Standort eines Atommüll-Endlagers

Taakener wollen Widerstand leisten

Ob Atommüll nun in Taaken endgelagert wird oder nicht: Mit einer Bürgerinitiative will man sich auf dieses Szenario vorbereiten. Foto: imago images
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Ob Atommüll nun in Taaken endgelagert wird oder nicht: Mit einer Bürgerinitiative will man sich auf dieses Szenario vorbereiten.

Taaken gilt weiterhin als möglicher Standort eines Atommüll-Endlagers. Nachdem es in den vergangenen Monaten still um das Thema geworden ist, nimmt die Debatte vor Ort langsam wieder Fahrt auf. Bald soll es eine Bürgerinitiative geben.

Taaken – Taaken wappnet sich vor dem, was vielleicht kommen wird. Die Ortschaft steht auf einer Liste möglicher Atommüll-Endlager. Seitdem das vor rund anderthalb Jahren bekannt geworden ist, leuchten bei Rolf Wedemeyer die Alarmleuchten. Von da an haben er, Ortsvorsteher Dieter Precht und Reeßums Gemeindebürgermeister Marco Körner alles Mögliche an Informationen zusammengetragen. Und zumindest bei Wedemeyer hat sich mit der Zeit ein schlechtes Gefühl breitgemacht. Auch wenn das Auswahlverfahren inklusive Bürgerbeteiligung noch läuft, glaubt er, dass eine Entscheidung vielleicht schon getroffen ist. „Ich glaube nicht, dass die Bürgerbeteiligung noch Einfluss nimmt“, sagt Wedemeyer. Diese Erkenntnis sei bei ihm mit der Zeit gewachsen. Trotzdem will sich Taaken vorbereiten. Am Freitag, 6. März (19 Uhr, Mehrzweckgebäude Reeßum), will man deswegen eine Bürgerinitiative gründen.

„Wir müssen jetzt abwarten“, sagt Wedemeyer. Dass Taaken auf der Liste möglicher Endlager steht, hat nach der Bekanntgabe sehr viel Aufmerksamkeit erzeugt. Doch ist diese mittlerweile abgeebbt. Mehr als die Information, dass man eben auf der Liste steht, haben die Taakener im Prinzip nicht. Konkreter wird es wohl erst im dritten Quartal, wenn die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die für die Endlagersuche zuständig ist, die ersten Orte aussortiert hat. Die Nichtregierungsorganisation „ausgestrahlt“ hatte dagegen frühzeitig eine Karte mit potenziellen Standorten veröffentlicht. Bis dann im Sommer die erste offizielle Liste von der BGE kommt, scheinen viele abwarten zu wollen. „Solange es keinen Standort gibt, schreit man ins Blaue.“ Aus Sicht Wedemeyers ist es dann aber vielleicht schon zu spät.

„Anfang Januar soll es schon die ersten Erkundungen geben. Wir haben dann nur noch sechs Monate Zeit, Gegenwind zu erzeugen.“ Mit einer Bürgerinitiative wolle man sich nun frühzeitig auf den Worst Case vorbereiten – beispielsweise mit verschiedenen Vorträgen zum Thema mit Wissenschaftlern oder mit der Vernetzung mit anderen Bürgerinitiativen. Es bleibe nicht viel Zeit für Widerstand, ist Wedemeyer überzeugt.

Unter Taaken befindet sich nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ein Teil einer Salzmauer im Zechstein mit einer maximalen Ausdehnung von 9,5 mal 5,2 Kilometern. Ein Abbau der Salzvorkommen hat hier allerdings niemals stattgefunden. Infrage für ein Endlager kommen Gebiete, die vorab definierten Mindestanforderungen erfüllen, und es darf kein einziges der Ausschlusskriterien greifen. So scheiden Gebiete, in denen nach Öl, Gas oder Wasser gebohrt wird ebenso aus wie zum Beispiel jene, in denen Erdbeben registriert oder Plattenverschiebungen zu vermuten sind. Bohrungen nach Gas, die vor einigen Jahren noch ein Endlager ausgeschlossen hätten, sind mittlerweile eingestellt. Taaken passt also ins Schema.

Wedemeyer glaubt daran, dass das Endlager in den Norden Deutschlands kommt, auch wenn die Verantwortlichen eine ergebnisoffene, bundesweite Suche immer wieder betont haben. Allerdings gebe es nicht aus jedem Bundesland die dafür nötigen Daten. Daten, die in Niedersachsen recht gut erhoben sind. Andere, die über diese Daten ebenfalls verfügen, Erdgasunternehmen beispielsweise, würden diese nur ungern übergeben.

Bis es offizielle Information gibt, „hängen wir ein bisschen in der Luft“, so Wedemeyer. Und auch wenn Taaken als Endlager-Standort am Ende ausgeschlossen werde, würde man sich vermutlich für andere, betroffene Bereiche in der Region – zum Beispiel in Thedinghausen – engagieren. Wedemeyer ist zuversichtlich, dass die Bürgerinitiative Anfang März zustande kommt. Auch wenn sich viele bislang rausgehalten haben, ist das Interesse nach wie vor groß. Vorhaben für die Zeit nach der Gründung gibt es konkret noch keine, der Fokus liege erstmal auf der Gründung. Sollte sie gelingen, gebe es dennoch kurzfristig erste Termine für Informationsveranstaltungen. Immer mit dem selben Ziel: „Man will nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ohne Chance, etwas dagegen unternehmen.“

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