MEIN BUCH UND ICH Wilhelm Wünsche sucht nach Zeit für Fortsetzungen

Der Unruheständler

Wilhelm Wünsche mit seinem Krimi, der dreimal – eine selbst gebastelte Fassung, eine Auflage in Eigenregie und das inzwischen auch ausverkaufte Taschenbuch – aufgelegt wurde. Foto: Holsten-Körner

Hellwege - Von Antje Holsten-körner. „Meine Eltern haben schon gesagt, dass ich nicht glauben sollte, dass ich als Rentner mehr Zeit habe“, beginnt der Hellweger Wilhelm Wünsche das Gespräch. Als er vor über zehn Jahren den Krimi „Auf und ab – Mord in Hellwege“ zu Papier brachte, war ihm klar, dass drei weitere Bände folgen sollen. „Für das veröffentlichte Buch bildet die Fliegerei den Rahmen“, sagt der inzwischen 71-Jährige. Bei den folgenden Werken – immer im Krimi-Genre – sollen diese Rolle die Musik, der pädagogische Bereich und Fantasy einnehmen.

„Ich mag Krimis“, verrät Wünsche. Auch die gewählten Rahmen haben einen guten Grund, denn gleich bei drei von ihnen ist der Buchautor zu Hause. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, warum er bisher bei 150 Seiten des zweiten Buches stehen geblieben ist. „Den Plot habe ich schon im Kopf, ich komme aber nicht zum Schreiben“, sagt Wünsche. Als Nachhilfelehrer für Mathe und andere Fächer sowie mit Musikunterricht habe er gut zu tun. Die Befähigung, Unterricht zu erteilen, wurde ihm in die Wiege gelegt, denn er kommt aus einem Lehrerhaushalt. „Da wurde erwartet, dass ich ebenfalls diesen Weg einschlage“, so der Wahl-Hellweger, der sich mit seiner Familie vor vier Jahrzehnten im Wümme-Dorf niederließ. Obwohl: Viel lieber hätte er das Veterinärmedizin-Studium gewählt, um anschließend als Tierarzt zu praktizieren. Während die Zusage beim gewünschten Studiengang auf sich warten ließ, lag diese für das Lehramtsstudium innerhalb kurzer Zeit vor. „Also begann ich mit dem Lehramtsstudium. Als ich doch den Studienplatz in der Veterinärmedizin erhielt, wollte ich nicht mehr wechseln“, sagt Wilhelm Wünsche.

Mit 25 Jahren nahm er eine Lehrerstelle an einer dörflichen Grundschule an. Nur vier Jahre blieb er im Schuldienst: „Ich wollte nicht den Unsinn, der im deutschen Schulsystem passierte, durch meine Anwesenheit unterstützen.“ Zum Beispiel mit einer Änderung der Rahmenrichtlinien in starre Richtlinien war er alles andere als einverstanden. Heute bereut er, dass er damals das Handtuch warf. „Ich weiß, ich bin ein guter Lehrer. Die Arbeit mit Kindern hat mir immer großen Spaß gemacht“, betont Wünsche. Beruflich verschlug es ihn in die Welt der Architektur. Und das mit Erfolg, denn obwohl er nicht in die Richtung studiert hatte, gewann er mit einem Projekt sogar einen Architekturpreis.

Nicht aus seinem Leben wegzudenken ist die Musik. Gerne erinnert er sich an seine Zeit in den 1960er-Jahren in der Celler Schülerband „Barking Bats“, die knapp ein Vierteljahrhundert nach der Trennung in der Originalbesetzung wieder zusammenfand und noch heute gemeinsam die Bühne rockt. In diesem Jahr wurde die Band sogar vom NDR-Fernsehen entdeckt, denn im Zuge der Celler Ausstellung „Kalter Krieg, heißer Beat“, bei der die Zeit vor 50 Jahren im Mittelpunkt steht, gab es einen mehr als fünfminütigen Beitrag im NDR.

Im Raum Rotenburg/Verden kennen sicherlich viele Hochzeitsgäste Wilhelm Wünsche noch aus seiner Zeit mit „Time“ oder Musikfreunde von seinen Auftritten mit der „Cut and Music Band“, bei der der zweifache Großvater bis vor vier Jahren regelmäßig spielte.

Eine weitere große Leidenschaft ist die Fliegerei. „Vor einigen Jahren habe ich meine Fluglizenz reaktiviert“, erzählt der Hellweger. Die Idee zum Krimi „Auf und ab – Mord in Hellwege“ geht auf einen Vorfall zurück, der sich in den 1990er-Jahren ereignet hatte, als er beim örtlichen Flugplatz regelmäßig die Flugleitung übernahm. Damals landete dort eine zweimotorige Maschine, die für das Gelände gar nicht zugelassen war. Da Wünsche keinen Dienst hatte, fragte er nach dieser Beobachtung beim Platzwart nach. Es solle sich, wurde ihm erklärt, um eine Notlandung gehandelt haben. „Trotz des angeblichen Notfalls wurden die beiden Personen innerhalb von kurzer Zeit von einem großen Auto abgeholt, obwohl es damals noch keine Handys gab, mit denen eine Benachrichtigung schnell möglich gewesen wäre“, schildert er das ungewöhnliche Ereignis. Auch, dass das Flugzeug in keiner Liste auftauchte, empfand er als sehr mysteriös.

Da ihn der Vorfall nie losließ, spann er einige Jahre später um das Thema herum einen Krimi. Das Manuskript fasste er selbst zu einem Buch zusammen, für Interessierte ließ er ein Taschenbuch – noch mit dem Titel „Up and down“ – mit einer Auflage von 200 Exemplaren drucken. Als diese vergriffen war, trotzdem aber noch Nachfrage bestand, machte er sich auf die Suche nach einem Verlag. Durch Zufall entstand der Kontakt zu einem Verleger in Bremen. „Es kam ein Lektor zu Besuch. Seiner Meinung nach sollte ich Änderungen vornehmen, womit ich gar nicht einverstanden war, denn dann wäre es nicht mehr mein Buch gewesen“, erinnert sich der Hobbyautor. Eigentlich wollte er das Projekt damit auf sich beruhen lassen, doch auf Drängen von Ehefrau Luzie rief er in Bremen an, um die Situation zu schildern und abzusagen. „Zu meiner Überraschung meinte der Verleger sofort, dass das Buch in meiner Fassung gedruckt wird“, so Wilhelm Wünsche. Die erste Auflage ist inzwischen ausverkauft, eine zweite soll parallel zum Erscheinen des zweiten Bandes aufgelegt werden.

Mein Buch und ich

Mit dieser Serie werfen wir einen Blick auf die zahlreichen Autoren im Landkreis Rotenburg. Von wem haben wir schon lange nichts gehört? Wer hat den nächsten Bestseller in Arbeit? Und was machen aufstrebende, Vollzeit- und Hobbyautoren? Wir fragen nach.

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