Totes Lamm in Ahausen heizt Diskussion um den Wolf an

Riss mit Beigeschmack

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Das tote Lamm von Ahausen.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Geredet und spekuliert wird seit Monaten viel in Ahausen: Ist hier ein Wolf unterwegs? Gesicherte Erkenntnisse oder Beweise gab es bislang nicht. Nur undokumentierte Sichtbeobachtungen und Vermutungen. Vergangene Woche wurde in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Lamm am Orstrand gerissen.

Eine Keule fehlte ganz, die Rippen waren weitestgehend abgebissen, die Gedärme waren weg, so auch der Pansen, der eindeutig vor Ort von einem Beutetier geleert wurde. Der Panseninhalt lag am Tatort verteilt. „Etwas, was gegen den Wolf spricht. Offensichtlich ist der Pansen gefressen worden, und das macht ein Wolf normalerweise nicht“, sagt Jürgen Cassier, Wolfsberater für den Landkreis Rotenburg, Forstoberrat und Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Ein Kehlbiss, ein typisches Indiz für einen Wolf, der seine Opfer in der Regel erstickt, fehlte außerdem am Lamm. Weitere Bissspuren konnte der Experte bei der näheren Untersuchung des Fells ebenfalls nicht finden. „Wie das Stück zu Tode gekommen ist, ist offen“, sagt Cassier, der zig Möglichkeiten nicht ausschließen kann. Dazu gehören Hund aber auch ein natürlicher Tod, der dann andere Nutznießer wie beispielsweise Fuchs und Marder angelockt hat.

Zumindest sind frische Fuchsspuren im weichen Boden auf der Nachbarweide gesichert worden. Der Schafzaun in normaler Höhe ist dicht. Erfahrungsgemäß ist dieser für Isegrim aber kein Hindernis. Das ist aus vielen Fällen bekannt, so auch vom „Goldenstedter Wolf“. Diese Wölfin, die laut dem dortigen Wolfsberater seit kurzem Gesellschaft von mindestens einem weiteren Wolf hat, hat sich auf Schafe spezialisiert und riss in den Kreisen Diepholz und Vechta nachweislich bislang 31 Schafe. Immer mehrere auf einmal.

Etwas, von dem auch andere Schäfer berichten, die Schafe an Wölfe verloren. In Ahausen wurde nur das Lamm gerissen, Übergriffe auf weitere Tiere gab es nicht. Für Cassier ein Indiz, dass es sich deshalb nicht um einen Wolf handelt. Diese Ansicht teilt auch Berufsschäfer Jörk Hehmsoth (Nindorf, Kreis Verden) der zurzeit 500 Heidschnucken und einige Burenziegen im Everser Wolfsgrund weiden lässt. „Wir Schäfer haben viele Probleme durch Hunde“, sagt Hehmsoth. Das nur ein einzelnes Lamm gerissen wurde, spricht für ihn ebenfalls eher für einen Hund. Dabei ist gerade Hehmsoth kein Zweifler, was Probleme mit dem Wolf angeht und einer, der genau wie Cassier sicher ist, dass wir immer wieder mal Isegrim zu Besuch haben.

Aber auch Hehmsoth schließt eine natürliche Todesursache bei dem Lamm nicht aus. Gerade, weil es sich um ein Tier handelt, dass mit der Flasche aufgezogen wurde. „Sie haben oft eine andere Darmflora oder sind anders in ihrer Entwicklung. Auch mir passiert das, dass wir so ein Stück im Herbst noch verlieren.“

Dass das Lamm schon halb aufgefressen war, kann nicht nur am ersten Räuber gelegen haben. Jäger sowie Cassier und Hehmsoth bestätigen, dass oft nachfolgende Räuber sich an dem Kadaver gütlich tun. Das bescheinigen die DNA-Proben, die bei vermeintlichen Wolfsrissen – so auch am Freitag in Ahausen – genommen werden. Häufig werden sich „überlagernde DNA-Spuren“ festgestellt, neben Wolf, Fuchs, Dachs und Marder beispielsweise.

An den Ergebnissen der DNA-Untersuchungen hegen gerade Nutztierhalter immer wieder Zweifel. Beispielsweise die „Interessengemeinschaft Weidetierhalter Nord-Ost Niedersachsen“, die am 2. Dezember zum Thema Wolf in Wietzendorf (Kreis Celle) tagte, äußert immer wieder Kritik, hält Resultate für unglaubwürdig und wirft der Regierung und Wolfsberfürwortern Verschleierung vor.

Den „Beigeschmack“ kann man den Zweiflern nicht verübeln: Wer einen Blick auf die Karte der Nutztierrisse unter www.wildtiermanagement.com wagt, sieht, dass sich seit Mai 44 der 70 gemeldeten Fälle „in Bearbeitung“ finden. Dazu gehören die Fälle aus Rotenburg (Rind/Kalb, 6. Mai), Ahausen (drei Schafe, 20. September), Lengenbostel (Schaf/Lamm, 2. Oktober) und Bartelsdorf (Kalb, 13. Oktober). Zwei am 11. Mai in Ottingen gerissene Schafe wurden dem Wolf zugeordnet. 18 Mal wurde der Wolf als Verursacher entlarvt, drei Mal ein Hund.

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