicherungsangestellter, berichtet er, und damit schon von Berufswegen mit der Materie vertraut. Nicht zuletzt, um auch geistig in Schwung zu bleiben, wendet er dafür etwa zehn Stunden in der Woche auf. Oder in seinen Worten: „Es ist das Öl, um das Gehirn geschmeidig zu halten. Ich muss ja gut beraten.“ Dazu scheint die Thematik fast schon ideal. Renteneintrittsalter, Grundrente, oder was sich die Politik auch immer einfallen lässt: Immer wieder diskutiert man in Berlin Veränderungen der Gesetzgebung.

Am Ball bleiben die Berater der Deutschen Rentenversicherung bei quartalsmäßigen Treffen. Einmal im Jahr steht zudem ein Wochen-Seminar an. Wer Rentenberater werden will, muss sich dafür zur Wahl stellen: Bei der Sozialwahl, die Letzte war 2017, wird eine Vertreterversammlung zusammengestellt, die wiederum wählt die Berater für sechs Jahre Dienstzeit. Neben Sottrum ist Meyer regelmäßig in Lauenbrück und Fintel zu solchen Terminen wie an diesem Tag in Sottrum zu Gast. Ansonsten berät er von zuhause in Rotenburg aus, dort ist er flexibel.

Meyer ist ein ruhiger Typ. Leise, aber verständlich spricht er mit seinen Kunden, immer wieder blitzt Humor auf. Das wird geschätzt, bestätigt der nächste Versicherte, der mittlerweile das Sottrumer Trauzimmer betreten hat. Meyer mache immer einen positiven Eindruck, sagt dieser. Es sei gut, wie locker das immer bei ihm laufe. Für den Mann ist heute der richtige Tag, seinen Rentenantrag zu stellen. Wie alle anderen bekommt auch er dieselbe Einleitung Meyers: „Die gute Nachricht: Es gibt vier Rentenarten. Die Schlechte: Sie bekommen nur eine davon.“ In diesem Fall ist es die Rente „65 plus“. Auch dieses Treffen ist nicht das erste dieser Art. Vor einem halben Jahr war der Mann bereits da. Damals noch zu früh. Aber immerhin das Rentenkonto ist mittlerweile „geklärt“. Zu erwarten hat er nur wenige hundert Euro. Als Selbstständiger habe er ohnehin anderweitig vorgesorgt.

Trotzdem: Auch dieser Antrag ist irgendwann gestellt. „Die Rente in Deutschland ist sicher“, sagt Meyer. Nur die Höhe ändere sich. Die sicherste Altersvorsorge sei ohnehin eine eigene Immobilie, für die man keine Miete mehr zahlen muss. Der Versicherte verabschiedet sich, auf dem Flur wartet schon der nächste.

Kontakt

Der Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung, Helmut Meyer, ist unter der Telefonnummer 04261 / 62423 erreichbar.

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