Raum für die Wieste

Umweltausschuss legt Überschwemmungsgebiet fest

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Die Wieste in der Nähe des Sottrumer Heimathauses. Das Gelände wird bei einer schweren Überschwemmung wohl geflutet.

Rotenburg/Sottrum – Als drittes von insgesamt 19 Gewässern im Südkreis Rotenburg bekommt die Wieste nun ein Überschwemmungsgebiet. Der Umwelt- und Planungsausschuss des Kreistags hat am Mittwoch einstimmig (bei einer Enthaltung) grünes Licht gegeben für dessen Festsetzung. Wenn der Kreistag im Juli zustimmt, gelten dann in den betroffenen Gebieten rund um den Fluss verschiedene Einschränkungen. Unter anderem ist dort das Bauen untersagt.

Das Gebiet ist eines, das nach Berechnungen der Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in einem statistisch gesehen in hundert Jahren einmaligen Hochwasserereignis überschwemmt wird – HQ100 heißt dies im Behördensprech. Kreisrat Torsten Lühring stellte dazu auch recht nüchtern fest: „Das sind meistens Flächen, auf denen die Meisten noch nie Wasser gesehen haben.“ Und dennoch: vor fast genau zwei Jahren hat der Landesbetrieb dieses Überschwemmungsgebiet vorläufig gesichert. De facto gelten dort also bereits die Regeln und Verordnungen, die nach der offiziellen Festsetzung Bestand haben.

Das NLWKN in Person von Harm Kuhlenkamp ging an dem Nachmittag auch auf den historischen Grund dieser Überschwemmungsgebiete zurück. Angefangen mit den Rheinhochwassern 1993 und 95 und weiter mit anderen Katastrophenfällen an Elbe, Donau und anderen Flüssen in den folgenden Jahren, hat der Bund beschlossen, dass in diesem Punkt Handlungsbedarf besteht. Da man Flüsse aber nicht rigoros eindeichen kann, sind nun die Überschwemmungsgebiete das Mittel der Wahl.

Das Einzugsgebiet der Wieste sei mit rund 100 Quadratkilometern relativ groß, so Kuhlenkamp, auch wenn nicht alles zum Überschwemmungsgebiet gehöre. Um dieses zu modellieren brauchte das NLWKN erstmal jede Menge Daten. Gewässerprofile, Wasserabfluss und -stände und Bauwerke wie Brücken wurden vom Boden und aus der Luft erfasst, um ein sogenanntes Digitales Geländemodell zu entwickeln. Die Berechnung des Überschwemmungsgebietes sei auf wenige Zentimeter präzise, so Kuhlenkamp. Allerdings gilt das wieder nur wieder für die Theorie: Ein in hundert Jahren einmaliges Hochwasser kann natürlich niedriger ausfallen als berechnet – „es kann aber auch schlimmer passieren“, so der NLWKN-Mann. Das nächste Hochwasser komme bestimmt. Das sei keine Drohung, sondern leider Erfahrung.

Im Überschwemmungsgebiet dürfen unter anderem keine Baugebiete ausgewiesen werden. Geregelt wird dies im Wasserhaushaltsgesetz. Auch die Errichtung von Häusern Mauern, Wällen ähnlichen Anlagen, die den Wasserabfluss behindern können, ist untersagt. Es seien aber Ausnahmen möglich, so Kreisrat Lühring. Einer Einzelfallprüfung müssen sich demnach auch die Gemeinde Sottrum und der Heimatverein stellen.

Das Überschwemmungsgebiet der Wieste ragt im Ort auf das Heimathausgelände. Genau dort, wo der Heimatverein ein neues Kulturhaus bauen möchte. Auf Nachfrage der Ausschussmitglieder Wolfgang Harling (SPD) und Robert Abel (FDP) erklärte Lühring, dass man aktuell auf eine Stellungnahme des Vereins warte, wie man das Bauprojekt und das Überschwemmungsgebiet unter einen Hut bringen möchte. Eine generelle Absage sei das nicht. Man müsse sehen, ob’s machbar ist. Eindeichen dürfe man das Gelände allerdings nicht.

Die Sottrumer seien in diesem Punkt aber in bester Gesellschaft, in Rotenburg an der Wiedau oder an der Fintau in Fintel gebe etwa weitere Anlieger, die beim Bau sich auch Gedanken um diese Fragen machen müssten. Laut der Kreisnaturschutzbeauftragten Christiane Looks seit das Hauptproblem in dieser Sache, den Bau zu versichern.

Für 606 Gewässer müssen in Niedersachsen entsprechende Gebiete festgelegt werden – laut Kuhlenkamp mit einer Länge von 7 000 Kilometern.

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