Weniger „gerüttelt und geschüttelt“

Ahauser Gemeinderat entscheidet sich unter Vorbehalt für kürzere Variante beim Brückenneubau

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Die Ahauser Brücke soll erneuert werden. Die Wahl fiel in der Ratssitzung auf eine günstige Variante, die mit weniger Eingriffen in die Natur einhergeht. Vorher muss aber noch die Gründung der alten Brücke untersucht werden. 

Ahausen - Von Bettina Diercks. Variante III, wenn es denn die alte Gründung hergibt, lautet die Entscheidung des Ahauser Rates, was die Erneu-erung der Brücke über dem Ahauser Bach angeht. Einstimmig kamen die Volksvertreter am Montag zu dem Ergebnis, die kostengünstigere Variante zu wählen, die auch mit weniger Eingriffen in die Natur einhergeht, denn die kommt ohne Neugründung aus. So hoffen es die Ratsmitglieder zumindest.

Gefasst wurde der Beschluss unter der Bedingung, vorher einmal die Holzbohlen anzulupfen und zu gucken, welche Überraschung sich eventuell darunter verbirgt, ob die alte Gründung tatsächlich noch zu gebrauchen ist. Ursprünglich ausgelegt ist das Bauwerk für den landwirtschaftlichen Verkehr. Bei der Überprüfung aller Brücken in 2012 durch das Bremer Ingenieurbüro André Bartel kam dafür dann die Note 4 heraus, „ungenügender Bauwerkzustand“. Daraufhin musste die Gemeinde die Brücke für den Verkehr sperren und hielt sie für Radfahrer und Spaziergänger instand. In Zukunft soll sie mit 1,50 Meter Breite für Fußgänger ausgelegt sein. Überlegt wurde am Montag auch, ob das Bauwerk nicht lieber zwei Meter breit sein sollte. Geschätzte Mehrkosten laut Bartel: 4000 bis 5000 Euro brutto.

Wenig Zweifel an einer immer noch haltbaren Unterkonstruktion, der Gründung, hatte der stellvertretende Bürgermeister Jörg Küsel (CDU), selbst Landwirt: „Vorher sind da 12-Tonner drüber gefahren.“ Dann würde es für Radfahrer allemal noch die nächsten Jahre halten, so sahen es auch Robert Abel und Heiko Behrmann vom Verein „Politik ohne Partei“ (PoP).

„Der Aufbau auf einer neuen Gründung wird unspektakulär“

Bartel, der Zeichnungen von drei Varianten zum Erneuerungsversuch und erste Kostenschätzungen (siehe Infokasten) dabei hatte: „Wie tragfähig die vorhandene Gründung ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Es liegen keine Unterlagen darüber vor, und über das Alter lässt sich ebenfalls nichts sagen. Da die Brücke aber für den Verkehr gebaut wurde, gehe ich davon aus, dass sie tragfähig ist.“ Der Ingenieur mahnte während der Ratssitzung später aber noch einmal: „Wenn wir die vorhandene Gründung nutzen, dann ist die Nutzung kürzer, als wenn wir neu bauen. Die vorhandene Gründung hat schon eine große Lebenszeit verbracht. Ein Neubau ist dauerhafter.“ Und: „Wie die Brücke wirklich konstruiert ist, sehen wir erst im Rückbau.“ Zu Vari-ante I, dem kompletten Neubau, versuchte der Bremer Ingenieur Bedenken zu nehmen, was den Eingriff in die Natur angeht: „Der Aufbau auf einer neuen Gründung wird unspektakulär. Das Rammen der Spundwände geht sehr schnell.“ Dirk Grieger (Grüne) hatte sich für die naturschonendere und kürzere Variante III ausgesprochen. Unter anderem auch deshalb, damit wenig „gerüttelt und geschüttelt“ wird.

Maik Hogrefes (CDU) Vorschlag, die alten Doppel-T-Träger und Holzbohlen wiederzuverwenden, um Kosten zu sparen, wies Bartel zurück. „Die Überkonstruktion ist so geschädigt, die Stahlträger und das Holz so schlecht, dass man sie wirklich nicht mehr verwenden kann.“ Diskutiert wurde im Rat, ob nicht auch erst ein weiterer Blick auf den Zustand der Unterkonstruktion geworfen werden soll, indem ein paar Bohlen entfernt werden.

Für Untersuchung ausgesprochen 

Bevor der Rat einstimmig für Variante III votierte, sprach Bartel sich ebenfalls für eine Untersuchung aus: „Das ist auch meine Vorstellung, wenn die Tendenz zu Variante III geht, die alte Brückengründung abzuklopfen. Eine Untersuchung ist sehr empfehlenswert. Dann kann man mit großer Gewissheit sagen: Wir minimieren das Risiko.“ Abel zeigte sich erst nicht so überzeugt von einer weiteren Untersuchung und sprach sich dagegen aus, auf die „Bremse zu treten“, nämlich erst zu untersuchen und dann später abzustimmen: „Ich glaube nicht, dass wir ein Risiko eingehen.“ Bürgermeister Claus Kock (CDU) konterte: „Wir wollen nicht auf die Bremse treten, nur die Option, auf die Bremse treten zu können.“ So wurde unter Vorbehalt eines positiven Untersuchungsergebnisses einstimmig Variante III vom Rat beschlossen.

Bevor es aber zum Ernstfall kommt, muss das Bauwerk noch einige Verfahren durchlaufen. Unter anderem wasser- und naturschutzrechtliche. Bei der Bauvoranfrage beim Landkreis hat sich laut Bartels bereits herausgestellt, dass eine Querungshilfe für den Fischotter unter der Brücke gebaut oder befestigt werden muss. Ob das wirklich so kommen muss? „Das würde im nächsten Schritt geklärt werden“, sagte Bartels, der aber kein Problem sieht, bei Variante III beispielsweise ein Laufbrett an den vorhandenen und verbleibenden Brunnenringen zu montieren.

Otter schwimmen laut Experten nicht unter Brücken hindurch, sondern verlassen das Gewässer und queren den Weg, die Straße. Dabei wird er oftmals überfahren. Ob der Landkreis im Ahauser Fall „in der Walachai“ wirklich auf eine Unterquerung bestehen wird, war zunächst nicht klar.

Die Varianten

Variante I, Neubau auf Spundwänden mit 1,50 Metern Breite und etwa 8,30 Metern Länge, würde laut Bürgermeister Claus Kock (CDU) rund 82 000 Euro kosten. Variante III, mit derselben Breite, gut 7 Meter lang, zwischen 44 000 und 46 000 Euro. Die nahezu von vorneherein ausgeschlossene Variante II, eine Brücke gebaut auf einer Flachgründung, soll um die 92 000 Euro kosten. Geld für das Bauvorhaben gibt es laut Kock vom Amt für regionale Landesentwicklung: „Es gibt eine Förderung bis zur Höhe von maximal 43 000 Euro, je nach Projekt werden 53 Prozent der Gesamtkosten übernommen.“ In die Gunst der Zuwendung kommt die Kommune, da die Brücke im Verlauf des Nordpfades „Wümmeniederung“ liegt. Die Kostenschätzungen beruhen laut Ingenieurbüro André Bartel auf Erfahrungswerten bereits gebauter Brückenbauwerke mit den zur Zeit marktüblichen Preisen. „Das Bauwerk ist mit einer lichten Weite zwischen den Geländern mit 1,50 Meter und unter Berücksichtigung der Nutzung der vorhandenen Gründung eher sehr sparsam und kostengünstig geplant“, teilt André Bartel auf Anfrage mit. Das Bremer Unternehmen hat zum Beispiel eine Brücke aus Lärche, Eiche und Stahl für 104 000 Euro über die Wieste in Sottrum und die etwa 30 Meter lange Brücke an der Sohlgleite in Hellwege realisiert (170 000 Euro). - bd

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