Christina Fry feiert mit „Ach, wie mich das aufregt“ Premiere in Ahausen

Auf Weltklasseniveau

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Christina Fry brilliert beim Auftritt im Kulturhof und zeigt dem Publikum ihr Können.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Ein Konzert auf höchstem Niveau erlebten die Gäste des Ahauser Kulturhofes. Christina Fry gab dort die Premiere ihres neuen Programms „Ach, wie mich das aufregt“.

Kleptomanie kann sehr berührend sein; wenn sie so vorgetragen und dargestellt wird wie von Fry. Nicht nur mit diesem Stück hatte sie ihre Zuhörer „im Sack“. Vom ersten Lied an hingen die gut 50 Gäste (plus Studentenfreundeskreis Frys) an den Lippen der ehemaligen West-End-Sängerin. Und, wer die englisch-deutsche Profimusikerin schon einmal erlebt und ein wenig Kenntnis und Gehör hat: Die Musical-Preisträgerin (beste Stimme) hat sich noch weiter entwickelt. Hinzu kommt der Pluspunkt einer reiferen Frau, die noch mehr als bisher mit den Chansons, von beispielsweise Edith Piaf und Marlene Dietrich, verschmilzt.

So geheimnisvoll verrucht, verraucht, unnahbar und divenhaft zeigt sich Fry allerdings nicht. Dennoch lässt der Passus „Männer umschwirren mich wie Motten das Licht ...“ in „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ (Dietrich) problemlos Bilder im Kopf entstehen.

Christina Fry liegt mehr der humoristische Part, der Flirt mit dem Publikum, ein Augenzwinkern. Mimik, Gestik, Körpersprache passten zu den Liedern und der Sängerin. Eindeutig kam ihr dabei ihre internationale Bühnenerfahrung zugute. Obwohl sie Stücke sang, die schon viele vor ihr gesungen und unterschiedlich verfasst hatten, schaffte es Fry, sie neu und ganz eigen zu interpretieren und ihnen damit eine ganz eigene Note zu geben. Getragen wurde die Künstlerin an diesem Abend mit einer Leichtigkeit von Pianistin Wiebke tom Dieck.

Sie begeisterte mit zwei Solis aus der Suite bergamasque von Claude Debussy, Clair de lune und Pour le piano Prélude. Vor allem letzteres ließ Zeit und Raum vergessen.

Fry und tom Dieck arbeiteten aber nicht einfach das Programm ab. Die Sängerin bewies sich als Entertainerin und scherzte auf charmanteste Art. „Ist das Licht so schmeichelhaft?“, fragte sie das Publikum. Ohne auf Antwort zu warten: „Dann können wir ja weitermachen.“

Das war der Auftakt. Vielleicht auch, um sich selbst die Aufregung zu nehmen. Die war ihr beim Gang auf die Bühne durchaus anzumerken. In der zweiten Hälfte schlich sich sogar ein Frosch ein („Kein Wunder, bei dem Wetter“), für den sich Fry ebenfalls charmant entschuldigte. „Das kann ja mal vorkommen.“ Wie herrlich menschlich – und professionell.

Der Song „When autumn leaves are falling“ (Sam Coslow und Abner Silver) passte zwar nicht ins Frühjahr, aber zum Wetter, und ging tief unter die Haut. Fry bot darin ihr gesamtes Spektrum an Tonhöhen und Klangfarben – atemberaubend.

Ans Herz ging die Zugabe, die einen „Da Capo“-Ruf von Schauspieler Patrik Fichte (Verbotene Liebe, Rote Rosen, Traumschiff) forderte. Christina Fry holte ihre Tochter Marlie auf den Schoß und beide sangen den lyrischen Bob Dylan-Song: „Make you feel my love.“ Eigentlich hätte danach das Publikum aufspringen und „mehr, mehr“ rufen müssen.

Tante Erna aus Mainz saß an diesem Abend im Kulturhof ebenfalls im Publikum. Die alte Damen hatte „mal eben schnell“ für die entsprechenden Kleider oder zumindest die funkelnden Accessoires daran gesorgt. „Ich habe auch einen Teil zu diesem Abend beigetragen“, sagte Tante Erna stolz und freut sich. Sie ist die Schwester von Nathalie Usselmann-Kock, der Gesangsgröße, Mutter und Ausbilderin Frys.

Der einzige Wehmutstropfen des Konzertes: Irgendetwas haperte mit der Technik, zwischendurch schepperten die Boxen und gaben einfach nicht das wieder, was Fry bot: Einen Spitzenauftritt von Weltklasseniveau.

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