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Volksbank stellt Bilanz vor und kündigt moderate Gebührenerhöhung an

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Von: Nina Baucke

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Stefan Hunsche (l.) und Matthias Dittrich vor der Volksbank Wümme-Wieste
Mehr Nachhaltigkeit und mehr Bäume pflanzen: Mit diesen Vorhaben geht die Volksbank Wümme-Wieste mit ihrem Vorstand Stefan Hunsche (l.) und Matthias Dittrich in das neue Geschäftsjahr. © Baucke

Die Volksbank Wümme-Wieste stellt ihre Jahresbilanz 2021 vor - und die hat Licht und Schattenseiten. Zugleich macht der Krieg in der Ukraine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr schwierig.

Sottrum – Wachstum bei der Bilanzsumme, Wachstum im Wertpapiergeschäft, Wachstum bei den Kundenkrediten: „Ein solides Ergebnis“, finden Stefan Hunsche und Matthias Dittrich, die Vorstände der Volksbank Wümme-Wieste in Sottrum. Und dennoch gab und gibt es Schattenseiten. „Wir hätten nicht gedacht, dass Corona uns weiter so in der Schlinge hält – und das hat auch unser Geschäftsjahr beeinflusst“, so Dittrich. Auch der russische Krieg in der Ukraine lasse nur schwer Prognosen für 2022 treffen. „Der Blick in die Glaskugel ist vernebelt.“

Dabei sei das vergangene Jahr auf jeden Fall ein erfolgreiches Jahr gewesen, so Hunsche. „Nicht überall, aber in einigen Bereichen hat es gebrummt.“ Alle Einlagen und Sparguthaben, aber auch Finanzierungen und Kredite der Kunden zusammengerechnet, kommt die Volksbank Wümme-Wieste im abgelaufenen Jahr auf eine Bilanzsumme von 737 Millionen Euro. Das Volumen dessen, was die Kunden an finanziellen Mitteln bewegt haben, beläuft sich auf 1,53 Milliarden Euro. „Das ist bemerkenswert gut“, freut sich Hunsche. Gut lief es dabei im Bereich der Baukredite, aber auch bei Union Investment. „Der Trend zum Sparen ist da, und das ist quasi das Sparbuch 2.0“, erläutert er.

Inflationsrate nur schwer einschätzbar

Dagegen habe sich die Wirtschaft als wenig dynamisch erwiesen, die Betriebe seien durch Ressourcenknappheit belastet. „Wir haben zudem im Gastronomiebereich mit Coronahilfen versucht, Lücken zu schließen“, so Hunsche. „Aber auch die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen – Klimaschutz und Tierwohl sind da Themen, dazu kommt der Preisdruck bei der Milch und den Schweinen.“

Aufgrund der aktuellen Lage ließen sich zudem die Inflationsraten nur schwer einschätzen. „Wir befürchten eine Preis-Lohn-Spirale, noch schwieriger wird es bei einer Stagflation – wenn sich die Preise erhöhen und dennoch das Wirtschaftswachstum abnimmt. Aber wir sind da gut abgesichert.“

Sicherheit gibt es auch für die Geschäftsstellen in Sottrum, Rotenburg, Scheeßel und Ottersberg. „Bei allen anderen entscheiden die Kunden mit den Füßen“, sagt Dittrich. Zwar sind keine Schließungen geplant, dennoch: „Eine Garantie für die Zukunft können wir nicht geben.“ Denn Fakt ist, durch Corona hat sich im Bereich Digitalisierung einiges geändert: „Das Hartgeld-Aufkommen sinkt, zudem war die Pandemie ein unheimlicher Treiber, wenn es um die Digitalisierung der älteren Kunden geht“, sagt Hunsche. „Corona hat gezeigt, dass vieles funktioniert, auch ohne, dass sich Menschen direkt gegenüber stehen. Und der Trend ist noch nicht abgeschlossen.“ Dazu komme: Auch die Kontoführungskosten werden steigen – „moderat“, wie Hunsche und Dittrich betonen. Wie genau sei vom jeweiligen Kontomodell abhängig. Auch erhöht die Bank die Transaktionskosten, das allerdings „im Centbereich“, so Dittrich.

Wir wollen als Finanzgruppe grüner werden.

Matthias Dittrich

Das hängt auch mit dem im vergangenen April geänderten AGB-Gesetz – einem, laut Dittrich, „regulatorischen Gewaltakt“ – zusammen. Dessen Folgen werden die Volksbank Wümme-Wieste demnächst beschäftigen: Denn bei der Bekanntgabe neuer Allgemeiner Geschäftsbedingungen gilt im Falle von Banken nicht mehr die schweigende Zustimmung, stattdessen müssen die Kunden aktiv reagieren. „Das bedeutet, dass wir jedem unserer rund 30 000 Kunden 40 vorne und hinten bedruckte Seiten zuschicken müssen“, beschreibt Dittrich. Bleibt eine Antwort aus, muss bei jedem einzelnen Kunden telefonisch nachgefasst werden. Bündelungen sind nicht möglich: „Haben beispielsweise in einer Familie die Eltern sowie drei Kinder jeweils ein Konto, müssen wir dieser Familie den ganzen Satz fünfmal zuschicken.“ Bundesweit bei allen Volks- und Raiffeisenbanken zusammengerechnet kämen dabei 1 500 Tonnen Papier zusammen. Deswegen hoffen Hunsche und Dittrich, dass sich einige Kunden daher für das E-Post-Fach entscheiden, das im Onlinebanking enthalten ist. „Für jede Freischaltung pflanzen wir einen Baum“, kündigt Dittrich an. 5 000 solcher Freischaltungen habe die Volksbank Wümme-Wieste als Ziel.

Ohnehin haben sich Hunsche und Dittrich die Nachhaltigkeit der Bank auf die Fahnen geschrieben: So sollen ab demnächst Kreditkarten aus Maisstärke ausgegeben werden. „Ohne den Chip natürlich könnten die, wenn sie abgelaufen sind, rein theoretisch in die nächste Biogasanlage geschmissen werden“, erklärt Dittrich. „Wir wollen als Finanzgruppe grüner werden.“

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