Fakten als Kunst

Theater 11. August nimmt Atommüllendlagersuche in den Fokus

Johannes Arnold, Michael Pilbauer und Nina Ornowski ist Stapel.
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Johannes Arnold, Michael Pilbauer und Nina Ornowski setzen sich künstlerisch mit der Atommüllendlagersuche auseinander.

Das Theater 11. August arbeitet derzeit in Stapel an einem Projekt, in dem sich das Ensemble künstlerisch mit der Atommüllendlagersuche, für die auch Taaken im Blick ist, auseinandersetzen will.

Stapel – Die gelben Fässer am Ortseingang Taaken mahnen nach wie vor: Die Region steht auf einer Liste der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) als möglicher Standort für ein Atommüllendlager. Mittlerweile engagiert sich zudem eine Bürgerinitiative für ein faires Verfahren bei der Standortsuche. Einen eigenen Weg der Auseinandersetzung sucht derzeit das Theater 11. August. In einem extra für die Probenarbeit angemieteten Häuschen in Stapel wollen sich Johannes Arnold, Nina Ornowski und Michael Pilbauer dem Thema auf künstlerische Weise nähern.

Dabei stecken die Drei bereits bis zum Kragen in Recherche: „Wir sehen uns Reportagen zum Thema an, im Internet abrufbare Referate, lesen Bücher, aber auch Material der BGE – alles, mit dem wir versuchen, uns ein Bild davon zu verschaffen“, erklärt Arnold. Auch gibt es die Idee, mit der Bürgerinitiative in Taaken in Kontakt zu treten. „Es ist auf jeden Fall schon spannend zu erleben, wie sich die Informationen auf uns auswirken“, erklärt Pilbauer.

Wir wollen Faktenwissen künstlerisch aufbereiten.

Johannes Arnold

Fest steht bislang: Den Zuschauer erwartet weniger eine klar strukturierte Geschichte als eine theatrale Collage aus szenischen Installationen, Videos, Livemusik und vorproduzierten Soundeffekten. „Wir wollen Faktenwissen künstlerisch aufbereiten“, gibt Arnold als ambitioniertes Ziel aus.

Ein großer Punkt ist dabei die zeitliche Dimension – wie lange es braucht, bis die Strahlung des hoch radioaktiven Abfalls abklingt und keine Gefahr mehr von ihm ausgeht. Denn diese Zahl geht in die Tausende und weitaus höher. „Diese Zahlen sind so oft nicht vorstellbar. Unsere Idee ist es, Bilder und Räume zu schaffen, die diese zeitliche Dimension verdeutlichen und nachfühlbar machen“, erklärt Ornowski. „Zum anderen wollen wir der Frage nachspüren, warum die Menschen nicht schon früher weiter vorausgesehen haben, was da mit dem Abfall auf uns zukommt.“ Ziel sei es, etwas zu transportieren, „denn gerade bei diesem Thema gibt es so viele Aspekte, die alle Menschen angehen: Sicherheit, Energie, Zeit, Transparenz und Verantwortung“, betont die Künstlerin, die sonst als Theaterpädagogin in Hildesheim arbeitet, und derzeit für dieses Projekt in Stapel lebt. „Zusammen mit politischer Entscheidungsfindung, Wissenschaft, Emotionen und sozialen Aspekten ist das hochkomplex“, weiß auch Arnold.

Kirche als Aufführungsort

Für ihn ist zugleich klar: „Natürlich haben wir unsere eigenen, persönlichen Sichtweisen. Daher ist es uns wichtig, dass wir auf diesem umkämpften Feld überparteilich sind. Denn Fakt ist natürlich auch: Jetzt ist der Müll da, jetzt muss der beste Ort dafür gefunden werden, und wenn das Taaken ist, dann ist das so. Aber das Verfahren muss das Vertrauen herstellen, dass es wirklich der beste Ort für den Abfall ist. Und daran sind schon andere End- und Zwischenlagerorte gescheitert – wie zum Beispiel die Asse oder Gorleben.“

Ist es zum fertigen Theaterstück noch ein weiter Weg, stehen zumindest der Aufführungsort sowie die Termine fest: Am 3., 4. und 5. Dezember soll es in der Horstedter Johannes-der-Täufer-Kirche zu sehen sein. „Wir haben schon vorher dort gespielt und kennen daher die Pastorin Haike Gleede gut“, sagt Arnold. „Dazu bietet die Kirche als sakraler Raum einen spannenden Aspekt für das Stück – in dem es ja auch über Überlieferungen geht, in diesem Fall von Wissen. Dazu haben wir hier schöne Möglichkeiten für Videoprojektionen.“

Arbeit im Kollektiv

Für diese hat sich das Ensemble Franziska Richter mit ins Boot geholt, die bereits bei früheren Theater-11.-August-Produktionen mitgewirkt hat, ebenso wie Matthias Entrup aus Bremen für Soundeffekte und Meneta Focke für die Bühne. „Grundsätzlich gibt es allerdings bei uns keine klassische Aufteilung, sondern wir arbeiten im Kollektiv“, betont Arnold. „Und in diesem Kollektiv arbeiten wir wieder unterschiedlich – aber das hilft auch, um sich dem Thema zu nähern.“

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