Niklas Lohmann berichtet von seinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Südafrika

„Tage sind noch anstrengend“

Niklas Lohmann kümmert sich um die Kinder im „Kids Haven“.

Johannesburg - Von Niklas Lohmann. Seit September ist Niklas Lohmann in Südafrika. Im Kinderheim „Kids Haven“ in Benoni in der Nähe von Johannesburg absolviert der Stuckenborsteler sein Freiwilliges Soziales Jahr. Wie so ein ganz normaler Tag im Kinderheim aussieht, erzählt er in seinem neuesten Bericht.

Um 7.15 Uhr stehe ich auf. Allerdings wache ich häufig schon um 5.30 Uhr auf, da die Jungs früher aufstehen und dann lautstark im Nebenzimmer spielen. Gegen 8 Uhr fahren wir mit dem Villageauto, einem tollem Toyota Avanza, zum Center.

Der Unterricht in der Bridging School beginnt ungefähr um 8.30 Uhr und dauert bis 10.30 Uhr. In diesen zwei Stunden habe ich – seit Januar – die Class 2. Das heißt, die etwas fortgeschritteneren Kinder. Zurzeit sind sie zu sechst, von denen ein Mädchen allerdings Einzelbetreuung benötigt. Meine Mitfreiwillige Fiona hat sich ihr angenommen und lernt mit ihr fleißig Lesen, Schreiben und Rechnen.

Das Unterrichten bereitet mir viel mehr Spaß als im vergangenen halben Jahr. Ich behandele nicht mehr die kompletten Grundlagen, und alle Schüler können mehr oder weniger lesen. So kann ich einen richtigen Unterrichtsplan machen und den auch recht erfolgreich durchführen.

Bei den gemeinsamen Gesprächen verrät Niklas Lohmann auch vieles von sich und seiner Heimat.

Nach der Teatime haben wir Freiwilligen eine Stunde Zeit, um unseren Unterricht vorzubereiten. Ab 12 Uhr geht es für uns dann weiter. Seit diesem Jahr sind einige Freiwillige von außerhalb in der Bridging involviert. Sie kommen etwa einmal die Woche und zeigen den Kindern etwas Künstlerisches, Musikalisches oder Yoga. Wir helfen dann häufig einfach dabei, dass jeder mitmacht und sich vernünftig benimmt.

Um 13.30 Uhr ist Lunchtime, und alle essen zusammen in der Dininghall. Wir fahren danach meistens zurück ins Village und ruhen uns etwas aus, während wir darauf warten, dass alle aus der Schule kommen.

Wenn dann die ersten Jungs zurück sind und sich zum Mittagessen nach draußen setzen, setze ich mich gerne dazu. Es entstehen immer lustige Gespräche, wenn Christiano (sieben Jahre) mich über mein Zuhause und meine Familie ausfragt oder Kamo (neun Jahre) von seinem Schultag erzählt. Wayne (neun Jahre) kommt dann zwischendurch vorbei und singt lautstark „Everybody, everybody, everybody wants to be a cat...“, bei dem Christiano immer gerne einsteigt.

Nach wie vor muss jemand montags bis donnerstags nachmittags die Kinder zur Nachhilfe fahren. Wenn ich nicht fahren muss, fangen Pat und ich mit den Jungs aus dem Haus mit dem Namen Sunflower – das Kinderheim hat davon sechs: Rainbow, Sunrise, Sushine, Sunflower, Shugerbush und Starlight – schon gegen 16.30 Uhr mit dem Trainieren im Gym an.

Um 18 Uhr sitzt mein ganzes Haus dann am großen Tisch im Esszimmer und isst Soup – das sind alle möglichen Gemüsesorten als Suppe zusammen gemischt, sehr einzigartig, aber nicht lecker – mit Reis, Pap oder Toast. Einmal ist James (sechs) plötzlich aufgesprungen, nach draußen gerannt und schon 30 Sekunden später zurückgekommen, mit erleichtertem Gesichtsausdruck. Das hat für Gelächter bei allen anderen gesorgt, da jeder wusste, was er draußen gemacht hat – am Tisch darf nämlich nicht gepupst werden.

Nach dem Abendessen gehe ich ins Sunflower und unterhalte mich mit den Jungen, die gerade die Küche putzen oder im Esszimmer sitzen. Die Anderen sind im TV-Raum und schauen die schlechten Serien, die von 17 bis 20 Uhr laufen. „Generations“, „Rhythm City“ oder „Scandal!“ sind wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ nur noch viel schlechter, aber bei allen Kindern und Mitarbeitern sehr beliebt.

Gegen 21 Uhr bringe ich dann meistens Tshepo – er ist sozusagen der Mann für alles in „Kids Haven“ – zum Center. Häufig entsteht während der Fahrt ein interessantes Gespräch über das Leben in dem Heim. Tshepo war auch ein „Kids Haven“-Kind und hat, als er zu alt wurde, angefangen dort zu arbeiten, weshalb er mir viel erzählen und erklären kann. Zurück im Village gehe ich meistens bald schlafen. Auch nach einem halben Jahr sind die Tage noch recht anstrengend.

Teambildung ist dem Stuckenborsteler wichtig.

Ansonsten fangen Tsietsi – auch ein ehemaliges „Kids Haven“-Kind – und ich mit einem Projekt an, das nur für die älteren Jungs bestimmt ist. Es soll eine Mischung aus Spaß- und Lernprogramm werden. Viele der ehemaligen Kinder haben Probleme, alleine zurechtzukommen. Plötzlich sind sie auf sich gestellt. „Kids Haven“ leistet nur noch eine kleine Hilfestellung im Vergleich zu vorher. Wir wollen sie darauf vorbereiten, indem wir ihnen bei der Job- oder Studienplatzsuche helfen. Viele der Jungs wollen studieren, trauen es sich aber selbst nicht zu, weil ihnen in der Schule erzählt wird, es wäre zu schwer für sie. Das Selbstvertrauen versuchen wir wieder aufzubauen.

Der Spaßanteil ist dabei wichtig, da die älteren Jungs bei Spenden, Ausflügen oder Besuchern häufig etwas zu kurz kommen. Wir wollen mit ihnen aus „Kids Haven“ und Benoni rauskommen. Wenn dabei auch noch Teambuilding eine Rolle spielt, wäre das gar nicht schlecht.

Wir waren vor Kurzem mit den Jungs in einem Naturreservat wandern und haben sie in die ganze Idee eingeweiht. Es war wirklich schön zu sehen, wie begeistert sie davon waren und wie viel Spaß sie in der Gruppe hatten. Für nächstes Wochenende bereiten wir ein Fußballturnier mit den 14 Jungs vor.

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