Tim Kaiser ist neuer Polizeistationschef im Wiesteort

Drei große Ziele für Sottrum

Sottrums neuer Polizeichef Tim Kaiser vor seinem Dienstwagen.
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Drei große Schwerpunkte hat sich Sottrums neuer Polizeichef Tim Kaiser für seine Arbeit im Ort gesetzt. Vor allem die Präventionsarbeit nimmt er dabei mit seinen Kollegen verstärkt in den Fokus.

Seit gut drei Wochen ist Tim Kaiser der neue Leiter der Sottrumer Polizeistation. Der Polizeioberkommissar hat die „Findungsphase“ überstanden, wie er sagt. Für seine zukünftige Arbeit hat sich der 34-Jährige drei große Ziele gesetzt.

Sottrum – Als die Presse klingelt, öffnet Tim Kaiser selbst die Tür der Polizeistation Sottrum – und zeigt damit gleich einen der Vorteile, die er innerhalb der ersten knapp drei Wochen in seiner neuen Position als örtlicher Polizeichef schnell erkannt hat: Der Kontakt zu den Bürgern ist deutlich enger, die Beamten sind nahbarer. Wer klingelt, kommt nicht in einen Empfangsbereich, sondern steht fast sofort im Büro des neuen Chefs. „Man kommt hier im Ort viel mehr miteinander ins Gespräch“, merkt der 34-Jährige, der zuvor in Rotenburg elf Jahre im Streifendienst unterwegs war, an.

Die Findungsphase ist also überstanden, die neue Aufgabe erkannt: der Polizeioberkommissar fühlt sich wohl an seinem neuen Schreibtisch, das merkt man ihm an. „Jetzt kann der Alltag beginnen.“ Die Station selbst mit den fünf Kollegen ist ihm dabei nicht fremd, denn sie ist nachts nicht belegt – dann sind die Polizisten in Rotenburg mit zuständig, wenn im Wiesteort etwas passiert. Das hat aber auch den Nachteil, dass es dann länger dauern kann – aber der Fachkräftemangel macht auch vor der Polizei nicht Halt. Für eine 24- Stunden-Besetzung bräuchte es hier mehr Personal.

Den Beruf bekam er im wahrsten Sinn in die Wiege gelegt: sein Vater, sein Onkel, sein Opa – alle Polizisten. Sie erzählen Zuhause aus ihrem Alltag und für Kaiser ist schnell klar, dass er den Job ebenfalls ausüben möchte. „Die Frage nach einem anderen Beruf stellte sich nie“, merkt er an und muss schmunzeln. Das Bild der Polizei in der Öffentlichkeit sei nur leider oft ein falsches, meint er – verfälscht unter anderem durch Fernsehserien und Filme. Oft sei es auch ein sehr negatives Image mittlerweile, der Respekt geht verloren. „Das ist oft eine sehr einseitige Sicht – die Leute denken dann, so wie zum Beispiel im Tatort ist Polizei wirklich.“

Aber Polizisten sind nicht nur unterwegs, sondern viel Arbeit findet am Schreibtisch statt. „Deswegen ist es wichtig, dass man sicher in Wort und Schrift ist“, findet er. Schon kleinste Ungenauigkeiten in Berichten können später einen Ausgang vor Gericht mit entscheiden. „Wir müssen genau arbeiten, uns unserer Verantwortung bewusst sein.“ Gerade in der Polizeistation jetzt sei man quasi ein Allrounder. Gibt der Streifendienst in Rotenburg seine Berichte an die Kollegen zur Weiterbearbeitung, machen sie das in Sottrum alles selbst.

Seinen Job findet er gerade so spannend, weil er immer Neues, Herausforderungen und Abwechslungen, bietet. „Wir können uns spezialisieren und gerade in der Polizeiinspektion Rotenburg lernt man alles“, lobt er seine umfangreiche Ausbildung. Studiert hat er in Nienburg, kam dann direkt in die Wümmestadt. Da dort nicht, wie in Großstädten, Spezialdienststellen eingerichtet sind, erhalten die Polizisten Einblick in alle Bereiche. „Wir machen hier alles selber, man lernt die komplette Bandbreite der Polizei kennen.“ Zeitweise war Kaiser auch selber Ausbilder. „Das hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe eine sehr gute Ausbildung genossen und wollte das weitergeben“, erinnert er sich an seine Zeit als Polizeitrainer.

Wir machen hier alles selber, man lernt die komplette Bandbreite der Polizei kennen.

Tim Kaiser

Der Polizeistationschef hat in seiner noch jungen Karriere schon mehrere berufliche Stationen gemeistert: Er ist Verantwortlicher für das Thema Bodycams in der Polizeiinspektion Rotenburg, Themenverantwortlicher für Drogen im Straßenverkehr und Schusswaffeneinsatztrainer. Eine Waffe musste er im Einsatz zwar schon mal ziehen, zum Beispiel als Vorsichtsmaßnahme bei Durchsuchungen, aber noch nie auf Menschen richten. „Das will auch kein Polizist“, betont er. Wild nach Unfällen von ihrem Leid erlösen gehörte allerdings schon zu seinen Aufgaben.

Für die Zukunft hat sich der Kommissar mehrere Ziele gesetzt. Ein Fokus liegt auf Tankbetrügereien: Den Wagen volltanken und verschwinden, ohne zu bezahlen, passiere oft. „Die Fallzahl ist hoch“, sagt Kaiser, weswegen seine Kollegen und er dagegensteuern wollen. Grundsätzlich sei die Art der Kriminalität aber in Sottrum keine andere als in anderen Orten. „Wir haben hier genauso viel Kriminalität auf die Einwohnerzahl gerechnet wie zum Beispiel in Rotenburg.“ Sie bearbeiten leichte bis mittlere Fälle, wie Fahrraddiebstähle oder Trunkenheit am Steuer. Auch das Thema Clan-Kriminalität „schlägt sich hier wie in jeder Ortschaft nieder“. Es ist kein Schwerpunkt, aber „in Auslösern erreicht uns das auch“.

Ein weiterer Fokus liegt für Kaiser auf der Präventionsarbeit. Sottrum hat landkreisweit die meisten Kinder-, Jugend- und Pflegeheime. Daher sei die Bearbeitung von Jugend-Kriminalität ein großes Thema. Mit seinen Kollegen ist er zudem viel in den Einrichtungen unterwegs. Auch in den Schulen und Kitas gibt es Projekte. Sie klären auf oder zeigen sich – im Falle der Jüngsten – einfach, nehmen Ängste, bauen Distanz ab. Noch immer gebe es Eltern, die ihren Kindern mit der Polizei drohen, wenn sie sich nicht benehmen. Das sei falsch, erklärt Kaiser.

Auch Straftaten zum Nachteil ältererer Menschen seien ein großes Thema. Enkeltricks, Taschendiebstähle in Supermärkten – die Betrüger sind einfallsreich. „Und viele Ältere zeigen das aus Scham oft nicht an.“ Wer sich aber unsicher ist, solle sich immer vertrauensvoll an die örtliche Polizei wenden, merkt Kaiser an. Dass es keine Hemmschwelle gibt, dafür setze er sich ein. „Ich sehe mich jetzt in der Verantwortung, das voranzubringen, was mein Vorgänger schon angefangen hat.“ Am Ende ruft dann auch schon wieder besagter Alltag nach Kaiser, als seine Kollegin den Kopf zur Tür reinsteckt. „Wir haben einen Einsatz!“

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