Humor kommt nicht zu kurz

Trialog im Modern Jazz

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David Jehn (v.l., Kontrabass) , Klaus Fey (Saxofon und Klarinette) und Wolfgang Ekholt (Schlagzeug) gastierten in Hellwege.

Sottrum - Von Heidi Stahl. Das Trio „jazzSmells“ verwandelte das voll besetzte Heimat- und Kulturhaus Hellwege (HuK) am Freitagabend in einen Jazzclub mit ganz besonderer Atmosphäre.

Seit diesem Jahr sind die Hellweger Konzerte ein Projekt der Kulturinitiative Sottrum unter der Leitung von Edwin Bohlmann. Die Konzertreihe umfasst sieben Konzerte, die sich über das Jahr verteilen. Nach dem Neujahrskonzert mit sanften und klassischen Tönen des Trios „Traummusik“ war am Freitag der Jazz an der Reihe. Mit Klaus Fey (Saxofon und Klarinette), David Jehn am Kontrabass und dem versierten Schlagzeuger Wolfgang Ekholt hatte Bohlmann drei Jazzmusiker reinsten Wassers nach Hellwege geholt.

Die drei gestandenen Musiker im besten Mannesalter haben die Jazztradition studiert und verstehen sie als lebendige Musiksprache. Beeinflusst von der Jazzlegende John Coltrane spielten sie in Hellwege nur eigene Kompositionen, wobei oft der Bass oder das Schlagzeug die sonst übliche Liedführung durch ein Melodie-Instrument übernahm.

Die zumeist harmonischen und eher sanften Variationen der Grundmotive entwickelten sich im Zusammenspiel zu einem Dialog, oder besser Trialog, zwischen den drei Vollblutmusikern. So nahmen sie beispielsweise eine Tonfolge aus Coltranes legendärem Album „Giant Steps“ auf und führten die eher aggressiven und schnellen Rhythmen Coltranes in ruhigere Bahnen zu „Giant Steps for pedestrians“ (Riesenschritte für Fußgänger). 

Mit feiner Ironie

Überhaupt spielte Humor und feine Ironie in ihren Stücken eine große Rolle. Wenn Wolfgang Ekholt seine Schlagzeugschlegel über die Holzbalustrade der Bühne, den Instrumentenkoffer oder den Fußboden wandern ließ oder David Jehn den ganzen hölzernen Klangkörper des Basses und nicht nur die Saiten benutzte, wurde alles zu Musik.

Bei ihrer Komposition „Dots and Lines“ (Punkte und Linien) erklingt am Anfang ein kleines, harmonisches, fast an Barockmusik erinnerndes Motiv, bis dann der gestrichene Kontrabass und das paukenähnlich verwendete Schlagzeug die Melodie zunehmend melancholisch expressiv werden lässt und fast schmerzlich verzerrt, um dann in ein ruhiges, leises Fahrwasser mit einem ausgedehnten Bass-Solo zu geraten. Immer wieder wurden die Musiker nach ihren Soli mit Szenenbeifall der begeisterten und sachkundigen Zuhörer belohnt.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr von innen heraus und total ehrlich die Musik dieses Trios daher kommt. Ihnen ist die Musik das Wichtigste und nicht der Musiker. Wenn Klaus Fey seinem gut 50 Jahre altem Saxofon oder der meisterhaft beherrschten Klarinette exzellente und virtuose Melodienfolgen entlockt, sie mit Mimik und den typischen Bläserbäckchen zum Klingen bringt, geht diese Musik nicht nur in die Ohren, sondern auch unter die Haut.

Fachkundiges Publikum

In dem Saal des HuK mit seinen mit roten Samtdecken bestückten Tischen und bei schummrigen Kerzenlicht machte sich eine wahre Jazzclub-Atmosphäre breit, was auch an dem ganz eigenem Publikum aus fachkundigen Jazzanhängern lag. 

Mit „Annus horribilis“ (ein schreckliches Jahr) in Anspielung auf den Ausspruch der englischen Queen im Jahr nach Dianas Tod, endete dieses Konzert in einem rasanten Schlagzeugsolo, begleitet von schnellen Saxofonläufen. Danach setzte ein begeisterter Schlussapplaus ein und die voll auf ihre Kosten gekommenen Jazzliebhaber forderten erfolgreich Zugaben.

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