Fatale Hilfsbereitschaft

Weißer Ring, Polizei und Volksbank warnen vor Telefonbetrügern

Jürgen Schulz (v.l.), Thomas Teuber und Matthias Dittrich in der Sottrumer Volkabank
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Jürgen Schulz (v.l.), Thomas Teuber und Matthias Dittrich wollen potenzielle Opfer warnen.

Immer wieder fallen vor allem ältere Menschen auf Telefonbetrüger, unter anderem mit dem sogenannten Enkeltrick, hinein. Mit einer Kampagne sowie Schulungen für die Bankmitarbeiter wollen Polizei, Weißer Ring und die Volksbank Wümme-Wieste jetzt gegensteuern und potentielle Opfer warnen.

Sottrum – Ein Gewinnversprechen, ein Enkel in Not, ein Software-Fehler oder ein vermeintlicher Einbruch im Nachbarhaus – und immer gepaart mit der Aufforderung oder auch einer Bitte, Geld, Schmuck oder private Zugangsdaten rauszurücken: Die Maschen der Telefonbetrüger sind vielfältig, die Opfer sind fast ausschließlich Senioren. Wenn es darum geht, sie zu schützen, wollen künftig Polizei, Weißer Ring und die Volksbank Wümme-Wieste noch stärker an einem Strang ziehen. Eine entsprechende Kampagne stellten Thomas Teuber, Jürgen Schulz sowie Matthias Dittrich jetzt vor.

Hinweis am Geldautomaten

Plakataktionen zur Warnung, Hinweisschilder an den Schaltern und Geldautomaten: „Wir wollen sensibilisieren“, betont Dittrich. Denn den Banken kommt eine entscheidende Rolle zu – sind sie es doch, die den Opfern das Bargeld aushändigen, das diese wiederum an die Betrüger weitergeben. „Wir haben da jetzt vor Kurzem unsere Mitarbeiter ausführlich geschult, welche Indizien auf ein Betrugsopfer hinweisen und wie sie damit umgehen können“, so Dittrich. „Grundsätzlich können wir eine Auszahlung nicht verweigern, aber durch nachfragen bringen wir die Menschen vielleicht zum Nachdenken. Aber da ist Fingerspitzengefühl gefragt, aber hier auf dem Dorf kennt man sich nun mal. Unsere Mitarbeiter sind die letzte Bastion, die dafür sorgen kann, Schäden zu vermeiden.“ Und die reichen oft in den fünf-, in ganz seltenen Fällen auch mal in den sechsstelligen Bereich hinein. Denn es sind nicht nur hohe Geldsummen, die die Opfer von ihren Konten abheben, es gibt auch Fälle, in denen sie ihre Bankschließfächer leer räumen.

Fokus auf die Prävention

Eine kleine Hilfe sollen da die Umschläge sein, die die Mitarbeiter zur Aufbewahrung des Geldes herausgeben: Auf ihnen stehen sechs Fragen, „wenn Sie zwei oder mehr Fragen mit ,Ja‘ beantworten, wählen Sie die 110“, warnt darauf die Polizei.

Dahinter steckt Organisierte Kriminalität, oft aus dem Ausland – so sollen die Opfer Überweisungen oft in osteuropäische Länder, aber auch in den Libanon und nach Israel tätigen. „Und da ist schwer heranzukommen“, so Teuber. „Wir versuchen, da natürlich schon viel zu filtern, kommt uns eine Summe für die betreffende Person ungewöhnlich hoch vor“, sagt Dittrich. „Wir erleben die Beinahe-Opfer dann oft als sehr dankbar.“ Umso mehr liegt der Fokus auf der Prävention, und die ist beispielsweise für den Weißen Ring eine Herausforderung: „Unser Problem bei der Prävention ist, dass sich die Methoden oft ändern und wir den verschiedenen Maschen hinterherlaufen“, so Schulz.

Ältere Menschen haben die Tendenz, leichtgläubig zu sein – und den Tätern gelingt es, glaubwürdig zu wirken.

Thomas Teuber

Momentan funktioniert es für die Betrüger am besten, Schockzustände oder psychische Ausnahmesituationen – positiv bei Gewinnversprechen, aber vor allem negativ – auszulösen. Aus dieser heraus versuchen die Betrüger, eine Vertrauensbasis aufzubauen. „Das ist das perfide daran“, so Schulz. „Ältere Menschen haben die Tendenz, leichtgläubig zu sein – und den Tätern gelingt es, glaubwürdig zu wirken“, betont Teuber. „Gerade wenn es um die Enkel geht, wollen die Opfer gerne helfen. Dabei könnte so viel vermieden werden, wenn sich die Opfer nur zwei Minuten Zeit zum Nachdenken nehmen würden. Das wissen die Täter genau und bauen immer weiter Druck auf.“

Neun von zehn Angerufenen reagieren richtig und legen auf, „aber einer tappt in die Falle und bringt die Beute“, so der Präventionsbeauftragte der Rotenburger Polizei. Etwa 70 Fälle registrierten die Beamten in den vergangenen zwölf Monaten, die Dunkelziffer könnte allerdings weitaus höher liegen, vermutet Teuber: „Viele Opfer schweigen aus Scham darüber, dass sie Betrügern auf den Leim gegangen sind.“

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