Ehemaliger Sottrumer Stefan Wenck lebt mit der Ausgangssperre auf Mallorca

Im Wartemodus auf der Partyinsel

In Quarantäne unter der Sonne: Stefan Wenck in seiner neuen Heimat auf Mallorca.

Sottrum/Palma – Ein Reisender war er schon immer. Allzu lange hat es Stefan Wenck noch nie an einem Fleck gehalten. Nun hat der gebürtige Sottrumer ein neues Ziel erreicht: In seiner neuen Heimat ist er mitten hineingeschlittert in den großen Corona-Ausnahmezustand.

Zugegeben: Ausgangssperre kann auch unangenehmer ausfallen. Es sind knapp 20 Grad, nur ein paar leichte Wolken ziehen über den nahen Strand des Partyzentrums El Arenal nahe der Inselhauptstadt Palma. Stefan Wenck sitzt auf der Veranda seines Appartements, Kopfhörer im Ohr – Homeoffice. Und zwischendurch digitale Korrespondenz mit der alten Heimat: „Ich habe keine Angst“, sagt der 49-Jährige. Auf Mallorca gilt wie überall in Spanien seit Sonntag eine Ausgangssperre. Spanien ist weltweit eines der am stärksten betroffenen Länder. Nach China, Italien und dem Iran steht es bei der Zahl der Infektionen an vierter Stelle – bis gestern Nachmittag kletterten die Zahlen auf knapp 14 000 Infizierte. Und dennoch: „Aktuell kann mir eh nichts passieren, ich bin ja im Arrest, somit bin ich vorerst nicht gefährdet“, sagt der Auswanderer.

Stefan Wenck ist ein Reisender, ein Wandervogel. Als Mittelstürmer waren Hassendorf, Scheeßel, Visselhövede, Sottrum, Westerholz, Ottersberg und Rotenburg seine fußballerischen Stationen, beruflich führte der Weg vom Zimmerer bei Holzbau Cordes in Waffensen über Radiostationen in Hannover und als Stadionsprecher bei Hannover 96, Braunschweig Lions und Hannover Scorpions zur DJ- und Booking-Tätigkeit jetzt auf Mallorca. In der siebenmonatigen Partysaison am Ballermann sollte es eigentlich vornehmlich um Auftritte im Megapark gehen, „Wencki“ will dort auch selbst wieder auflegen, EDM („Electronic Dance Music“) ist seine Schublade. Wann allerdings die Partytouristen aus aller Welt und vornehmlich aus Deutschland wieder auftauchen werden, ist derzeit völlig unklar. Für den Bereich der künstlerischen Tätigkeiten eine schwierige Situation: „Ich erlebe das mit gemischten Gefühlen. Als erstes muss man sich darüber bewusst sein, dass es derzeit kein Einkommen gibt. Das schürt natürlich Angst, da man überhaupt nicht weiß, wie es weitergeht. Diese Situation erleben aber zurzeit Millionen Menschen auf der Welt, also darf ich mich da nicht als Einzelfall sehen.“ Statt selbst für gute Stimmung zu sorgen, beschäftigt er sich mit Planungen und Vorbereitungen – sowie Sport im Wohnzimmer. Seine „Body Challenge“ aus dem Wohnzimmer sorgt via Facebook für mächtig Aufsehen bei seinen Followern.

Fast 40 Mal ist der zweifache Vater in den vergangenen Monaten nach Mallorca geflogen, im März hat er seinen Lebensmittelpunkt komplett auf die Balearen-Insel verlegt. Dort erlebt er nun, was das Coronavirus ausgelöst hat. Aus dem Haus dürfe man nur allein, wenn dringend was einzukaufen ist. Oder zur Arbeit, wenn Homeoffice nicht möglich ist. Hundebesitzer dürfen dreimal täglich 15 Minuten mit ihrem Vierbeiner auf die Straße. Wenck: „Zum Strand darf man auf keinen Fall. Das alles wird auch sehr streng bewacht. Man wird schon mal angehalten und gefragt, wo es hingeht. Sollte man sich nicht an die Ausgangssperre halten, kann man auch schnell ein Bußgeld zwischen 600 bis 2 000 Euro auferlegt bekommen.“

Arbeitsplatz auf der Terrasse,

Und trotzdem sieht er die Maßnahmen als unumgänglich an. „Absolut“, sagt der ansonsten nie um viele Worte verlegene Sprücheklopfer. Er sei sowieso überrascht, dass in Deutschland noch keine Ausgangssperre verhängt worden sei: „Alle Länder machen es mittlerweile. Es geht ja nicht darum, das Coronavirus sofort zu stoppen, sondern die Verbreitung einzudämmen. Das geht meiner Meinung nach nur mit dem ,Shutdown’. Man sollte auch hier nicht nur an sich denken, man schützt dadurch Menschen, bei denen das Virus viel mehr Schaden anrichten kann.“ Seiner Meinung nach müsse Deutschland nachziehen. Nur dann könnte man wieder Herr der Lage werden, und dann sei auch das wieder möglich, was er als DJ und Organisator auf der Partyinsel erleben will: Party. Wenck: „Wir werden, wenn die Situation sich wieder langsam normalisiert, wie gewohnt Künstler anbieten. Was die Leute bestimmt mit als erstes machen wollen nach so einer Zeit, ist ein wenig feiern zu gehen.“

Coronavirus sorgt für Ausgangssperre: Spanien steht still

Die knapp 47 Millionen Bewohner Spaniens müssen seit Sonntag möglichst zu Hause bleiben. Zur Bekämpfung der sich rasch ausbreitenden Coronavirus-Epidemie rief die linke Regierung am Samstagabend eine zweiwöchige Ausgangssperre aus, die um Mitternacht in Kraft trat. Im Rahmen eines sogenannten Alarmzustands, der dritthöchsten Notstandsstufe, wurden auch die meisten Läden geschlossen und der öffentliche Nah- und Fernverkehr um rund 50 Prozent reduziert. In Europa ist Spanien nach Italien das am zweitstärksten vom Virus betroffene Land. Es soll bereits rund 14 000 Infizierte und 600 Tote geben. Die Regionalregierung der Balearen hat alle rund 25 000 auf Mallorca und den anderen spanischen Inseln noch verbliebenen Touristen dazu aufgerufen, schnellstmöglich in ihre Heimat zurückzukehren. Es mache keinen Sinn, dass die Menschen in den Hotels eingesperrt blieben. (mk)

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