Nachbargemeinde setzt auf E-Mobiliät

Tarmstedter Pioniergeist

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Geht es nach den Grünen, soll in Sottrum bald vielerorts Strom getankt werden können.

Sottrum/Tarmstedt - Von Matthias Röhrs. Wenn Mittwochabend der Sottrumer Bauausschuss zusammenkommt, wird die Politik erstmals über die Förderung von Elektromobilität in der Gemeinde diskutieren. Die Grünen-Fraktion hatte bereits Anfang November vergangenen Jahres einen entsprechenden Antrag gestellt, denn die Infrastruktur ist dünn an der Wieste. In einigen Nachbarkommunen ist man deutlich weiter – wie in der Samtgemeinde Tarmstedt.

Mehr als 50 Interessierte sind gekommen, um Werner Schweizer zuzuhören. Der Bürgermeister der 1 000-Einwohner-Gemeinde Klixbüll in Schleswig-Holstein ist am Donnerstagabend in Tarmstedt gewesen, um über das Dörpsmobil zu sprechen – ein E-Carsharing-Projekt aus seinem Dorf, das in Schleswig-Holstein damit beginnt, Schule zu machen. Und vielleicht auch bald in Tarmstedt. Dass man sich in der Samtgemeinde nördlich von Sottrum über eine solche Idee Gedanken machen kann, ist jedoch einiger Vorarbeit geschuldet. Ein erstes Carsharing mit Elektroautos gibt dort es bereits in seinen Grundzügen. Und es ist, wie Tarmstedter beim Vortrag Schweizers gemerkt haben, noch ausbaufähig. Aber die Infrastruktur für E-Mobilität treiben sie schon seit Jahren voran.

Tarmstedts Samtgemeindebürgermeister Frank Holle (CDU) weiß, bei wem er sich bedanken muss. Pioniergeist und ein bisschen positive Verrücktheit einer Gruppe von Bürgern sei es geschuldet, dass Tarmstedt in Sachen E-Mobilität gut dastehe. „Sonst würden wir noch rumdümpeln wie alle anderen Kommunen auch“, sagt Holle. Auch für Wolf Warncke hat E-Mobilität insbesondere auf dem Lande Zukunft. Schon berufsbedingt, könnte man sagen, denn der Autohändler stellt den größten Anteil der Ladestationen in Tarmstedt zur Verfügung. „In der Großstadt gibt es mit öffentlichen Verkehrsmitteln Alternativen. Auf dem Land dagegen braucht man ein Auto, und E-Autos decken die Pendelstrecken mittlerweile gut ab“, sagt er.

Wissenschaftlich begleitet von der Uni Stuttgart

Vier kostenlose Ladepunkte gibt es mittlerweile für E-Autos auf Warnckes Hof. Zwei gehören zu einer sogenannten Wallbox, zwei sind Teil einer Schnellladestation, wo man ein Auto innerhalb von 45 Minuten aufladen kann. „Wissenschaftlich begleitet von der Universität Stuttgart“, so Warncke. Weitere Ladepunkte gibt es am Rathaus und in Wilstedt am Haus des Gemeindebürgermeisters. Zudem wird dort in einem Neubaugebiet die Ladeinfrastruktur vorbereitet. Hinzu kommen einige mehr oder weniger öffentliche Wallboxen von Privatpersonen. „Für Tarmstedt ist das ganz gut“, sagt Warncke.

In Sottrum gibt es öffentliche Ladestationen hingegen lediglich am Autohaus Hesse im Kernort oder auf den Rastanlagen Grundbergsee an der Autobahn  1. Die Grünen fordern daher zunächst einmal ein Konzept, wie und wo die E-Infrastruktur ausgebaut werden könnte. Nicht nur für Autos, sondern auch für Pedelecs oder elektrische Rollstühle. Zudem sollten schon zu Beginn von etwaigen Planungen – etwa zu neuen Baugebieten – zukünftige Ladestationen mit berücksichtigt werden. Ein „Impuls“, wie die Grünen-Fraktionsvorsitzende Heike Stäcker Anfang Dezember den Antrag verstanden wissen wollte.

Infrastruktur sinnvoll bauen

Bei Ladestationen kommt es auf die Lage an. So sieht Samtgemeindebürgermeister Holle die E-Mobilität in Tarmstedt als Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr. Genauer: zur Buslinie 630, die Zeven mit dem Bremer Hauptbahnhof verbindet und dabei auch durch Tarmstedt fährt. In Sottrum wäre das Äquivalent der Metronom zwischen Hamburg und Bremen. „Wenn ich in Sottrum Ladestationen bauen würde, würde ich am Bahnhof anfangen“, sagt Warncke. Das sei zwingend. „Gerade an den Umsteigepunkten muss man stark sein.“

Selbst bei Schnellladestationen ist entscheidend, wo sie stehen. Denn auch die vergleichsweise geringe Wartezeit muss irgendwie genutzt werden können. Das könnte der Kaffee sein, den Warncke den Nutzern seiner Station gratis anbietet. Aber vor allem seien Supermärkte wichtig. Die sind bei Warncke gleich gegenüber. Das Einkaufen kooperiere sozusagen mit dem Aufladen, sagt der Autohändler. „Man muss die Infrastruktur sinnvoll bauen, dann hat sie auch Zukunft.“

E-Mobilität noch nicht überall angekommen

Dass E-Mobilität in Tarmstedt auf dem Vormarsch ist, merkt Warncke schon allein an den Verkaufszahlen. Allein 2017 haben sich rund 15 Tarmstedter bei ihm ein E-Auto gekauft – mehr als das Dreifache als im Jahr 2016. Auch die Samtgemeindeverwaltung besitzt eines als Dienstfahrzeug. Laut Holle soll es in der Kommune bald noch mehr Ladestationen geben, gerade auf den Dörfern sind sie noch mangelhaft.

Die politischen Voraussetzungen sind mittlerweile geschaffen. Doch das ist nicht überall der Fall. „Manche Kommunen sind in Sachen E-Mobilität bislang noch sehr zögerlich. Sie scheuen die Kosten“, sagt Warncke. Die Kunden jedenfalls seien mittlerweile aufgeschlossener. Da würde auch das Carsharingprojekt Dörpsmobil zu beitragen. Stichwort Mund-zu-Mund-Propaganda, sagt der Autohändler. Allerdings hat er in den Kommunen ebenfalls erste, kleinere Anzeichen des Umdenkens ausgemacht. Und vielleicht beginnt man in Sottrum schon am Mittwoch damit. Der Ausschuss trifft sich ab 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

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