Eigenartiger Beruf

Technisch, emotionslos, schnell: Wilfried Vajen ist Tierzuchttechniker

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Tierzuchttechniker Wilfried Vajen beim Befruchten einer Kuh.

Hassendorf - Von Tobias Woelki. Es ist wohl einer der eigenartigeren Berufe in der Landwirtschaft: der Fachagrarwirt für Besamungstechnik oder: Tierzuchttechniker. Wilfried Vajen ist so einer und Tag für Tag, auch an den Wochenenden, im Einsatz. Gemeinsam mit seinen Kollegen Wilfried Bassen und Andreas Meyer betreut er die Landwirte in einem Bereich zwischen Scheeßel, Sottrum und sogar bis nach Bremen.

Für rund 90 Betriebe ist der Hassendorfer zuständig. Und wenn er auf den Hof fährt, freuen sich die Landwirte. „Schließlich bringe ich dem Bauern ein Kalb“, sagt Vajen schmunzelnd. Das natürlich aber nicht direkt. Vielmehr hilft er bei der Befruchtung der Kühe. Das Ergebnis sieht er dann zwischen neun und zehn Monate später, wenn das Kalb das Licht der Welt erblickt. Zwischen Vajen und den Landwirten herrscht ein vertrauter Umgangston. Man kennt einander seit Jahren. 

„Welche Kuh ist es denn heute?“, fragt Vajen gerade auf dem Hof der Familie Block. Der Landwirt nennt eine Zahl, denn in Zeiten des Strukturwandels in der Landwirtschaft geben manche ihren Kühen keine Namen mehr, sondern Zahlen. Andere bleiben dabei und benennen ihre Kühe. Das ist ganz unterschiedlich, je nach Größe des Betriebes. Die durchschnittliche Kuhzahl eines Hofes liegt heute laut Vajen zwischen 80 und 100. Es gibt aber auch bereits Betriebe in seinem Gebiet, die bis zu 250 Kühe oder mehr halten.

Das Sperma wird in Seminetten bei minus 196 Grad gelagert.

Das kostbare Gut des Bullenspermas ist in einem bei minus 196 Grad mit Stickstoff gekühlten Behälter eingelagert. Die „Samenbank“ hat Vajen im Kofferraum seines Autos, wo der Landwirt unter mehreren tierischen Samenspendern auswählen kann. Jeder Bulle vererbt verschiedene Eigenschaften in Sachen Milchleistung, Fett und Eiweißgehalt. Denn auch jede Kuh ist in ihrer Eigenschaft anders. Das Erbgut sollte also abgestimmt sein.

Ist die Auswahl getroffen, wird das Bullensperma in einem körperwarmen Wasserbad aufgetaut und danach in einer Seminette aufgenommen. „Eine saubere Arbeitsweise ist dabei Grundvoraussetzung“, sagt Vajen. 

Der Tierzuchttechniker betritt den Kuhstall, orientiert sich kurz und steht dann hinter der Schwarzbunten-Dame. Vajen streift sich einen armlangen Plastikhandschuh beinahe bis zur Schulter über. Dann tastet er sanft durch den Darm die Gebärmutter der Kuh und den Eierstock der Schwarzbunten, ehe er langsam die 30 Zentimeter lange sogenannte Seminette mit dem Sperma einführt. Im Gebärmutterhals angekommen, drückt Vajen auf die Seminette und legt damit den Samen ab.

Das war der Befruchtungsvorgang - technisch, emotionslos, schnell. „Etwa in 70 Prozent der Fälle klappt’s mit der Befruchtung“, betont der Experte. Auf Wunsch des Landwirts untersucht er sechs Wochen später die Kuh und weiß, „ob’s funktioniert hat“. Wenn nicht, erfolgt später der zweite Versuch.

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