Unten durch statt drum herum?

Aufrüstung der Stromtrasse Stade-Landesbergen: Betreiber Tennet prüft zweite Variante in Hassendorf

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Da sich unter anderem Windräder und Stromleitungen theoretisch zu nahe kommen könnten, prüft der Netzbetreiber Tennet jetzt, im Zuge der Aufrüstung der Trasse Stade-Landesbergen in der Gemeinde Hassendorf über zwei Kilometer Länge Erdkabel zu verlegen.

Hassendorf/Sottrum - Von Matthias Röhrs. Im Zuge der Aufrüstung der Stromtrasse Stade-Landesbergen sollen insbesondere die Bewohner Hassendorfs entlastet werden. Schön länger ist bekannt, dass der Netzbetreiber Tennet plant, eine neue 380-Kilovolt-Leitung östlich an Hassendorf umzuleiten. Mit Folgen für den restlichen Süden der Samtgemeinde. Doch auch die Verlegung eines Erdkabels soll Tennet jetzt prüfen.

Es ist ein ganz schöner Batzen Papierkram, den Stefano Panebianco vom Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) Lüneburg und die Planer von Tennet im sogenannten Raumordnungsverfahren für die Umrüstung der 220-Kilovolt-Leitung auf 380 Kilovolt zu bewältigen haben. 145 Kilometer ist die Trasse lang, oder anders ausgedrückt: Zehn Ordner, 1 400 Seiten Papier, 400 Stellungnahmen oder 30 Rathäuser, in denen die Pläne ausgelegt werden mussten. Mit rund 46 Kilometern führt ein großer Teil der Stromleitung durch den Landkreis Rotenburg, 22 durch die Samtgemeinde Sottrum.

Das Raumordnungsverfahren ist seit vergangener Woche abgeschlossen, der Trassenverlauf steht im Großen und Ganzen. Tennet plant zum Beispiel, mit dem Ersatzneubau mehr Abstand zu den Ortschaften Clünder und Schleeßel zu schaffen. Ende des Jahres will der Netzbetreiber mit dem ersten Trassenabschnitt den nächsten behördlichen Schritt in dieser Sache machen – die Planfeststellung. Heißt: Jetzt geht es um die Details.

„Die Antragstrasse funktioniert soweit“, sagt Panebianco. Er sagt aber auch: „In Sottrum sind noch Hausaufgaben zu machen.“ Noch führt die Trasse über Hassendorf-Bahnhof nah an Sottrum-Fährhof und Hellwege vorbei, ehe sie in südwestliche Richtung abknickt und schließlich südlich des Flugplatzes Weser-Wümme in den Landkreis Verden übertritt. Ab dem Sottrumer Umspannwerk soll die von Tennet geplante Leitung zunächst nördlich und später östlich an Hassendorf vorbeiziehen. Ab Hellwege hält sie sich dann immer einige hundert Meter südlich der bestehenden Trasse.

Bisher war geplant, die Stromtrasse in einem Bogen östlich an Hassendorf vorbei zu führen (orange Linie). Tennet soll jedoch noch überprüfen, ob ein Erdkabel durch den Ortsteil Bahnhof (violette Linien) mehr Sinn ergibt. Die grünen Kreuze stellen die alte Trasse dar.

Panebianco und das ArL haben im Rahmen des Raumordnungsverfahrens eine weitere Variante ins Spiel gebracht: Ein Erdkabel, dass nur wenige hundert Meter östlich der Bestandstrasse verläuft und sich südlich der Bahn auf zwei möglichen Wegen wieder der Antragstrasse anschließt. Es gibt mehrere Gründe, warum das ArL Tennet diesen Prüfauftrag gegeben hat: Der östliche Bogen um Hassendorf ist umständlich lang, mit einem unterirdischen Verlauf könnte man abkürzen. Außerdem schränken Freileitungen eine – unwahrscheinliche – Erweiterung des Windparks zwischen Sottrum und Hassendorf ein, so Panebianco. „Das ist aber nur theoretisch der Fall“, sagt Thomas Sälzer von Tennet.

Schwerwiegender sei da schon das Vorranggebiet für Natur und Landschaft sowie Flora- und Fauna-Habitat Wümmeniederung. Eine Herausforderung sei die Planung an dieser Stelle für Erdkabel und Freileitung gleichermaßen, so Panebianco. Entweder seien geeignete Stellplätze für die hohen Masten zu finden, oder man pflügt einmal quer durch das Gebiet, um Kabel zu verlegen. „Viel Spielraum gibt es dort nicht.“

Bis auf Weiteres bleibt das Erdkabel allerdings der Prüfungsauftrag. Der soll in den kommenden sechs Monaten abgeschlossen sein. Dann könne man abwägen, welche Variante „vorzugswürdig ist“, sagt Sälzer.

Ursprünglich ist der gesamte Ersatzneubau als Freileitung geplant worden. Für ein Kabel in der Erde gibt es Fürs und Widers. Das weiß der Tennet-Mann: Man sieht die Leitung zwar nicht, aber sie ist in der Landwirtschaft umstritten sowie teuer und aufwendig zu legen. Die Trassenvariante, wie Tennet sie prüfen will, verläuft mittig zwischen Kerngemeinde Hassendorf und ihrem Ortsteil Bahnhof kreuzt die Photovoltaik-Anlage sowie die Bahnlinie Hamburg-Bremen. Erstere müsste man für die Erdverkabelung zunächst abbauen, nur um sie später wieder aufzubauen. Rund zwei Kilometer sind die beiden Optionen lang und führen durch ein Überschwemmungsgebiet.

Ende dieses Jahres möchte Tennet mit dem ersten von insgesamt sechs noch ausstehenden Abschnitten der Trasse in die Planfeststellung gehen. Der den Süden Sottrum Betreffende ist erst 2019 dran. Etwa ein Jahr kann das Verfahren dauern. Ende 2022 oder Anfang 2023, schätzt Sälzer, könnte der Ersatzneubau der Trasse Stade-Landesbergen realistisch abgeschlossen sein: der Startschuss für den Rückbau des alten Trassenverlaufs.

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