Theodor Adam lebt sich als neuer Pastor in der Gemeinde Sottrum ein

Mit dem Wanderrucksack durch Deutschland

Im Pfarrhaus an der Kirchstraße 11 in Sottrum ist mit Pastor Theodor Adam jetzt wieder ein weiterer Ansprechpartner für die Gemeindemitglieder vor Ort. -  Foto: Tisemann

Sottrum -  Was verschlägt einen jungen Mann aus Celle ins etwa 100 Kilometer entfernte Sottrum? Richtig, der Job! Theodor Adam ist nämlich der neue Pastor in der St.-Georg-Kirchengemeinde. Und der 31-Jährige hat bereits einiges gesehen. Eines seiner größten Abenteuer verdankt er aber dem Drängen seiner Mutter.

Nach dem Abitur 2004 packt Adam seinen „Wanderrucksack“, wie er es ausdrückt, und macht sich auf die Suche nach der richtigen Universität. „Ich habe mich dann einfach in den Zug gesetzt und mir die Theologischen Fakultäten von Kiel bis nach Tübingen angeguckt.“ Sein Motto dabei: Es wird schon gut werden. „In Münster hat es dann Klick gemacht“, verrät der 31-Jährige. Also geht es für das sechs Semester lange Grundstudium nach Nordrhein-Westfalen. Nicht aber ohne Unterbrechung.

Für einige Zeit zieht es den damaligen Studenten nach Südafrika. Eine Erfahrung, die ihn sehr prägen soll – und die hat er seiner Mutter zu verdanken. Der Kirchenkreis Celle hat eine Partnerschaft mit einem Kirchenkreis in Südafrika. Da sich Adam bereits in der Jugendarbeit engagiert hat, eine gute Gelegenheit, einmal das Land zu besuchen. „Meine Mutter hat gesagt, ich solle die Chance nutzen“, so der gebürtige Celler. Und das tut er.

Doch aus den eigentlich angesetzten zwei Wochen wird mal eben ein halbes Jahr. „Ich habe nach den zwei Wochen gemerkt, dass ich mit dem Land einfach noch nicht fertig war.“ Er hat das Glück, einen Pastor zu finden, der gerade auf der Suche nach einem Jugendpastor als Praktikanten ist. „Da hab ich spontan beschlossen, ein halbes Jahr zu bleiben.“

Seine Eltern unterstützen ihn bei diesem Projekt, regeln viele Dinge aus Deutschland heraus. „Ich dachte mir damals, was hält mich davon ab? Ich hatte keinen Partner oder einen Job“, so der 31-Jährige. Und die Erfahrungen, die er dort gesammelt hat, haben sein Leben bereichert, gibt er zu. „Ich habe dort die ungeschönten Lebensumstände mitgenommen. Das ist eine Zeit, aus der zehre ich heute noch.“ Dort habe man sehen können, dass es auch anders in der Welt zugeht. „Das hat mein Bild wieder gerade gerückt“, so der junge Pastor.

Adam nutzt Zeit während Studium

Auch theologisch hat ihn die Zeit fern von der Heimat geprägt. Die Menschen in Südafrika würden mit „dem Bösen“ ganz anders umgehen. „Das Böse wird dort als Gegenteil zu Gott angesehen“, erklärt Adam. Auch bei einem Exorzismus ist er einmal dabei gewesen. „Es war interessant zu sehen, wie dort der Glauben funktioniert.“ Ob er den Schritt heute noch einmal genauso machen würde, wie vor zehn Jahren, weiß Adam nicht, aber es will die Zeit nicht missen. „Sobald man im Pfarramt ist, ist der geographische Spielraum eingeschränkt, deswegen hab ich die Zeit im Studium genutzt, damit ich nicht irgendwann sage, mir fehlt etwas. Nach der Zeit in Südafrika geht es für Adam über Erlangen und Berlin weiter nach Göttingen zum Examen. Es sei Tradition, dass man in seine eigene Landeskirche zurückkehrt, um dort das Examen zu machen. „Da hab ich gedacht, dass mache ich auch, obwohl ich sonst eigentlich nicht so traditionell bin.“

Nach dem Vikariat geht es nach Hannover zur Stellenverteilung. „Da hieß es dann, ,Sie kommen nach Sottrum’ und ich dachte nur, ,Aha, und wo genau liegt das’“, gibt Adam zu. Wichtig ist ihm gewesen, dass die Gemeinde zwei Männer im Pfarramt akzeptiert. Denn auch sein Partner, mit dem er seit fünfeinhalb Jahren zusammen ist, will irgendwann nach Sottrum nachkommen.

Doch ist ein schwuler Pastor tatsächlich noch ein Problem in der heutigen Zeit? „Je nach Frömmigkeit ist das in einigen Gemeinden schon Thema, ja“, berichtet Adam. In Sottrum haben ihn die Menschen aber sehr gut aufgenommen, erzählt er. „Wir führen ein klassisch-konservatives Leben, wir sind halt einfach nur zwei Männer“, sagt Adam und lacht.

Bei seiner Arbeit ist dem 31-Jährigen wichtig, „die Message an die Menschen zu bringen“. Daher komme es ihm auch bei den Predigten darauf an, was der Gemeinde gut tut und wie er die Inhalte an sie weitergeben kann. Daher spielen private Dinge in seinen Predigten auch selten eine Rolle. „Ich versuche viel eher, ein Bild zu malen, in dass sich die Menschen hineinversetzen können“, erzählt er.

Das Besondere an seiner Arbeit? „Es ist keine Aufgabe, bei der ich irgendwann sage, ,jetzt weiß ich wie ich es mache’ und es langweilt mich. Es gibt nie den perfekten Plan.“ Routine hingegen schon. Und auch die Zusammenarbeit mit Pastor Dietmar Meyer läuft harmonisch. „Mir liegt sehr viel an guter Teamarbeit. Es ist auch für die Gemeinde toll, dass sie zwei Ansprechpartner hat“. Beide haben in allen Arbeitsbereichen einen Überblick. Federführend ist Adam aber für den Besuchsdienstkreis und die Gemeindebriefredaktion verantwortlich.

Und wie ist der Privatmensch Adam so? Er segelt gerne, ein Teamplayer eben. „Dabei geht es nicht ums gewinnen, Wettkämpfe sind nicht so meins“, gibt er zu. Trotzdem hat er es beim Judo so weit gebracht, dass er sich den braunen Gürtel geholt hat. Außerdem plant er, mit seinem Partner einen kleinen Gemüsegarten hinter dem Pfarrhaus anzulegen, und die beiden gehen wandern. Wenn dann noch Zeit ist, vergräbt sich der 31-Jährige in Büchern – aber kein kitschiges Zeug oder Fantasyromane. „Ich lese gerne Reiseberichte, Briefwechsel oder Erzählungen.“

Wer Theodor Adam mal bei seiner Arbeit erleben will, hat dazu bereits heute Abend ab 19 Uhr bei der Tischabendmahlsfeier im Sottrumer Gemeindehaus Gelegenheit. Und auch an den Osterfeiertagen ist er in der Kirchengemeinde unterwegs.

Von Jessica Tisemann

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