Unsere Mitarbeiterin trifft beim Ablesen von Wasserständen viele verschiedene Leute

Unterwegs in fremden Kellern

Das Handy ist für unsere Mitarbeiterin Antje Holsten-Körner das wichtigste Werkzeug.

Stapel/Schleessel - In den ersten Novemberwochen sind im ganzen Landkreis Ableser unterwegs, um die aktuellen Zählerstände von Strom, Gas und Wasser für die Jahresabrechnungen zu sammeln. Jahrelang kannte unsere Mitarbeiterin Antje Holsten-Körner als Kundin das stets auf „ihrer Seite“ der Türschwelle. Jetzt hat sie die Seite getauscht. Dafür hat sie bei der Sottrumer Firma C & K angeheuert, um die Einwohner Schleeßels und Stapels zu besuchen. Im Erfahrungsbericht erzählt sie, wie es war, an vielen fremden Türen zu klingeln.

Bevor ich loslegen konnte, hatte ich einige Tage vorher einen Termin mit meiner zuständigen Disponentin, Sabine Müller-Tietje. Sie erklärte mir die Arbeitsmaterialien sowie an einer Schauwand die verschiedenen Zählermodelle. Dabei zeigte sich schnell, dass das mitgelieferte Handy das wichtigste Gerät für mich sein wird. Dort sind nämlich alle Haushalte nach Ort, Straßen, Hausnummern und Ableseaufträgen sortiert. Auf den ersten Blick konnte ich sehen, dass ich inklusive der vereinzelt an der Straße stehenden grauen Kästen insgesamt 140 Zählerstandpunkte ansteuern musste.

Als Startpunkt meiner ersten Tour wähle ich das Gemeindebüro in Stapel, wo Horstedts Bürgermeister Michael Schröck auch sein Architekturbüro hat. Um zügig unterwegs zu sein, habe ich ein Klapprad dabei – mit Fahrradschloss. „Das brauchst du hier nicht, hier wird nichts gestohlen“, meint Schröck. Nachdem ich im Büro und dem Privathaus der Familie Schröck die Ablesung beendet habe, nimmt sich der Bürgermeister Zeit, um mit mir auch zum Friedhof zu fahren. Auch dort gibt es – allerdings sehr versteckt – eine Wasseruhr. Alleine hätte ich die Uhr nie gefunden.

Weiter geht es am Moorweg. Es ist schon ungewöhnlich, an fremden Haustüren zu klingeln, aber das gehört zum Job. Beim ersten Haus öffnet mir eine junge Frau die Tür. Sie schaut zunächst fragend, doch eine kurze Erklärung später, mit welchem Auftrag ich in Stapel bin, und sie zeigt mir bereitswillig den Strom- und den Gaszähler. Den Eindruck, dass mir misstraut wird, werde ich übrigens auch später in keinem der Haushalte haben. Da der Wasserzähler nicht auf den ersten Blick zu sehen ist, kommt der Ehemann zu Hilfe. Durch die im Handy hinterlegten Informationen werden meine Eingaben gleich auf Plausibilität geprüft.

Beim nächsten Haus habe ich nicht so viel Glück, ich warte vergeblich. Daher werfe ich eine Information ein, für wann ich den zweiten Besuch geplant habe. „Im Handy wird vermerkt, dass ein Zettel eingeworfen wurde“, hat mir Sabine Müller-Tietje vorher noch erklärt. Entweder warten die Strom-, Gas- und Wasserkunden auf den genannten Termin oder sie geben bereits die Werte per Telefon, Fax oder Internet durch. „Ist das der Fall, sehen Sie bei der nächsten Synchronisierung des Gerätes, dass hier kein weiterer Besuch erforderlich ist“, sagt die Disponentin zu mir. Sollte auch beim zweiten Termin keiner da sein, gibt es Karten, mit denen die Zahlen gemeldet werden können. „In allen Fällen bekommen Sie aber ihr Geld für die Ablesung“, so Müller-Tietje. Schon beim ersten Durchgang kann ich in vielen Haushalten in Stapel die Werte aufnehmen. Alle anderen erhalten von mir den bereits erwähnten Zettel.

So gut wie überall blicke ich bei der Ankunft in freundliche Gesichter. Eine Familie bietet mir sogar ein Mittagessen an. Während es fast überall wohnlich zugeht, gibt es auch schon mal den einen oder anderen Haushalt, der davon abweicht. Aber egal, ich bin ja nur zum Ablesen dort. Abenteuerlich gestaltet sich manchmal der Weg zur Wasseruhr: Einmal muss ich in einen Keller klettern, wo kurz zuvor Regenwasser eingedrungen war. Der Eigentümer drückt mir Holzbalken in die Hand, die ich mir hinlegen kann, um trockenen Fußes den Zähler zu erreichen. Nachdem der erste Balken wegschwimmt, klappt es anschließend.

Es bleibt nicht der einzige Keller, in dem einige Zentimeter Wasser stehen. Besonders in älteren Häusern kommt es vor, dass ich durch eine schmale Luke in den Keller klettern muss. Richtig Angst habe ich dabei nie, denn dafür machen mir die jeweiligen Bewohner einen zu netten Eindruck. Es gilt auch Hindernisse wie Regale, Jacken oder sogar eine Waschmaschine zu überwinden, um die Zählerstände zu sehen. Da fällt mir unsere eigene Wasseruhr ein, die sich im hintersten Winkel des Abstellraumes verbirgt. Daher nehme ich gleich nach der Rückkehr mein eigenes Handy zur Hand und fotografiere die Uhr. So brauche ich meiner Kollegin bei ihrem Besuch nur das Foto zu zeigen.

Bei meiner zweiten Fahrt nach Stapel haben die meisten Bürger meinen angekündigten Besuch auf dem Plan. Wenn sie nicht schon selber die Zählerstände bei C & K gemeldet haben, finde ich oftmals ausgefüllte Zettel vor oder treffe die Bewohner persönlich an. Nur bei wenigen Haushalten klingel ich vergeblich. Sie bekommen von mir die Karten in den Briefkasten gesteckt, mit denen auch die Meldung über den postalischen Weg erfolgen kann. Ähnliche Erfahrungen wie in Stapel mache ich auch in Schleeßel, sodass sich meine Hoffnungen, in den rund 20 Stunden, die ich insgesamt benötigte, viele nette Leute zu treffen, vollständig erfüllt haben. J ho

Von Antje Holsten-Körner

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