Betreiber der einzigen Galerie Sottrums

„Viele sagen, sie seien Kunstbanausen“

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Karl Schmeichel und Dörte Gerlach eröffnen Mitte September ihre zweite Ausstellung als Betreiber einer Galerie. Michael Benning wird ausstellen.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Die einzige Galerie in Sottrum befindet sich passenderweise in einer alten Malerwerkstatt. Von einem leicht industriellen Charme, den es dort vielleicht einmal gegeben hat, ist aber nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Die Wände sind weiß und mit Gemälden behängt.

Als die beiden Besitzer, Dörte Gerlach und Karl Schmeichel, vor einigen Jahren Haus und Grundstück an der Lindenstraße 101 bezogen, wussten sie zunächst nichts mit der Werkstatt anzufangen. Mittlerweile haben sie dessen Bestimmung gefunden: die Galerie Gerlach.

Seit einem halben Jahr gibt es die Galerie jetzt. Die Bilder an den Wänden gehören bereits zur zweiten Ausstellung, die in einigen Wochen beginnen soll – dazwischen stehen ein paar Tische und Werkzeuge, organisatorisches Chaos. Bis Mitte September muss es verschwunden sein, noch die Bilder aufgehängt werden, die derzeit am Boden an der Wand lehnen. Dann beginnt die nächste Ausstellung – die zweite.

Sehr gute Besucherzahlen

Die erste Ausstellung in der Galerie Gerlach hat es seit Ende März gegeben. Der Bremer Bildhauer Mirsad Herenda stellte einige seiner Skulpturen aus. Obwohl die Besucherzahlen mit insgesamt 165 an vier Öffnungstagen laut Gerlach und Schmeichel „sehr gut“ seien, hat das Paar durchaus bemerkt, dass nicht jeder etwas mit seinen Arbeiten anfangen kann. Dennoch konnte Herenda in Sottrum einige Werke auch verkaufen.

Mit Michael Benning sind ab dem 22. September die Werke eines Künstlers zu sehen, die eher den allgemeinen Geschmack treffen, glaubt Gerlach. Obwohl es darauf auch nicht ankomme. Man probiert sich noch aus. Oder: „Wir tasten uns ran.“ So formuliert es Schmeichel. Nach Bennings soll es wieder eine Skulpturen-Ausstellung zu sehen geben, danach Malerei – soweit die Planung. Zukünftig soll es außerdem mehr Ausstellungen über das Jahr hinweg geben als im Premierenjahr 2017. Drei oder vier sind angepeilt, erklären die Galeriebetreiber.

Gerlach und Schmeichel haben das Ziel, anspruchsvolle Kunst anzubieten. Sie beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit Kunst, sammeln sie, sind vernetzt. „Wir wählen Künstler aus, die schon ganz woanders ausgestellt haben“, sagt Schmeichel. Sie sollen aber nicht nur in die Städte, sondern auch aufs Land – nach Sottrum.

Interessierte aus Bremen im Visier

Zudem versuchen sie, auch außerhalb der Wieste-Gemeinde bekannter zu werden, nehmen beispielsweise Interessierte aus Bremen ins Visier. „Wer eine Ausstellung besuchen will, fährt ja gezielt zu ihr hin“, sagt Gerlach. Und warum nicht in ihre Galerie? „Sottrum ist ja schließlich gut angebunden“, erklärt sie.

Mit der neuen Ausstellung wollen sie mittlerweile im Kunstbetrieb Gelerntes umsetzen. So verzichtet man darauf, die Galerie an einem Samstag zu öffnen, dafür macht man die Tore zwischen 24. September und 22. Oktober immer sonntags auf. Auch in Sachen Werbung wollen sie weitergehen, mehr Flyer verteilen und die Menschen gezielt ansprechen. 

„Viele behaupten von sich selbst, sie seien Kunstbanausen“, sagt Schmeichel nachdenklich. Schon bei der Ankündigung der Galerie im Februar sprachen die Beiden davon, den Besuchern die „Schwellenangst“ nehmen und Neugierde wecken zu wollen. Ein Anliegen, das Gerlach auch heute noch so formuliert.

Doppeltes Wiedersehen

Wenn die Ausstellung von Michael Benning „Dem Himmel nah“ Mitte September in der Galerie Gerlach an der Lindenstraße 101 in Sottrum beginnt, ist es ein Wiedersehen im doppelten Sinne. Nicht nur, dass Karl Schmeichel dafür eine 43 Jahre lang ruhende Freundschaft reaktiviert hat, auch Jürgen Weichardt, der am 17. September vor geladenen Gästen die Einführung halten wird, hatte schon mit Benning zu tun.

Der international bekannte Kunstkritiker hatte bereits vor 30 Jahren eine Ausstellung mit Werken Bennings eröffnet. „Die waren damals aber ganz anders als heute“, sagt Schmeichel. Die Öffentlichkeit hat ab Freitag, 22. September, von 19 Uhr an die Möglichkeit, Bennings Bilder anzusehen – danach ist die Galerie bis zum 22. Oktober immer sonntags von 12 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet.

Landschaften mit weitem Himmel

Die ausgestellten Bilder, die Benning mit Ölpastellkreide gemalt hat, zeigen gefällige Landschaften aus der Region um Wolfenbüttel, wo der Maler lebt und arbeitet: Kornfelder, Wiesen, Hügel, das Meer, Gebäude, darüber weiter Himmel. Ursprünglich sollte der Maler Thomas Hartmann in der Galerie Gerlach ausstellen. Der hat allerdings kurzfristig abgesagt. Ein gleichwertiger Ersatz musste her, Schmeichel wühlte in seinem Gedächtnis und kam so auf Benning, dem er in früheren Zeiten häufiger zu tun hatte, aber seit 43 Jahren nicht mehr gesprochen hatte. „Ich war damals schon total von seiner Arbeit begeistert“, sagt Schmeichel, der zwei Radierungen aus der Zeit besitzt und die er immer mal wieder aufhängt.

         www.galerie-gerlach.de

Neue Serie

Echte Kultur gibt es nur in der Stadt? In Sottrum weiß man, dass diese These reiner Unsinn ist. Überall in der ländlichen Samtgemeinde gibt es Maler, Bildhauer, Musiker und andere Künstler, dazu selbstredend einige Vereine sowie Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur in der Region zu fördern und lebendig zu machen. In der Serie „Sottrum – eine kreative Kommune“ rücken wir sie in loser Reihenfolge ins richtige Licht und werfen einen Blick auf interessante Randaspekte und Hintergründe der Szene.

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