„Nullzinsen“ sorgen für Spagat

Zufriedenstellendes Jubiläumsjahr für die Volksbank Wümme-Wieste

Stefan Hunsche (l.) und Matthias Dittrich blicken auf ein erfolgreiches Jubiläumsjahr der Volksbank zurück.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Das Jahr 2017 hatte bei der Volksbank Wümme-Wieste ein großes Thema: das Jubiläum, das 125-jährige Bestehen. Über das Jahr hinweg hat das Bankhaus in seinen Filialen einige Aktionen durchgeführt, hat geschenkt und sich selbst beschenkt. Auch geschäftlich lief es. Das zumindest konnten die beiden Vorstände Matthias Dittrich und Stefan Hunsche am Donnerstag berichten.

Der Ausblick könnte auch der Rückblick sein, konstatierte Dittrich am Ende des Pressegesprächs. Die Herausforderungen, die die Sottrumer Volksbank in diesem Jahr angehen muss, sind im Prinzip dieselben wie im vergangenen Jahr. Zinsen bei null Prozent, Digitalisierung, Regulationen – das sind die drei Stichworte, die das Geschäftsjahr 2017 geprägt haben.

Dittrich holt aus, spricht über die Europäische Zentralbank, neue verpflichtende Arbeitsabläufe im Aktienhandel, geändertes Kundenverhalten und wie sich seine Bank auf all das einstellt, oder auch einstellen muss. Dabei lief es 2017 nicht schlecht für die Volksbank Wümme-Wieste. Die Bilanzsumme ist erneut gestiegen, von 560 auf 593 Millionen Euro. Wie Hunsche sagt, liege man damit im guten Mittelmaß. „In diesem Jahr wollen wir die 600 knacken.“ Ebenfalls im Wachstum: das von der Bank betreute Gesamtvolumen der Kundengelder. Hat man noch vor einem Jahr stolz vom Überschreiten der magischen Milliardengrenze gesprochen, ging es 2017 noch ein bisschen weiter – auf 1,14 Milliarden Euro.

Rund 30 000 Kunden habe die Volksbank Wümme-Wieste zwischen Fintel und Fischerhude jetzt. 10 933 seien davon Mitglied der Genossenschaft, auch diese Zahl sei steigend.

Besonders nachgefragt seien Kredite. „Die laufen bei diesen Zinsen sehr gut“, sagt Hunsche. 95 Millionen Euro hat die Bank 2017 neu verliehen. Der Trend gehe zu längeren Laufzeiten. Ganz im Gegensatz zum Einlagengeschäft. Und auch hier hinterlassen die Zinsen ihre Spuren. „Wer will sich bei ,Nullzinsen‘ beim Sparen schon langfristig binden?, fragt Hunsche. Der Spagat zwischen Einlagen und Krediten jedenfalls werde immer größer. „Das macht die Steuerung schwierig.“

Stichwort Digitalisierung mit den Themenfeldern Bequemlichkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit: Dittrich wähnt sein Institut auf dem richtigen Weg. „Das Digitale greift immer mehr ins Leben ein“, sagt er. Sei es beim Einkaufen, im Restaurant oder sonst wo, wo Geld den Besitzer wechselt. Für eine Bank bedeute dies eine neue Nähe zum Kunden. „Der Kunde entscheidet, wie er mit uns in Kontakt tritt.“ Doch wenn der zunehmend den digitalen Weg wählt, müsse auch die Volksbank sich offline entsprechend verändern. „Auch wir müssen uns mit den Standorten beschäftigen“, so Dittrich. Man wolle eine Flächenbank und auf jeden Fall in den Kernorten bleiben. Doch am Ende würden die Kunden „mit ihren Füßen entscheiden“. Das böse Wort „Filialschließungen“ vermeidet er.

Im Großen und Ganzen sei 2017 ein zufriedenstellendes Jahr gewesen, sagen beide Vorstände. Auch abseits des Geschäftlichen: Mit der Crowdfunding-Plattform „Viele schaffen mehr“ habe man für Projekte im Geschäftsgebiet mehr als 70 000 Euro sammeln können. Ein Viertel davon habe die Bank selbst beigesteuert. 17 Projekte seien so finanziert worden. Insgesamt seien 90 346 Euro an Spenden geflossen. Dazu kam der Umbau der Hauptstelle in Sottrum, eine Erlebnisausstellung in Ottersberg („Eine Vermögensanlage zum Anfassen“) – nicht die einzige Aktion zum Jubiläum. So gab es noch einen Fotowettbewerb, dessen Gewinnerbeiträge jetzt in den Sottrumer Beratungsräumen hängen, 125 gespendete Obstbäume, ein Mitarbeiterausflug nach Amsterdam und nicht zuletzt das Projekt Blickwechsel. In dem haben 28 Mitarbeiter einige Tage in sozialen Einrichtungen gearbeitet. „Wir arbeiten mit Menschen, und wir wollten sie einmal in schwierigen und ungewohnten Situationen kennenlernen“, so Dittrich.

Die Region boome. Es gebe eine niedrige Arbeitslosenzahl, eine hohe Nachfrage an Baugrundstücken und eine vernünftige Investitionsbereitschaft, so der Vorstand abschließend. Das mache zuversichtlich, dass auch 2018 die Perspektive eine gute ist.

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