Nächste Runde der Bürgerbeteiligung bei „Sottrum 2030“ am Heimathaus

Viele Menschen, viele Meinungen

Ein Konzept ist dringend nötig, sagen Karin Fuge-Venzke und ihr Mann Jörg Venzke.
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Ein Konzept ist dringend nötig, sagen Karin Fuge-Venzke und ihr Mann Jörg Venzke.
  • Ann-Christin Beims
    vonAnn-Christin Beims
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Sottrum – Wie wird sich Sottrum entwickeln? Dörflich mit einem qualitativen Wachstum, oder geht die Tendenz in Richtung Stadt? Diese Szenarien stehen derzeit zur Debatte. So auch am Freitag auf dem Heimathausgelände. Dorthin haben Projektleiter Ulrich Berding und sein Team vom Büro „plan zwei“ geladen, um Bürgern die Vorschläge vorzustellen und Anregungen und Ideen zum Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ mitzunehmen. Es ist das erste persönliche Treffen seit Ausbruch des Coronavirus. „Die Leute sollen ein Teil der Planung sein“, erklärt Berding. Nach und nach füllt sich der Platz, auf dem an drei Stellwänden Plakate aufgehängt sind. Zugleich stehen Berding und sein Team bereit, um Fragen zu beantworten. Einige Besucher kommen allein, manche mit ihren Familien. Die Themen, die sie bewegen, sind vielfältig.

„Ich halte da ganz viel von“, sagt Heiner Schröder, der gerade ankommt. „Es ist wichtig, dass die Bürger in solche Prozesse eingebunden werden – und wer nichts sagt, darf nicht meckern.“ Der Sottrumer ist seit der ersten Veranstaltung dabei, kennt viele Meinungen. „Ich würde den Schwerpunkt dörflich setzen, aber es ist wichtig, sich weiterzuentwickeln“, findet er. Ein wesentlicher Faktor sei die Wohnbebauung – ein Thema, das vielen auf dem Herzen liegt. So gibt es im Wiesteort viel Einfamilienhausbebauung, aber wenig Wohnungen für Alleinstehende oder Ältere. „Das wurde nicht hinreichend berücksichtigt“, so Schröder. „Das fehlt dann auch für junge Menschen.“

Timon Fricke sieht das ähnlich. Der Jugendliche ist mit seinen Eltern und seinem Bruder vorbeigekommen, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Es ist ein guter Ansatz, um über die Entwicklung zu sprechen, und es ist sehr wichtig für die, die hier leben, ihre Meinung beizutragen“, lobt er. Er sieht eine Mischung aus beiden Szenarien für die Zukunft – eine Vorstellung, die viele Besucher an diesem Nachmittag teilen. „Mehr Freizeitangebote sind wichtig“, meint Timon Fricke. Dazu wünscht er sich eine Straßennetzoptimierung. „Ansonsten sind wir auf einem guten Weg.“ Die Straßensituation ist auch an einem der Stehtische Anlass für eine angeregte Diskussion mit Kirsten Klehn von „plan zwei“, man beugt sich über eine Straßenkarte. Sie nimmt einiges mit, macht sich Notizen. „Wir müssen eine Zielrichtung definieren, um Lösungen zu finden“, sagt sie.

Auch die Themen Energie, Landwirtschaft und Umwelt kommen auf, das Schaffen von Lebensräumen. „Wir müssen was tun, nicht nur das Insektensterben beklagen“, sagt der Sottrumer Schröder. Ein weiterer wichtiger Aspekt scheint der kulturelle zu sein. „Der Heimatverein funktioniert sehr gut, aber das deckt nicht den Kulturbegriff ab – es gibt zum Beispiel auch eine Friedhofskultur“, erklärt Edwin Bohlmann, der auch in der Kulturinitiative Sottrum aktiv ist. Er sagt: Ein Konzept sei dringend notwendig, man müsse sich rechtzeitig über die Entwicklung Gedanken machen. Eine Mischung beider Szenarien sei erstrebenswert. Denn: „Die Bedürfnisse der Bürger haben immer mehr städtische Aspekte, zum Beispiel in der Wohnkultur. Zugleich gibt es wenig Räume für die Jugend, diese ist noch sehr auf Sport zum Beispiel angewiesen.“ Der Eichpark biete gute Möglichkeiten, an eine Weiterentwicklung zu denken. „Mehr Konzerte, naturnahe Begegnungen – man könnte eine Art Pavillon dort aufstellen, als Spielstätte, aber auch nutzbar für die Schulen.“ Mit der geplanten Umgestaltung des Eichparks befasst sich auch der Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde Sottrum am Mittwoch.

In der kleinen Stehtisch-Runde wird auch der Mangel an Räumen für Kulturveranstaltungen erwähnt. „Man muss immer irgendwo unterkriechen“, merkt Tatjana Schuba aus Hellwege an. Sie möchte ungern weiter ins Urbane abgleiten, „es ist besser, wenn man das, was gut ist, weiter vorantreibt“. Kulturell sei viel da, stehe in den Startlöchern. „Das bleibt aber eher im Kleinen für sich.“ Auch werde diese Arbeit der Ehrenamtlichen manchmal zu selbstverständlich genommen, findet sie. Zudem würden kulturelle Projekte immer viele Diskussionen mit sich bringen, „meist fallen wir dann hinten runter“. Vielseitig sei das Angebot, merkt sie an, doch fehle ein zentraler Punkt, wo alles zusammenlaufen könnte. „Wir könnten einen Kulturbeauftragten brauchen.“ Ihr Wunsch für Sottrum sei es, dass sich der Ort das Beschauliche erhält und „auf die nächste Entwicklungsstufe geht, ohne das zu verlieren“.

Dass ein Konzept wie Sottrum 2030 dringend nötig sei, finden auch Karin Fuge-Venzke und ihr Mann Jörg Venzke. Das Paar lebt seit 1993 in Sottrum, hat nach eigener Aussage immer an der Entwicklung Anteil genommen. „Wir haben damals die Pflasterung der St.Georg-Straße mitbekommen, was nicht immer ganz günstig war im Nachhinein“, merkt Karin Fuge-Venzke an. In den vergangenen 15 Jahren habe sich vieles getan, „durchaus auch zum Positiven“. In diesem Zusammenhang sprechen sie das Gelände rund um das Heimathaus an, zu dem sich bald ein europäisches Kultur- und Heimathaus gesellen soll – ebenfalls ein Punkt auf der Tagesordnung des Bau- und Planungsausschusses. „Das ist ein grünes Zentrum, im Gegensatz zur Lage rund um die Supermärkte – notwendig, aber nicht schön“, sagt die Sottrumerin. Sie würde sich einen Lieferservice erhoffen, insbesondere für ältere Mitbürger. „Damit nicht noch mehr Supermärkte kommen, denn wer mobil ist, kann in den Ortskern fahren.“ In puncto Szenario sind sich die beiden nicht ganz einig. Während sie eine dörfliche Weiterentwicklung bevorzugen würde, tendiert ihr Mann zu einem Mix. Ein großer Wunsch wäre ein Wochenmarkt. „Auch als Treffpunkt“, meint Karin Fuge-Venzke. „Und die Gastronomie rund ums Heimathaus sollte ausgeweitet werden“, ergänzt Jörg Venzke. Kehren Touristen zum Beispiel während einer Fahrradtour mittags ein, fehle ein Angebot, da noch nichts offen habe. „Man will die Touristen herholen, dann muss man ihnen was bieten“, findet er.

Seit 35 Jahren lebt Hans-Peter Buckenberger in Sottrum, südlich der B 75, und die „hat eine Trennwirkung“, sagt er. Hinzu komme: „An der Überquerung muss was getan werden“, betont er. Insbesondere, wenn Fahrzeuge von der Autobahn kommen, „donnern sie auch mal bei rot über die Ampel, das ist gefährlich“. Gerade, weil im Süden viele Schüler seien, die die Straße queren. Der Einzelhandel sollte sich seiner Meinung nach weiter auf den Bereich im Zentrum konzentrieren. „Ich hoffe, die ein oder andere Anregung wird mit beachtet im Prozess“, erklärt er. Er würde sich wünschen, dass bereits bebaute Gebiete zunächst nachverdichtet werden, bevor „man gleich neue Flächen erschließt“. Auch er sieht fehlenden kleineren Wohnraum als Problem. „Sottrum soll nicht noch städtischer werden. Seit ich hier wohne, hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt, das war nicht immer gesund“, sagt er. „Manchmal ging es zu schnell.“ Zum Beispiel müsse bei einem solchen Wachstum auch die Bildungsinfrastruktur angemessen hinterherkommen.

Am Ende des Tages sind Berding und sein Team zufrieden. Etwa 50 Interessierte seien da gewesen, die „uns zahlreiche Kommentare und Vorschläge mitgegeben haben“. Viele hätten die Gelegenheit genutzt, sich noch einmal ausführlich über das Projekt und seine Inhalte sowie die Ziele zu informieren. „Insgesamt war die Stimmung wieder sehr positiv und konstruktiv – wie immer in Sottrum hat uns auch diese Veranstaltung wieder großen Spaß gemacht.“ Nun sollen die Ergebnisse ausgewertet werden und in den weiteren Planungsprozess einfließen. Wer sich daran beteiligen möchte: Über die Internetseite „www.sottrum2030.de“ können noch bis zum 21. Juni online weiterhin Vorschläge, Ideen und Anregungen eingebracht werden.

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