Knapp auf Verdener Gebiet

Projekt bei Horstedt: Geplante Windräder sorgen für Ärger

Ein Windrad im Licht der untergehenden Sonne.
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Geplante Windräder bei Benkel sorgen für Unmut auf der anderen Seite der Grenze im Landkreis Rotenburg. Symbolfoto: Menker

Bei Benkel sollen Windräder entstehen. Sie stehen im Landkreis Verden, werden aber von Rotenburg eingeschlossen. Nun haben sich die Investoren geäußert.

  • Drei Windräder sollen im Kreis Verden nah an der Grenze zu Rotenburg gebaut werden.
  • Insbesondere in Horstedt und Vorwerk regt sich Widerstand.
  • Die Investoren haben sich erstmals den Kritikern im Kreis Rotenburg gestellt.

Horstedt – Die hannoversche „NWind GmbH“ treibt ihr Vorhaben voran, bei Benkel im Landkreis Verden drei Windkraftanlagen zu errichten. Ihre Standorte sorgen bereits seit einigen Wochen für Diskussionen und im benachbarten Landkreis Rotenburg für einen gewissen Widerstand, schließlich ist das betreffende Areal wie eine Halbinsel größtenteils vom Rotenburger Kreisgebiet umschlossen.

In Vorwerk oder auch in der Gemeinde Horstedt auf Rotenburger Seite der Grenzen sehen manche das Vorhaben in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft kritisch. Die Gegner befürchten Gefahren für die Vogelwelt und Eingriffe in die Landschaft. Am Montagabend kamen drei Vertreter des Windenergieunternehmens, unter anderem Geschäftsführer Nils Niescken, nach Winkeldorf, um im Vorfeld einer Sitzung des Horstedter Rates das Projekt vorzustellen.

„NWind“ gewinnt keine neuen Freunde

Das Dorfgemeinschaftshaus war am Montagabend voll besetzt. Ursprünglich hatte die „NWind“ das Vorhaben bereits Anfang Februar im Rat erläutern sollen, ist aufgrund der Witterungsverhältnis – es war die Schneeperiode – nicht angereist. Für den Folgetermin musste man sich anmelden, damit sich angesichts Corona nicht zu viele Menschen in dem Gebäude aufhalten. Sie kamen nicht nur aus der Gemeinde Horstedt, sondern teilweise aus den umliegenden Gemeinden wie Vorwerk oder Tarmstedt. Während manche die Ausführungen Niesckens eher still zur Kenntnis zu nehmen schienen, waren einzelne auch richtig sauer auf den Vorhabenträger.

Niescken wird an dem Abend wohl keine neuen Freunde gewonnen haben. Das mag auch daran liegen, dass der „NWind“-Geschäftsführer auf manche Vorhalte und Fragen der Kritiker nicht so reagierte, wie es vielleicht angemessen wäre. Stellenweise wirkte er schnippisch oder weigerte sich, überhaupt auf Vorhalte zu reagieren, weil er nur Fragen beantworten wollte.

Hintergrund

Die „NWind“ aus Hannover plant Errichtung und den Betrieb eines Windparks nordwestlich von Benkel unweit der Grenze zum Landkreis Rotenburg mit ihren Ortschaften Stapel, Winkeldorf und Vorwerk. Die drei Windenergieanlagen sind vom Typ Enercon E-160 EP 5 mit jeweils einer Nabenhöhe von 166,6 Metern, einem Rotordurchmesser von 160 Metern und somit einer Gesamtanlagenhöhe von 246,6 Metern. Sie haben jeweils eine Nennleistung von 4,6 Megawatt. „NWind“-Geschäftsführer Nils Niescken sprach bei einer Sitzung des Otterstedter Ortsrates und des Ottersberger Umweltausschusses Mitte Januar dieses Jahres davon, bis zu 11 .900 Vier-Personen-Haushalte rechnerisch mit den in Benkel erzeugten Kilowattstunden an Windstrom versorgen zu können, und rund 35 000 Tonnen CO2-Ausstoß würden damit jährlich eingespart.

Kritik und Gegenstimmen wertete er häufig als polemisch herab, hatte aber selbst erst eine halbe Stunde vorher in seinem Vortrag Bilder von Windrädern riesiger Löcher aus dem Tagebau gegenübergestellt, um dem Argument des Eingriffs in die Landschaft bereits früh etwas entgegenzustellen. Auf die Protestankündigung eines Anwohners sagte er: „Sie können machen, was Sie wollen. Sie können demonstrieren“ und schob ein etwas leiseres „oder Corona leugnen“ hinterher.

Konkret geht es um drei Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von rund 250 Metern. Die in Verden geltenden Mindestabstände zur Wohnbebauung würden eingehalten. Heikel ist hier, dass das Projekt nur möglich ist, weil das niedersächsische Oberverwaltungsgericht im Mai 2020 die Regelungen zur Windenergie im Verdener Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) 2016 für unwirksam erklärt hatte.

Projekt wäre nach Rotenburger Maßstäben nicht möglich

Würde man die Maßstäbe anlegen, die der Landkreis Rotenburg in seinem RROP anlegt, wären die Windräder an diesem Standort nicht möglich. Befeuert wird die Kritik ein Stück weit dadurch, dass die Windräder teilweise nur wenige Meter von der Kreisgrenze entfernt stehen sollen.

Das Projekt Benkel sei bei der „NWind“ schon länger in Planung gewesen, so Niescken in seinem Vortrag – seit 2015. Das Unternehmen habe laut des Geschäftsführers ein eigenes Gutachten erstellen lassen, das belege, dass die Vogelwelt, etwa der Rotmilan oder der Schwarzstorch, nicht in dem Maße durch die Anlagen gefährdet werde, sodass es eine Ablehnung des Bauantrages rechtfertige. Nistplätze seien ausreichend weit weg.

„NWind“ hat die Trümpfe in der Hand

Das sehen viele Kritiker aus der Umgebung anders, und das ungültige Verdener RROP auch. Niescken erklärte das damit, dass der Kreis bei der Erstellung des RROP nur grob die Gebiete betrachte, für sein Gutachten wäre das betreffende Areal viel intensiver analysiert worden.

Die „NWind“ hat die Trümpfe in der Hand, eine konkrete Handhabe gegen das Projekt gibt es aus Sicht des Kreises Rotenburg nicht, entschieden wird im Nachbarkreis. Die politischen Gremien in Ottersberg haben bereits zugestimmt. In einer Stellungnahme hat der Landkreis Rotenburg lediglich auf die Folgen für Natur und Landschaft hinweisen können, wie dessen Verwaltung vor wenigen Wochen bestätigte, ohne den Wortlaut zu veröffentlichen.

Welche Schritte sich die Kritiker des Projekts bei Benkel als Nächstes überlegen, bleibt abzuwarten. Die Diskussion mit Niescken ging jedenfalls auf dem Parkplatz weiter.

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