Thomas Patzwald kümmert sich seit anderthalb Jahren um die letzte Ruhestätte in Sottrum

Ein Sofa hinter der Friedhofskapelle

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Pastor Dietmar Meyer (l.) und Thomas Patzwald auf Hempels Sofa hinter der Friedhofskapelle.

Sottrum - Von Bettina Diercks. Nach und nach bekommt er ein neues Gesicht, der Friedhof in Sottrum. Seit anderthalb Jahren kümmert sich Thomas Patzwald um das 1,7 Hektar große Areal am Rande der Wiestegemeinde und setzt dort Zeichen.

Thomas Patzwald findet es nicht gerechtfertigt, sich Friedhofsgärtner zu nennen. „Ich bin Mitarbeiter der Gemeinde. Die Bezeichnung Friedhofsgärtner steht nur denen zu, die auch den Beruf Gärtner gelernt haben“, sagt der 47-jährige Sottrumer, der sich seit dem 2. Januar 2014 um Gestaltung und Pflege der Begräbnisstätte kümmert.

Dem Kirchenmitarbeiter war es ein Anliegen, auf dem Gelände Sitzgelegenheiten wie diesen Baumstumpf zu schaffen.

Er steckte von Anfang an voller Ideen: Sitzgelegenheiten auf dem Gelände zu schaffen und zu verteilen war ihm ein Anliegen. An unterschiedlichen Ecken sind die ersten Möglichkeiten zu entdecken. Das eine Mal ist ein umgedrehter Wacholderstumpf, der mit einem Eichenbrett versehen und viel grün drumherum versehen wurde. Die Bank, die das Urnenfeld für Partner schmückt, hat Patzwald ebenfalls entworfen. Bei der Umsetzung halfen ihm Metallbauer Ruprecht Holsten (Horstedt) und Drechsler Nico Lehmann (Sottrum). Das Urnenfeld wurde zwar von der Firma Jens Spieler (Ottersberg) angelegt, aber von Patzwald „ausgeschmückt“. So drückt der 47-jährige Finanzbuchhalter dem Friedhof nach und nach seinen Stempel auf. Gleich neben dem Urnenfeld liegt die „Pastorengrabstelle“, die der Kirchenmitarbeiter komplett neu angelegt hat und zu einem Blickfang geriet.

Den Engel hat Patzwald selbst geschnitzt.

15 Stunden arbeitet Patzwald pro Woche auf der letzten Ruhestätte. Seit vergangenem Jahr hat er einige der Wege begrünt und für Gesprächsstoff gesorgt. Zum Beispiel mit dem ausgedienten Sofa, das hinter der Friedhofskapelle steht. „Das ist etwas, was kaum ein älterer Mitbürger versteht“, sagt Pastor Dietmar Meyer. Dabei sitzt es sich wirklich schön an der Sonnenseite. Zum Erntefest war das Möbel mit Erntegaben geschmückt, zu Weihnachten mit Paketen und im Winter nahme ein Schneemann platz. Das Beet davor hat Patzwald aufgeräumt: „Die großen Kiefern habe ich gefällt und dann alles neu bepflanzt. Den Großteil der Pflanzen bekomme ich geschenkt.“ Weiterer Vorteil der Fällaktion: „Endlich sieht man die Fenster von innen, die sind so toll“, sind sich Patzwald und Meyer einig. Die Wege hat er aus Sicherheitsgründen begrünt, weil sie bei Regen immer so rutschig wurden. Alle Bäume hat Patzwald unten herum ausgeschnitten, „damit mehr Luft durchzieht“.

Der Ilex links von der Kapelle ist zwar einen Kopf kürzer, hat dafür aber einen dazu bekommen: Patzwald schnitzte einen betenden Mann und „Jesus lebt“ in den Stamm. Wenn die Sonne morgens noch ganz tief steht, ist der Schatten in der Verlängerung des Baumstumpfs an der Wand zu bewundern. „Die Figur hat der Baum vorgegeben, ich habe sie nur entdeckt“, sagt Patzwald, der alles, was an Kunst auf dem Friedhof zu finden ist in seiner Freizeit fertigt und selbst finanziert.

Eine weitere Baumskulptur fertigte der Künstler in der abseits gelegenen Ecke der Kindergräber. Dort schnitzte er das Antlitz eines Engels aus einer Douglasie und verpasst ihm Flügel aus Blech, die im Wind schwingen.

„Es ist immer fromme Kunst mit christlichen Aussagen und damit immer ein Hinweis, dass es noch etwas Größeres gibt“, sinniert Pastor Dietmar Meyer, der dem „Ruheplatz für die Lebenden“ ebenfalls viel abgewinnen kann. Versteckt hinter und in hohen Lorbeerbüschen schuf Patzwald einen weiteren Sitzplatz. Zuvor war ein unaufgeräumtes Etwas, unter dem sich Müll wie Flaschen befanden. Aber auch kleine Schätze wie alte Reihensteine und weitere Sandsteinexemplare, die für die Region hier typisch sind.

Die Himmelsleiter vor der Kapelle – das bisher schönste Objekt laut Meyer – mussten die Kirchgemeinde entfernen, da Eltern die Sorge hatten, das dort Eltern empor klettern und sich verletzten könnten.

Meyer: „Ziel ist, dass der Friedhof als Veranstaltungsort akzeptiert wird. Dass es ein Ort ist, an dem man Leben kann.“ Er wisse darum, dass es einige anstößig finden. „Aber wichtig ist, dass man das Freundliche erkennt.“

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