Serie „60 Minuten“

Der Dorfladen Bötersen ist in der Findungsphase

Brötchen als Frequenzbringer, stilecht transportiert im Dorfladen-Beutel. Der Laden ist morgens gut besucht.

Bötersen - Es ist fast genau zwei Jahre her, als Cordula Bientzle ihren Frischemarkt in Bötersen zum letzten Mal abgeschlossen hat. 30 Jahre lang hatte sie das Dorf mit dem Nötigsten versorgt, war die Hausherrin des Treffpunktes schlechthin. Wer etwas Neues erfahren wollte, ging zu ihr. Ihr „Ladenschluss“ hinterließ eine große Lücke in der Dorfgemeinschaft, eine Lücke, die seit einigen Wochen mit dem neuen Dorfladen gestopft ist. „Das Bientzle-Gefühl ist wieder da“, bestätigt Cord Trefke, der gemeinsam mit einem Beirat und viel Unterstützung aus der Gemeinde das kleine Geschäft an der Dorfstraße wieder mit Leben gefüllt hat.

Trefke macht an diesem Morgen das, was viele Bötersener tun: Er holt Brötchen. „Die Frischetheke ist unser Kerngeschäft“, erklärt er und meint damit den Bereich aus Fleischerei- und Bäckerei-Tresen, auf den die Kunden beim Betreten direkt zu laufen. Angeboten werden Waren von Firmen aus der Region. Das kommt an: Großer Zulauf herrscht zwar nicht, aber in kurzen regelmäßigen Abständen kommen Kunden auf dem Weg zur Arbeit rein, um sich noch schnell das Frühstück rauszuholen. Es herrscht gerade eine der drei Stoßzeiten im Dorfladen. Der Overall gehört zum üblichen Dresscode. Der übliche Gang führt erst zu Fleischtheke, wo oft Salamischeiben oder Fleischsalat den Besitzer wechseln. Danach geht’s zur Kasse, wo es die Brötchen gibt.

Der große Zulauf herrscht dafür am Samstagmorgen, wenn das ganze Dorf seine Frühstücksbrötchen will. Dann offenbart sich auch, dass im Dorfladen die Routine noch fehlt. „An einem Samstag betrug die Wartezeit auch schon mal eine halbe Stunde“, so Trefke, „das ist schon doof.“ Es sei zwar schön, dass man dem Dorfladen die Bude einrenne, aber man sei noch in der Lernphase. Nicht nur bei den Brötchen am Samstag: Eine bestimmte Menge Hackepeter, nennt er ein Beispiel, könne an einem Tag zu wenig sein. Bestelle man für den nächsten Tag mehr, könne das zu viel werden. „Wir müssen noch an unseren Prozessen feilen.“

Dabei ist es gar nicht schwer, die Wartezeit im Bötersener Dorfladen zu überbrücken. Man kennt sich, erzählt sich was. Eine Kundin erzählt von einer Reise, später treffen sich zwei Bekannte beim Warten auf belegte Brötchen an der Kasse. Man betritt den Laden nicht einfach so, eine freundliche Begrüßung gehört einfach dazu. In den knapp sechs Wochen seit seiner Eröffnung ist das Geschäft wieder zum Treffpunkt geworden. „Hier erfährt man was aus dem Dorf“, erzählt eine Seniorin. Sie sei froh, dass der Laden wieder geöffnet hat. „Er ist wichtig für das Soziale hier. Und für uns Ältere sorgt er für mehr Mobilität“, erzählt sie.

Saisonal schwankend führt der Dorfladen bis zu 2 700 Artikel, so Trefke. Man sichere die Grundversorgung. Vorne stehen Obst und Gemüse, direkt dahinter die Tiefkühlprodukte. An der Wand stehen weitere Lebensmittel wie Brot und Nudeln bereit, daneben ist die Naschecke. Hinten gibt es Getränke, Kühlwaren und die Sachen für den Hausgebrauch. Die Artikel kennt man aus anderen Supermärkten, in Bötersen gibt es aber auch viele Produkte aus der Nachbarschaft.

Auch das Café, ein kleiner Bereich an der Fensterfront werde laut Trefke gut angenommen. In diesem Moment sitzt ein junges Paar beim Frühstück, direkt am Fenster trinkt ein Mann seinen Kaffee. Auch Radgruppen kämen häufiger vorbei, um eine Pause einzulegen. Sie haben gelernt, vorher zu reservieren, damit der Laden genügend Kuchen bestellen kann.

Es läuft noch nicht alles rund im Dorfladen Bötersen. Doch die Gemeinde scheint froh, ihren Anlaufpunkt wieder zu haben. Für Trefke und das Team lief der Start wie geplant. Sie seien sehr zufrieden. Und das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Oder wie die Seniorin meint: „Cordula hat gefehlt.“

Die Serie

In der Serie „60 Minuten“ gehen wir für eine Stunde auf Beobachtung. Wir ziehen durch den Südkreis und nehmen uns an verschiedenen Orten Zeit – für ganz unterschiedliche Situationen. Sollten Sie Vorschläge haben, wo wir uns umgucken sollten, melden Sie sich gerne!

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