„Am Weden“: Bürgerinitiative legt Widerspruch ein / Klaus Dreyer wehrt sich

„Unverschämter Vorwurf“

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Das Baugebiet „Am Weden“ sorgt erneut für Diskussionen. Archivfoto: Diercks

Hassendorf - Von Jessica Tisemann. Die neu ausgewiesenen Baugebiete in Hassendorf und Sottrum sorgen schon lange vor dem eigentlichen Baubeginn immer wieder für Diskussionen. Nun hat die Bürgerinitiative (BI) „Gegen Gasbohren im Landkreis“ gegen die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 8 „Am Weden“ in Hassendorf Widerspruch eingelegt. Unter anderem wirft Jochen Richert, Vorsitzender der BI, der Gemeinde in seinem Schreiben vor, dass einige der Ratsmitglieder nicht hätten abstimmen dürfen.

Zum einen sei die Ehefrau eines Ratsmitgliedes – des CDU-Politikers Hinrich Buthmann – die Grundstückseigentümerin des halben Baugebietes, schreibt die Bürgerinitiative in ihrer Stellungnahme. Daher habe der Ehemann wegen Befangenheit nicht das Recht gehabt, an der Abstimmung teilzunehmen. „Die Mitwirkung eines wegen Befangenheit nicht ausgeschlossenen Ratsmitgliedes hat grundsätzlich die Nichtigkeit des Beschlusses zur Folge“, heißt es wörtlich.

Allerdings seien die Informationen der Bürgerinitiative nicht richtig, erklärt Hassendorfs Bürgermeister Klaus Dreyer (SPD) auf Nachfrage. „Zuerst einmal gehört dem Sohn eines Ratsmitgliedes ein Teil des Baugrundstückes und nicht der Ehefrau“, so Dreyer. Außerdem habe der besagte Ratsherr nicht an der Abstimmung teilgenommen – weder bei der Beratung im Ausschuss noch bei der Beschlussfassung in der Ratssitzung. „Ich habe 40 Jahre Erfahrung in solchen Abstimmungen, da passiert mir so ein Fehler nicht“, betont der Bürgermeister.

Außerdem stört sich die BI daran, dass das Ratsmitglied Marc Terborg (Grüne) an der Abstimmung teilgenommen hat. Ihm gehört die Baufirma Terbau. „Mit Besorgnis nehmen wir zur Kenntnis, dass das betroffene Ratsmitglied wohl nicht ganz uneigennützig und nur zum Wohle der Gemeinde hier abgestimmt hat“, heißt es. Darin sieht Klaus Dreyer kein Problem. Es sei festzuhalten, dass Marc Terborg aus keinem Gesichtspunkt gehindert gewesen sei, an der Beschlussfassung zum Bebauungsplan teilzunehmen. „Ansonsten müssten wohl alle Bauhandwerker von der Beratung und Beschlussfassung eines B-Planes ausgeschlossen sein. Und der Kollege Marc Terborg hat noch nicht einmal Interesse bekundet, dass er dort irgendwelche Arbeiten vornehmen möchte“, stellt Dreyer klar.

Aber die BI geht noch weiter: Von „mafiösen Strukturen“, „undurchsichtigen Spendenannahmen“ und „zwielichtigen Abstimmungsergebnissen“ im Rat ist die Rede. „Diesen Vorwurf weise ich erneut für den gesamten Gemeinderat und die Gemeinde Hassendorf als unverschämt zurück“, so Dreyer verärgert.

Ein weiterer Punkt, den die BI beim Baugebiet „Am Weden“ kritisch sieht, ist die Nähe zur Versenkbohrstelle Sottrum Z1 und zu den Förderbohrstellen Bötersen Z11 und Bötersen Z7/Z7a. „Die unmittelbare Nähe einer Wohnbebauung zu Versenk- und Förderbohrstellen ist unverantwortlich“, schreibt Richert. Die BI halte den Standort für falsch. „Bedingt durch die Lage zu den genannten Bohrstellen gehört das Plangebiet nicht gerade zu den Top-Lagen. Es muss eher als minderwertiges Bauland mit gesundheitlichem Gefahrenpotential angesehen werden“, heißt es im Schreiben weiter. Gerade diese Aussagen ärgern Klaus Dreyer. Dadurch schädige Richert alle Grundstückseigentümer in der Gemeinde Hassendorf und darüber hinaus, ist sich der Bürgermeister sicher. „Ich habe mich in einer Eidesformel verpflichtet, Schaden von meiner Gemeinde abzuwenden. Insofern weise ich diese bösartige und schädigende Behauptung der BI mit aller Entschiedenheit zurück“, stellt Dreyer klar.

Auch zu den möglichen Auswirkungen der Verpressstelle Sottrum Z1 nimmt der Verwaltungschef Stellung und verweist auf die Anliegerversammlung der Nachbargemeinde Sottrum. Dort habe Geologe Udo Schmidt zum Ausdruck gebracht, dass die Behauptungen der BI jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Die Bauinteressenten scheinen ebenfalls nicht viel auf die Aussagen der BI zu geben. Laut Dreyer liegen schon jetzt mehr Bewerbungen für das Baugebiet vor als Grundstücke vorhanden sind.

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