Volontärin Jessica Tisemann testet das Mensa-Essen an der Oberschule

Wie bei Mutti

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Maurice Rudolph (l.) und Marvin Johannigmann lassen sich die Pizza schmecken.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Pizza, Schweinefleisch „süß-sauer“ oder doch lieber Kalbshacksteak in Rahmsauce? Schwierige Entscheidung. Klingt doch alles gleich lecker. Aber schmeckt das Essen in der Mensa der Oberschule Sottrum so gut, wie es sich liest? Zeit für einen Test.

Nach reiflicher Überlegung entscheide ich mich für das Schweinefleisch – und wecke damit lang verdrängte Erinnerungen an meine eigene Schulzeit. Damals schmeckten nicht einmal die Spaghetti, sondern klebten als undefinierbare, zerkochte Masse auf dem Teller.

Aber Bange machen gilt nicht – zumindest optisch sieht alles ansprechend aus. Die riesige Fensterfront lässt viel Licht in den Raum, rote Akzente sowie neue Tische und Stühle wirken sehr einladend.

Die Möglichkeit, mittags in der Mensa zu essen, gibt es für die Schüler der fünften Klasse seit diesem Schuljahr. Mit der Umgestaltung zur Oberschule und dem erweiterten Angebot am Nachmittag brauchten die Jungen und Mädchen mittags eine Stärkung, die Idee zur Mensa war geboren. Nun haben die Kinder dienstags, mittwochs und donnerstags jeweils drei Gerichte zur Auswahl – und das für gerade einmal drei Euro. Außerdem ist immer ein vegetarisches Essen dabei.

Das Angebot kommt gut an. So gut, dass sogar einige Kinder in der Projektwoche zum Essen bleiben, obwohl der Nachmittagsunterricht gar nicht mehr stattfindet. „Ich habe noch von keinen Schüler gehört, dass ihm das Essen nicht geschmeckt hätte“, erzählt Schulleiter André Barth. Klar, das muss er ja auch sagen.

Doch was meinen denn die Kinder? Die Pizza zumindest schmeckt sehr gut, versichert mir Maurice Rudolph. Er scheint recht zu haben, denn beim Blick auf meinen eigenen Teller, habe ich nur noch eine Befürchtung: Wie soll ich das alles schaffen? Es gibt ja auch noch Nachtisch – Eis übrigens – und ein Salatbüfett. Nun ja, den Salat lass ich heute wohl mal ausfallen. Auch an dieser Theke gibt es immer eine bunte Auswahl.

Iris Worthmann und Sabine Kassau, schnippeln jeden Morgen frisch Gurke, Tomate und Salat – und die Kinder können sich so viel davon nehmen wie sie möchten. Auch den Nachtisch machen die Damen selbst. Am besten gehen – neben Eis – Quarkspeise und Schokopudding, verraten sie.

Jeder Fünftklässler hat bis 18 Uhr am Vorabend Zeit, sich sein Menü auszusuchen. Das geht ganz einfach über das Internet. Benutzername und Kennwort eingeben, Menü anklicken und fertig. Der Chip, den sie an der Essenausgabe auf eine Lesegerät legen müssen, leitet dann alle Informationen weiter, sodass Iris Worthmann und Sabine Kassau wissen, was der Schüler für ein Essen ausgesucht hat. „Aber wenn ein Schüler seinen Chip mal vergessen haben sollte, ist das auch kein Problem. Die beiden haben eine Liste, auf der sie dann einfach den jeweiligen Namen abhaken“, erklärt Barth. Bis 9 Uhr am Tag selbst, lässt sich das Gericht auch noch stornieren. Und was dem Schulleiter besonders wichtig ist: „Im Internet steht auch, welche Inhaltsstoffe im Essen sind. So können die Eltern sehen, ob etwas dabei ist, auf das die Kinder allergisch reagieren.“

Das Essen bekommt die Schule von dem Unternehmen Ti-Menü-Service. Einmal in der Woche geben Iris Worthmann und Sabine Kassau die Bestellung auf, lagern die Tiefkühlprodukte, nehmen so viele Portionen heraus, wie sie für den jeweiligen Tag brauchen und bereiten diese zu.

Zu den knapp 50 Fünftklässlern – 63 Kinder besuchen derzeit die fünfte Klasse der Oberschule – die regelmäßig in der Mensa essen, gesellen sich am Mittwoch auch einige der älteren Schüler. Dann nämlich steht der freiwillige Nachmittagsunterricht in den Stundenplänen. „Als wir mit dem Mensa-Betrieb angefangen haben, haben die älteren Schüler gesagt, dass sie auch gerne hier essen wollen“, sagt Barth.

Doch erst einmal ist das Angebot nur für die jetzigen fünften Klassen gedacht. Im kommenden Schuljahr gilt das Angebot dann für den sechsten und den neuen fünften Jahrgang. Nach und nach essen so immer mehr Schüler in der Mensa. Ob der Platz dann noch ausreicht, bleibt abzuwarten. Auch wenn bis dahin noch einige Zeit vergeht, hat sich der Schulleiter schon jetzt Gedanken darüber gemacht. Ein Anbau ist möglich – oder eine Essensausgabe in mehreren Schichten.

Bis es aber soweit ist, geht es noch gemütlich zu in der Mensa. Die Schüler kennen sich untereinander, sitzen gemeinsam an den Tischen – eine fast schon familiäre Atmosphäre.

Das Essen hat übrigens auch mir gut geschmeckt, genauso wie vielen Lehrern und Iris Worthmann sowie Sabine Kassau. Ich glaube, ich schaue ab sofort häufiger mittags in der Oberschule vorbei. Da gibt es bloß ein Problem: Wo bekomme ich wohl so einen Chip her?

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