Student entdeckt altes Handwerk für sich

Sport als Ausgleich? Nein, ein Handwerk!

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Stahl verzeiht laut Jan Ebel keine Fehler. Daher muss sich der Hobby-Schmied bei der Arbeit genau konzentrieren.

Als Student sitzt der Bötersener Jan Ebel viel am Schreibtisch. Doch er wollte einen körperlichen Ausgleich, sich bewegen. Doch anstatt sich beispielsweise einem Sportverein anzuschließen, hat er ein altes Handwerk für sich entdeckt: das Schmieden. Auch hier bleibt neben der körperlichen Anstrengung die geistige Herausforderung nicht aus, hat er festgestellt.

Bötersen – Von Matthias Daus. Was genau dazu geführt hat, dass Jan Ebel aus Bötersen das Schmieden für sich entdeckt hat, kann der junge Mann so genau gar nicht sagen. Eine erbliche Vorbelastung war es jedenfalls nicht. Es gab zum Beispiel nicht den Großvater, der eine alte Schmiede besaß und dem man über die Schulter hätte blicken und auf diese Weise Blut geleckt haben können. Nein, der Student der Technischen Informatik ist eigentlich nur auf der Suche nach einem körperlichen Ausgleich für seine Arbeit am Schreibtisch gewesen. Dabei stieß er auf das Schmiedehandwerk.

Ein etwas ungewöhnlicher Weg für jemanden seines Alters, denn da würde man eher eine der gängigen Sportarten als körperliches Gegenstück zur sitzenden Tätigkeit vermuten. „Am Schmieden hat mich von Anfang an fasziniert, dass es eines der ältesten Handwerksarten ist und es weitaus mehr bedeutet, als stupide mit einem großen Hammer auf heißem Metall herumzuschlagen“, sagt Ebel. Hier seien neben Kraft und Ausdauer auch Kreativität, Einfallsreichtum, Struktur und eine logische Herangehensweise gefordert. Ein Hobby, das also in vielerlei Hinsicht anspruchsvoll und auch kostspielig ist. Denn man benötigt ein gewisses Equipment, um loslegen zu können.

Investitionen waren notwendig

„Das Ganze kann man natürlich auch beinahe unbegrenzt erweitern, denn es gibt im Prinzip für so ziemlich jedes Material und jeden Verwendungszweck einen speziellen Hammer oder eine gleichermaßen spezielle Zange“, erklärt der Bötersener. Auch zum Erhitzen des Materials musste er einige Investitionen tätigen: Neben einer mit Propangas betriebenen Esse, einer Feuerstelle, besitzt er auch ein Pendant, das mit Kohle befeuert wird und für dessen Frischluftzufuhr er einen überdimensionalen historischen Blasebalg angeschafft hat.

Doch bevor er anfangs loslegen konnte, stand zunächst auch hier die Theorie auf dem Plan. Er besuchte einen Grundkurs im Schmieden, besorgte sich ein einschlägiges Fachbuch und las viel über die Geschichte dieses Handwerks. Davon, dass es zu Urzeiten in einem Dorf eigentlich keinen Schmied als eigenständigen Handwerker gab. Jeder der sich berufen fühlte, konnte sich am Schmieden versuchen. Erst später, zu Zeiten des Mittelalters, wurde es auch zu einem Privileg, für herrschaftliche Häuser aufwändige Schmiedearbeiten zu übernehmen. „Und heute ist diese Kunst beinahe in Vergessenheit geraten. Daher war es ein weiterer Beweggrund für mich, diese Tradition aufleben zu lassen“, sagt Ebel.

Aller Anfang ist schwer

Die Anfänge hatte er sich dabei allerdings viel einfacher vorgestellt als sie es letztlich waren und er produzierte eine Menge Ausschuss. „Aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass die Ergebnisse mit jeder Übung besser wurden“, erinnert sich der Student an seine ersten Versuche. Zu den ersten Herausforderungen gehörten das Festlegen einer logischen Reihenfolge der einzelnen Arbeitsschritte sowie die richtige Dimensionierung des benötigten Materials. Je nachdem, welches Werkstück man herstellen wolle, seien grobe Hammerschläge ebenso erforderlich wie auch weit filigranere Verformungstechniken. „Und diese muss man mit einer möglichst großen Präzision ausführen, denn der Stahl verzeiht eigentlich keine Fehler“, so der Hobby-Schmied.

Der letzte große Punkt, der den Bötersener am Schmieden reizt, ist der Umgang mit den extrem hohen Temperaturen. Ein kontrolliertes Risiko, dass auch eine hohe Disziplin bei der Verarbeitung erfordert. „Man lernt sehr schnell, dass der Stahl auch dann noch sehr heiß sein kann, wenn er nicht mehr glüht, oder aber nur wenige Verfärbungen aufweist“, sagt Ebel schmunzelt. Eine Erfahrung, die er selbst machen musste und die wohl auch irgendwie dazu gehört.

Pflege der Tradition im Fokus

Einen kommerziellen Hintergedanken hat er bei all dem nicht. Für ihn ist es eher die Pflege der Tradition und es ist sein großer Wunsch, Leute zu treffen, die sich genauso dafür interessieren wie er selbst, um dann mit ihnen fachsimpeln zu können. Eine Antwort auf die Frage, wo ihn das alles hinführen soll, gibt es nicht. Hier ist noch der Weg das Ziel und der ist gespickt mit vielen Dingen, die man erlernen kann. Wie beispielsweise dem Feuerschweißen. „Das ist die Königsdisziplin im Schmieden und ich möchte es irgendwann einmal machen“, sagt Ebel. Dafür würde er sogar extra noch einen Kurs belegen.

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