Drittes Gotteshaus im Wiesteort

Sottrumer Zionsgemeinde weiht ihre neue Kirche

Die sakralen Gegenstände, die zuvor nach der Entweihung aus der Kirche am Kreuzweg entnommen wurden, ziehen mit dem Kirchenvorstand in die Christuskirche ein.
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Die sakralen Gegenstände, die zuvor nach der Entweihung aus der Kirche am Kreuzweg entnommen wurden, ziehen mit dem Kirchenvorstand in die Christuskirche ein.

Sottrum – Fast sechs Jahrzehnte hat die Zionsgemeinde, die der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) angehört, die Gottesdienste in der Kirche am Sottrumer Kreuzweg gefeiert. Das gehört jetzt der Vergangenheit an, denn am Sonntag übernahm Bischof Hans-Jörg Voigt die Weihe der Christuskirche, die an der Marconistraße im Gewerbegebiet Sottrum-West nach knapp eineinhalb Jahren Bauzeit fertiggestellt worden war.

Bevor die feierliche Zeremonie begann, erhielt Kirchenvorstandsmitglied Christoph Schmidt-Dahl, der dem Bauausschuss angehört, offiziell den Schlüssel aus den Händen von Architekt Alexander Hagen überreicht. Um alles coronakonform ablaufen zu lassen, wurden die Gäste, zu denen auch Vertreter der Nachbargemeinden, anderer christlicher Kirchen, Kommunalpolitik sowie Sottrums langjähriger SELK-Pastor Johannes Rehr gehörten, auf das Kirchenschiff, den Gemeindesaal und den großzügigen Innenhof aufgeteilt.

Nicht fehlen durfte auch der Posaunenchor, der erstmals seit Beginn der Pandemie fast vollzählig auftreten konnte. „Um die Abstände einhalten zu können, gab es in der Kirche am Kreuzweg jedes Wochenende vier Gottesdienste und somit auch eine Vierteilung des Posaunenchors“, erklärt Christoph Schmidt-Dahl im Vorfeld der Feier im Gespräch mit der Kreiszeitung. Er weiß, dass der Kirchenneubau für viele ein Lichtblick in der kontaktarmen Zeit war. Einen Platz in der Kirche fand natürlich auch einiges, was einige Stunden zuvor noch im Gotteshaus am Kreuzweg gestanden hatte.

Johannes Rehr, zehn Jahre Pastor der Sottrumer Zionsgemeinde, mit „seiner“ Orgel.

„Nach der Entwidmung haben wir die sakralen Gegenstände wie das Abendmahlgeschirr und die Taufschale feierlich aus der alten Kirche herausgetragen“, so der Kirchenvorsteher. Schon zuvor waren das Kruzifix und die Evangelisten Figuren an die Marconistraße umgezogen. Nicht vom Kreuzweg, aber auch mit einer eigenen Geschichte, stammt die Orgel für die Christuskirche. „So traurig es ist, dass SELK-Gemeinde in Suhlendorf-Nestau bei Uelzen ihre St.-Jakobi-Kirche aufgegeben hat, so ist es doch für uns eine Freude, dass wir die dortige Böttner-Orgel übernehmen konnten und in unserer neuen Kirche aufs Neue weihen dürfen“, sagt Schmidt-Dahl. Diese Orgel hat einen besonderen Bezug zu Johannes Rehr, denn 1997 hatte er in Nestau die Weihe übernommen.

Bischof Hans-Jörg Voigt (r.) weiht die Christuskirche und den Altar.

„Es ist ein Wunder, dass wir – trotz Preissteigerungen und nicht verfügbarer Baustoffe – den Kostenrahmen fast eingehalten haben“, freut sich Schmidt-Dahl. Zu verdanken sei dies auch vielen Gemeindegliedern, deren Eigenleistung sich auf über 2 000 Stunden summierte. Zu ihnen zählt Friedrich Müller, der durch Corona sein Engagement als Hornist bei den Bremer Philharmonikern ruhen lassen musste und viel seiner dadurch gewonnenen Freizeit auf der Baustelle verbrachte. „Bevor die Kirche ihr Dach bekam, hat er mit dem Alphorn sogar ein kleines Konzert für die Bauarbeiter gegeben“, lobt Schmidt-Dahl das Engagement des Berufsmusikers. Neben der hohen Eigenleistung trug auch die große Spendenbereitschaft zur guten Finanzbilanz bei. „Die Resonanz auf unseren Spendenaufruf war überwältigend“, saht der 28-Jährige strahlend.

Nach dem Festgottesdienst mit Heiligem Abendmahl waren alle Gäste zu Snacks unter freiem Himmel eingeladen. Dabei störte es nicht, dass die Pflasterarbeiten vor der Kirche noch nicht ausgeführt werden konnten. „Der von uns gewählte Stein kann erst in den nächsten Wochen geliefert werden“, begründete der Kirchenvorsteher das fehlende Detail.

Drei Kirchengebäude in 111 Jahren

Die Christuskirche ist die dritte Kirche, die von der Zionsgemeinde gebaut wurde. Der erste Kirchenbau erfolgte 1910 auf dem Grundstück Alte Dorfstraße 14, das die Familie Nordhausen der Kirchengemeinde geschenkt hatte. Anfang Juni 1961 erwarb die Zionsgemeinde ein Grundstück für einen Neubau am Kreuzweg, 1963 konnte die neue Kirche feierlich eingeweiht werden. Die alte Kirche wurde wenig später abgebrochen und das Kirchgrundstück an die Erben des damaligen Spenders zurückgegeben. Durch die ständig wachsende Anzahl der Gemeindeglieder war schon 1983 klar, dass die Räumlichkeiten im Gemeindesaal und den Nebenräumen nicht mehr ausreichten.

Bis aber am 7. April 2020 der Grundstein für die Christuskirche gelegt werden konnte, floss noch viel Wasser die Wieste herunter. Entstanden ist ein 818 Quadratmeter großer Gebäudekomplex, der mit modernster Technik wie die emissionsfreie Solewärmepumpe ausgestattet ist. Die Christuskirche bietet mit 150 Sitzplätzen im Kirchenschiff und weiteren 50 auf der Empore rund 50 Prozent mehr Platz, als im Kreuzweg zur Verfügung stand.

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