Tierschützer in der Zwickmühle

Silke Wingen kritisiert die kommunale Fundtierabgabe an Wochenenden. Diese stellt den Tierschutzverein auch vor moralische Dilemmata. Archivfoto: Krüger

Der Tierschutzverein des Landkreises Rotenburg bemängelt die Aufnahme von Fundtieren an Wochenenden. Viel zu oft müssten die Mitarbeiter ausrücken, obwohl in den meisten Fällen dafür die Kommunen zuständig sind. Das führt mitunter auch zu unangenehmen Entscheidungen.

VON MATTHIAS RÖHRS

Sottrum/Mulmshorn – Am Sonntagnachmittag hatte Silke Wingen die Faxen dicke. „So langsam werde ich echt sauer, und das braucht schon was“, setzte die Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises Rotenburg bei Facebook an. Es folgte ein langer Text über ein Erlebnis, das sie kurz zuvor hatte. Sie schildert, wie sie eine Tierheim-Mitarbeiterin nach Jeerhof schicken musste, um eine knapp sechs Wochen alte, herumstreunende Jungkatze einzusammeln. Eine Aufgabe, für die das Tierheim in Mulmshorn aber nicht mehr zuständig ist, seit die meisten Kommunen im Südkreis sich im Sommer 2017 gegen eine weitere Zusammenarbeit entschieden haben.

Meistens, wie in der Samtgemeinde Sottrum auch, sind nun die jeweiligen Ordnungsämter zuständig, die (teilweise verletzten) Fundtiere über die Tierklinik in Posthausen in das Tierheim Arche Noah in Stuhr-Brinkum zu bringen. Häufig scheint das aber nicht bekannt zu sein. „Man ruft uns an, weil wir der Tierschutzverein vor Ort sind“, sagt Wingen einige Tage nach dem Erlebnis in Jeerhof. Häufig sei es nicht ersichtlich, wo man sich eigentlich melden müsste.

Bis zu fünf Mal, manchmal sogar öfter, bekommt das Tierheim an Wochenenden Anrufe zu Fällen, die nicht mehr in dessen Zuständigkeit liegen. Das macht Probleme: Es ist nicht nur der finanzielle Aufwand, den der Tierschutzverein dadurch hat – Wingen schätzt diesen durchschnittlich auf 50 Euro –, es ist vor allem die Zeit, die man aufbringen muss und in der die Helfer nicht dem Tierheim zur Verfügung stehen. Arbeit ist genug da, denn der Verein hat finanzielle Probleme und daher nur eine minimale Besetzung. Die Belegschaft informiere dann zwar, wer der richtige Ansprechpartner ist, so Wingen, aber gerade an Wochenenden melden sich die Finder oft wiederholt, weil sie bei den Verwaltungen niemanden erreichen oder sich keiner zuständig fühle. So berichteten es zumindest die Anrufer.

Mitunter geraten die Tierschützer auch ein eine moralische Zwickmühle. „Wir sind am Ende rausgefahren, weil die Katze mit ihren paar Wochen alleine nicht überlebt hätte“, so Wingen. Soll heißen: Wäre die Katze vom Sonntag größer und in der Lage gewesen, selbst zu jagen, hätte das Tierheim sie laufen lassen. Für Wingen ist das „eine Katastrophe“. „Das ist nicht in Ordnung, das muss man schon sagen. Wir können aber nicht alles leisten.“

Im Sottrumer Rathaus geht man indes davon aus, dass die dienstliche Mobilnummer des zuständigen Ordnungsamtsleiter Matthias Röhrs (übrigens 0152 /08975639) ausreichend öffentlich ist. Diese könne bei derartigen Notfällen auch an Wochenenden angerufen werden. Etwas, was die Polizei zum Beispiel tue, wenn diese mit Fundtieren in der Samtgemeinde konfrontiert ist, so Röhrs. Im Veranstaltungskalender der Samtgemeinde, der alle drei Monate in allen Haushalten landet, ist diese wie andere wichtige Telefonnummern vermerkt. Röhrs will anregen, diese auch auf der Website der Samtgemeinde sichtbarer zu machen. Damit kommt er einer Forderung entgegen, die Wingen auch bei Facebook an die Gemeinden gestellt hat. Die kleine Katze aus der Gegend um Jeerhof wurde unterdessen der Samtgemeinde übergeben.

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