Hautbilder begeistern ihn seit der Jugend

Einarmiger Postbote erfüllt sich Traum vom eigenen Tattoo-Studio

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Hans-Joachim Cygan eröffnete sein Tattoo-Studio vor acht Jahren. Damit erfüllte er sich einen langgehegten Traum. 

Stuckenborstel - Von Bettina Diercks. Stramme Waden, flotter Schritt, energisch voranschreitend – so kennen ihn viele Rotenburger seit Jahren. Zumindest vom Sehen her. Hans-Joachim Cygan ist der einarmige Postbote im Bereich um den Mittelweg. Der Briefträger erfüllte sich vor vielen Jahren einen Wunsch: ein eigenes Tattoo-Studio.

Aufmerksame Beobachter in seinem Bezirk stellten über Jahre hinweg die Verwandlung Cygans fest: An den Seiten die Haare kurzrasiert, vom Scheitel aus ließ er sie sich wachsen und fing an, Zopf zu tragen. Im Sommer, bei kurzer Hose und T-Shirt, wurde es dann noch offensichtlicher: Auf einmal zierten Tattoos Arme und Beine. „Naja, so ein Freak eben“, werden viele gedacht und sich niemals mit ihm über seine Interessen unterhalten haben.

„Für Tattoos habe ich mich schon immer interessiert. Früher als Kind schon, als ich mit meinen Eltern in den Süden gefahren bin, ans Meer“, sagt HansJo, wie er bei Kumpels und in Tätowierer-Fachkreisen genannt wird. Ganz genau hingeguckt habe er. Ihm lässt das Thema keine Ruhe, und er fängt mit 18 an, einem Tätowierer in Zeven so oft wie möglich über die Schulter zu gucken. Dort lässt er sich auch sein erstes eigenes machen. „Ich habe genau beobachtet, wie er das macht. Irgendwann habe ich mir dann die ersten eigenen Geräte gekauft“, sagt der Stuckenborsteler, der bei der Geburt seinen linken Arm verlor. Für ihn sei das kein Handicap, weil er damit aufgewachsen sei. „Ich kenne das ja nicht anders. Mit der linken Hand halte ich beim Tätowieren die Haut stramm, mit der rechten steche ich“, erklärt HansJo, der ein perfekt aufgeräumtes Tattoo-Studio zwischen Wohnhaus und Garage präsentiert.

Viele Totenköpfe und ein Skelett auf einer Harley

Dort begrüßen Gäste und Kunden ein gemütliches Sofa, viele Totenköpfe, ein Skelett auf einer Harley – beides allerdings nicht in Originalgröße – und natürlich Schränke voll von Ordnern und Zeitschriften mit Motiven. „Ich bin total wissbegierig, was meinen Job angeht“, sagt der Tätowierer, der selbst im Urlaub an der Ostsee, wo sein Wohnwagen steht, oft einem Berufskollegen über die Schulter schaute. „Ich bin viel rumgereist, um mir etwas anzueignen.“

Auf Reisen schaut der Tätowierer, der 1993 die ersten Kunstwerke gestochen hat, gerne Kollegen über die Schulter, um von ihnen zu lernen und sich weiterzubilden.

„Wer keinen geraden Strich auf dem Papier ziehen kann, braucht auf jeden Fall kein Tätowierer zu werden. Dazu braucht man eine ruhige Hand“, sagt der 46-Jährige lachend. Am liebsten macht er schwarz-weiße und sogenannte „blue and grey“-Tattoos. Für Farbe, vor allem Watercolor, hat Cygan den Tätowierer Peer Diercks an seiner Seite. HansJos Frau Antoinette wollte ebenfalls an der Seite ihres Mannes arbeiten und spezialisierte sich deshalb auf Piercing. So gibt es alles in einem Haus. Aber, räumt der Stuckenborsteler ein: „Ich nehme unter 18-Jährige nicht. Ich hatte schon mal den einen oder anderen Fall, dass die Eltern dabei waren. Dann steche ich auch mal unter 18-Jährigen ein Tattoo.“

Eigenes Studio im Jahr 2009 eröffnet

1993 macht Cygan erste einzelne Tätowierungen. „Ich habe vorher schon viel geübt. Bei meinem ersten richtigen Tattoo war ich ziemlich aufgeregt. Das war ein Spinnennetz mit Schattierung auf dem Ellenbogen. Ein schwieriges Tattoo. Ist aber gut geworden“, gibt der Postbote zu. 2009 erfüllt er sich dann seinen Traum und eröffnet sein eigenes Studio, „Burning Bullet“, in Stuckenborstel. Mund-zu-Mund-Propaganda ist es dann vor allen Dingen, die ihm Kunden einbringt.

Während er gerade einem jungen Mann Totenköpfe zwischen ein bestehendes Tattoo auf den Arm sticht, spielen draußen entspannt drei cremefarbene Welpen, Französische Bulldoggen. „Noch ein Hobby von mir“, sagt HansJo. Eine kleine Zucht. Mehr nicht. Er liebt es, mit den Hunden in der freien Natur herumzulaufen. Entspannung und Fitness seien das für ihn. Der durchtrainierte Köper lässt ahnen, dass HansJo das wichtig ist. „Postbote bin ich, um fit zu bleiben“, sagt er augenzwinkernd. Und Holz macht er ebenfalls gerne selbst.

„Was tut man nicht alles, um einen warmen Hintern zu haben“, sagt der Stuckenborsteler und lacht. Sein Traum liegt allerdings in seinem Traumjob: „Einmal eine Ganzkörpertätowierung machen zu dürfen.“

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