Historisches Gebäude

Stuckenborsteler Brettmann-Haus: Was es war und was es sein kann

Eine Inschrift über dem Eingangstor des Brettmann-Hauses.
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Die Inschrift weißt auf die Erbauer hin: Gerhard Brettmann und seine Frau Concordia.

Das Brettmann-Haus in Stuckenborstel ist eines der ältesten im Dorf. Doch seine Zukunft ist ungewiss, es verfällt allerdings immer mehr.

Stuckenborstel – Einst die größte Hofstelle in Stuckenborstel, gehört das sogenannte Brettmann-Haus an der Wassermühle seit mehr als 160 Jahren zum Dorfbild. Es ist das Wohnhaus zur Wassermühle direkt nebenan, doch auch wenn die Mühle trotz einiger Schäden immer noch was hermacht, außerhalb von Pandemien auch besichtigt werden kann, verfällt das knapp 70 Jahre jüngere Fachwerk-Wohnhaus zunehmend, unter anderem ist das Dach abgängig.

Politisch steht das Brettmann-Haus wieder auf der Tagesordnung – oder besser der lang gehegte Wunsch vieler Dorfbewohner, aus dem Gebäude eine Heimat für die örtlichen Vereine zu schaffen. Das Projekt wurde immerhin in den Vorberatungen zum Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ als Maßnahme aufgenommen, auch wenn der Katalog insgesamt noch nicht endgültig beschlossen ist. Aktuell dient die alte Diele als Lagerraum für den Mühlenverein, der Bierzelt-Garnituren, Pavillons und ähnliche Dinge dort zwischen den jährlichen Mühlentagen unterbringt. Außerdem gibt es noch eine vermietete Wohnung.

Schon seit Sommer 2016, kurz nachdem mit Ursula Brettmann die letzte Brettmann im Wohnhaus gestorben ist, macht man sich in der Gemeinde Sottrum Gedanken um das Gebäude. Die SPD-Fraktion im Rat hat schon früh einen Antrag gestellt, um zu erörtern, was mit dem historischen Gebäude passieren kann, und die Sozialdemokraten sind es auch heute noch, die das Thema immer wieder auf die Tagesordnung hieven.

Ursula Brettmann hat das Haus wenige Jahre vor ihrem Tod an die Gemeinde Sottrum verkauft, dafür aber ein lebenslanges Wohnrecht erhalten, weiß Hans-Richard Buthmann, sozusagen der inoffizielle Dorfhistoriker Stuckenborstels. Auf seinem Wohnzimmertisch stapeln sich mehrere Ordner zu der Familie Brettmann, einst die Müller des Dorfes, der Wassermühle und dem Wohnhaus selbst – Fotos, Kopien historischer Dokumente, Abschriften und mehr. Im Jahre 1790 ist der erste Brettmann, Dietrich, aus Blender bei Verden nach Stuckenborstel gekommen und hat sich für damals 1100 Goldtaler die Mühle gekauft.

Sollte das Haus umgebaut werden, gibt es eine Menge zu tun.

Das Wohnhaus, heute Brettmann-Haus genannt, wurde 1860 errichtet mit Platz für eine Familie mit Kindern, Kühe, Pferde und eine Diele. Über Generationen betrieben die Brettmanns die Mühle, auch mit – heute nicht mehr existierender – Sägemühle. Der letzte Müller war Gerhard Brettmann – mit demselben Namen wie sein Vorfahr, der das Wohnhaus baute, der den Betrieb 1944 nach dem Tod seines Vaters übernahm. Doch wenige Jahre später war bereits Schluss. In den 1950er-Jahren legte er die Mühle still. „Aber er war weiter im Getreidehandel tätig“, so Buthmann. Gerhard Brettmann starb im März 2012 kinderlos. Danach sollte seine zweite Frau Ursula das Haus an die Gemeinde verkaufen.

Bis die Gemeinde aus dem Brettmann-Haus aber etwas für die Dorfgemeinschaft machen kann, wird noch eine Menge Wasser die nahegelegene Wieste herunterfließen. Denn aus Sicht der Verwaltung steht fest: Eine Sanierung des Gebäudes ist nicht wirtschaftlich, wie Gemeindedirektor Holger Bahrenburg bestätigt. Der einzige Weg, das Haus wieder flott zu bekommen, ist aus seiner Sicht ein Rück- und Wiederaufbau nach heutigen Standards. Dennoch: „Ich finde es richtig, das Brettmann-Haus zu erhalten – wie auch immer“, so Bahrenburg. Billig wird das nicht – „und auch das ist ein Faktor“, fährt der Gemeindedirektor fort. Es geben nicht nur eine gewisse Investitionssumme, an die Betriebskosten müsse man auch noch denken. Ohne Fördermittel wird es nicht gehen. Vor einigen Jahren war angedacht, das Projekt über die Gesundregion fördern zu lassen. Doch daraus wurde bekanntlich nichts.

Und so bleibt am Brettmann-Haus erst mal alles, wie es ist. Es ist ein wichtiger Bezugspunkt für Stuckenborstel, das weiß auch der Gemeindedirektor. „Das kann man nicht abreißen, das muss man in irgendeiner Form erhalten.“ Und vielleicht wird es einmal tatsächlich die Heimat der Vereine.

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