Pianist Artem Yasynskyy begeistert in Hellwege mit seinem meisterhaften Spiel

Ein wahres Feuerwerk auf den schwarz-weißen Tasten

Artem Yasynskyy begeistert die Zuhörer bei seinem Auftritt im Heimat -und Kulturhaus in Hellwege. Unprätentiös, bescheiden, mit wirren schwarzen Locken setzte er sich fast heimlich nach einer kurzen Verbeugung an den Flügel. - Foto: Stahl

Hellwege - Von Heidi Stahl. Ein großer Wurf ist Edwin Bohlmann, dem Leiter des Heimat -und Kulturhauses (HuK) in Hellwege, mit seinem anspruchsvollen kulturellen Programm auch diesmal wieder gelungen. Zum zweiten Mal hat er den jungen ukrainischen Meisterpianisten Artem Yasynskyy ins HuK geholt.

2012 verzauberte der Tastenkünstler schon einmal das erstaunte Publikum mit seiner hohen Virtuosität. Kein Wunder, dass der Saal des HuK diesmal komplett gefüllt war. Der 1988 in der Ukraine geborene Yasynykyy gab schon mit acht Jahren sein erstes Konzert und hat seitdem unzählige Preise bei internationalen Musikwettbewerben gewonnen. Nach einem Studium an der staatlichen Musikschule in Donezk (Ukraine) kam er 2010 mit einem Stipendium nach Bremen, wo er bis heute lebt und mittlerweile, nach seinem 2015 mit Auszeichnung abgeschlossenen Masterstudium, auch als Dozent an der Hochschule für Künste lehrt.

Unprätentiös, bescheiden, mit wirren schwarzen Locken setzte er sich fast heimlich nach einer kurzen Verbeugung an den Flügel. Und was dann geschah, kann man mit Fug und Recht als ein Highlight der Klavierkunst bezeichnen.

Wie ein Wirbelwind fliegen gleich zu Beginn bei Frédéric Chopins Etüde C-Dur op. 10 Nr. 1 seine Finger über die Tasten, und scheinbar mühelos füllt der Klang des Instruments den ganzen Raum. Er setzt nicht nur Chopins Kraft der Musik meisterhaft durch seine virtuose Technik um, sondern sein Gefühl für die Charakteristik und den Stil der Komposition reißen den Zuhörer mit, lassen die Botschaft der Musik erfahrbar machen und den Zuhörer atemlos werden.

Barocksonaten von Scarlatti (1645-1757) interpretiert er bei seinem Auftritt in Hellwege ebenso meisterhaft wie Benjamin Brittens (1913-1976) „Holiday Diary“ op. 5 von 1934. Wie schimmernde Perlen an einer Kette moduliert er rasend schnelle Läufe, und jeder einzelne Ton schmiegt sich temperamentvoll oder samtig weich in die Stimmung der einzelnen Kompositionen. Die musikalische Stimmungsschilderung von Brittens “Holiday Diary“, wie der 1.Satz: „Early Morning Bathe“ (ein Bad am frühen Morgen) oder auch der furiose 2. Satz: „Sailing“, lassen Bilder entstehen, die Yasynskyy mit Emotionalität und virtuoser Ausdruckskraft in die Köpfe der Zuhörer malt.

Yasynskyy ist ein Stimmungsmensch, der die Charakteristik eines jeden Werkes traumwandlerisch erfasst, ob es nun Bachs Klarheit bei Präludium und Fuge aus dem „Wohltemperierten Klavier“, Chopins Kraft in der technisch anspruchsvollen Etüde oder Sergei Porkofjevs Zerrissenheit bei der Sonate No. 8 op. 84 ist. Immer trifft er die jeweilige Eigenart des Komponisten auf den Punkt. Kein Wunder, dass die begeisterten Zuhörer diesen Zauberer auf den Tasten nicht ohne vier Zugaben gehen lassen wollten. Ein Abend im kleinen Hellwege, der auch ohne weiteres der Carnegie Hall in New York, wo Yasynskyy im Herbst dieses Jahres auftreten wird, gerecht werden kann.

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