Kurzserie: „Um den Pudding“

Sottrums Bürgermeister möchte bleiben: Lokalpolitiker von Beruf

Hans-Jürgen Krahn (CDU) strebt als Bürgermeister der Gemeinde Sottrum die Wiederwahl an.
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Hans-Jürgen Krahn (CDU) strebt als Bürgermeister der Gemeinde Sottrum die Wiederwahl an.

Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU) strebt die Wiederwahl an. Wir haben uns mit ihm zum Spaziergang durch die Gemeinde getroffen.

Sottrum – Hans-Jürgen Krahn hat sich eine der weniger attraktiven Ecken Sottrums ausgesucht. Als Ausgangspunkt für einen Spaziergang muss die Ecke Große Straße/Bremer Straße herhalten. Ausnahmsweise ist es dort an diesem Morgen ruhig, denn die Bremer Straße als Bundesstraße wird gerade saniert und die Bauarbeiter sind weit weg – kein Vergleich zum Straßenlärm, der hier sonst vorherrscht. Auf der einen Seite der B 75 sind modernere Reihenhäuser, auf der anderen heruntergekommene Gewerbebauten. Ein Ort mit gewisser Geschichte, weiß Krahn.

Der Sottrumer CDU-Bürgermeister stellt sich am 12. September als Spitzenkandidat seiner Partei zur Wiederwahl.  Er möchte noch ein bisschen was bewegen – auch hier an der Bundesstraße. „Hier muss auch irgendwann mal eine Veränderung her“, sagt Krahn. Aber wer eine Lösung möchte, muss alle Betroffenen mit einbinden. Ein Supermarkt, Wohnungen, es gibt wenig, was nicht mal in der Debatte oder ein Gerücht für diesen Standort war. Krahn selbst kennt die Ecke noch als junger Mann, hat hier als Rotenburger immer gegen den TV Sottrum Fußball gespielt. Das seien harte Spiele gewesen.

Kurzsserie „Um den Pudding“

Im Pandemiejahr findet der Wahlkampf vornehmlich draußen statt. In der Kurzserie „Um den Pudding“ stellen wir die drei Spitzenkandidaten der Parteien und damit die Bewerber auf das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Sottrum vor. Sie wählen Ausgangspunkt und Route. Letztere bestimmt das Gespräch über Pläne für Sottrum, über ihre Verbindungen und Vergangenheiten in diesem Dorf. Den Anfang machte der Spitzenkandidat der Grünen, Lühr Klee. Der Zweite ist der amtierende Bürgermeister, Hans-Jürgen Krahn (CDU), demnächst ist der zweite Herausforderer, Andreas Rosebrock (SPD), dran.

Krahn ist im Gegensatz zu seinen Gegenkandidaten Lühr Klee (Grüne) und Andreas Rosebrock (SPD) kein Ur-Sottrumer. Dennoch ist er schon lange in der Wieste heimisch, seit 1980 und damit den größten Teil des Lebens des 62-Jährigen. Eine Ampel, wird er später erzählen, hat ihn damals in die Lokalpolitik gebracht. Diese wollte er einst an der Bundesstraße, damit seine Tochter sicher zur Schule kommt. Offenbar ein umstrittenes Vorhaben. Es lief nicht wie von ihm gewünscht, also ließ er sich zur Fraktionssitzung einladen. Er solle das erst mal besser machen, hieß es den Worten Krahns zufolge damals. „So ist es dann entstanden, aber ich war schon immer interessiert an Politik.“

Wir biegen ab in den Gartenweg, nähern uns dem Rossmann von hinten. Ein Gewinn für Sottrum, sagt Krahn. Mittlerweile kämen auch wieder mehr Leute aus Ottersberg zum Einkaufen. In der Stadt gebe es Drogeriemärkte an jeder Ecke, auf dem Land nicht, leitet er ein anderes Thema ein: Zuzug. Viele Städter wünschen sich mittlerweile Baugrund auf dem Land, lernen es langsam zu schätzen. Und, so hat er festgestellt, ehemalige Sottrumer Jugendliche, „die in die Welt gezogen sind“, kehrten wieder zurück, haben vielleicht Familie gegründet. Darauf müsse man sich in Sottrum einstellen.

Als Krahn vor mehr 40 Jahren nach Sottrum gekommen ist, war der Ort noch wesentlich kleiner, erinnert er sich, während es über den Weg zwischen Volksbank und Edeka entlang geht. Immer wieder gab es einen Schub von Zuzügen in der Gemeinde. Heute sei Sottrum keine Stadt, aber auch kein Dorf mehr. Eine Beschreibung, die man oft gehört hat in den vergangenen Jahren, gerade anlässlich des Entwicklungskonzeptes „Sottrum 2030“. Aber was ist es dann? „Ich weiß gar nicht, wie ich es benennen soll“, sagt Krahn. Ein Zwischending eben. Aber der dörfliche Charakter werde immer erhalten bleiben, ist er sich sicher.

Krahn hat im Berufsleben lange für einen Energieversorger gearbeitet, nach einer Fusion hat er sich mit einem Partner selbstständig gemacht und der Branche Dienstleistungen wie Zählerablesen angeboten. Irgendwann setzte er sich zur Ruhe, ist nun vor allem in der Lokalpolitik zu finden – fast schon berufsmäßig. Seit 25 Jahren ist er aktiv dabei. Im Herbst will er neben dem höchsten Amt der Gemeinde Sottrum auch seinen Platz im Samtgemeinderat, wo er CDU-Fraktionsvorsitzender ist, verteidigen. Dasselbe gilt für das Rotenburger Kreistagsmandat, in dem er Mitglied in den Ausschüssen Arbeit und Wirtschaft sowie Soziales und Gesundheit ist. Außerdem ist er einer der drei Stellvertreter von Landrat Hermann Luttmann (CDU).

Was fehlt in Sottrum? Wir sind im Ortskern an der Großen Straßen. Krahn denkt nach, umschreibt es mit Möglichkeiten, „wo man draußen sitzen und einen Kaffee trinken kann“. Das gebe es zwar auch in Sottrum, aber eben nicht hier.

Die Große Straße habe man sich mal als Flaniermeile vorgestellt, das ist lange her, und das wird es wohl nie. Ansonsten würde nicht mehr viel fehlen, gerade infrastrukturell sei vieles da: Schulen, Kindergärten, Bahnanschluss, Autobahn. An der Grundschule am Eichkamp spricht er ein Thema an, dass er auch als Sottrumer Bürgermeister nicht in der Hand hat, aber zumindest auf höherer Ebene mit anstoßen kann. „Die Samtgemeinde braucht einen Schulentwicklungsplan“, sagt er und spielt auf den Zustand der Schule an. Wie sich dieser ausgestaltet, hänge aber auch davon ab, wie sich das Land in Sachen Ganztagsschule positioniert.

Seine Kandidatur als Bürgermeister Sottrums in diesem Jahr, ist mit gewisser Wahrscheinlichkeit seine letzte. Es geht über die Wieste Richtung Wohngebiet. 2006 ist er erstmals Bürgermeister geworden, muss nach der Wahl 2011 aber zunächst trotz der meisten Personenstimmen seinen Platz einem rot-grünen Bündnis im Gemeinderat zur Verfügung stellen. In diesem kam es zum Streit, eine damalige Nachfolgerin Christa Kirchhoff (SPD) trat zurück, und er ließ sich 2014 vom Gemeinderat wiederwählen. Die Wahl 2016: klar gewonnen. Aber: Er wolle sich nicht aus dem Amt tragen lassen. „Ich finde es wichtig, den Nachwuchs nach vorne bringen.“ Er wolle sich in der nächsten Wahlperiode dann endgültig entscheiden, wie es weitergeht. Es sei ihm ein Anliegen, das Amt vernünftig zu übergeben. „Alles hat seine Zeit“, sagt Krahn. „Irgendwie muss man zum Ende finden und irgendwann auch.“

Es geht langsam zum Ausgangspunkt zurück. Krahn spricht vom teils für ältere Menschen ungeeigneten Zustand der Fußwege, den man in den Griff bekommen müsse. Kurz vor dem Ende kommen wir an einem zerstörten Plakat des FDP-Samtgemeinde-Bürgermeisterkandidaten Robert Abel vorbei. „Herr Abel wird hier schon zerschlagen“, stellt Krahn trocken fest. „Aber ich bekomme sicher auch noch mein Fett weg.“

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