Sottrumer Tafel in Personalnot

Brigitte Mintenbeck braucht dringend mehr Helfer für die Sottrumer Ausgabestelle der Tafel. Immerhin: Über den Zusammenhalt unter den Kunden und der verbliebenen Helfer kann sie sich noch freuen. Trotzdem gehe es langsam an die Substanz. Foto: Röhrs

Die Außenstelle der Rotenburger Tafel in Sottrum hat akuten Personalbedarf. Neben der Leiterin Brigitte Mintenbeck engagieren sich nur noch wenige für das Angebot. Sie hat bereits ans Aufhören gedacht. Das hätte aber weitreichende Konsequenzen für die Ausgabestelle.

Sottrum – Die letzten Kunden des Tages sind noch da. Sie erledigen schnell noch ein paar Einkäufe, bevor die Ausgabestelle der Tafel in Sottrum für diesen Tag schließt. Brigitte Mintenbeck ist sozusagen die Hausherrin der Einrichtung im ehemaligen Panorama-Hotel an der Bremer Straße. Gerade hält sie einen kurzen Plausch mit zwei Kundinnen, im hinteren Teil des Raumes bedient eine Helferin. Es herrscht ein freundlicher Umgang miteinander.

Was erst mal nicht sichtbar ist: Die Helferin ist eigentlich eine Kundin und steht daher für zweierlei in diesem Moment. Zum einen ist Mintenbeck, wie sie später erklärt, sehr dankbar über diese Hilfe. Andererseits offenbart das wiederum den Personalmangel, den die Ausgabestelle mittlerweile hat. An diesem Tag war Mintenbeck wieder einmal als Verkäuferin alleine. „Wir haben viel zu wenig Leute“, sagt die Stuckenborstelerin.

In der Ausgabe, die montags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet ist, gebe es eigentlich kaum jemand Festes, der dort regelmäßig arbeitet, erläutert Mintenbeck. Das gelte auch für andere Arbeitsbereiche der Tafel, etwa beim täglichen Sortieren der Lebensmittel. Bei diesem Ausgucken der Spenden, die überhaupt in den Verkauf gehen können, sei oft niemand da. Dazu gibt es noch zwei Fahrerteams, die jeweils einmal in der Woche die spendenden Läden in Sottrum abklappern. Da dies eine tägliche Arbeit ist, springt zu den übrigen Zeiten Mintenbecks Ehemann ein. Oft sitzt sie dann selbst mit auf dem Beifahrersitz. „Es ist ein Familienbetrieb geworden“, sagt sie.

Gelegentlich würden noch ein paar Flüchtlinge mithelfen, die teilweise noch im ehemaligen Hotel leben oder bereits in andere Wohnungen innerhalb des Ortes leben. Doch auch die hätten andere Verpflichtungen, müssten zum Beispiel zur Schule gehen. Man ahnt es: Es ist ein Ehrenamt, dass sich nur schwer mit einem „normalen“ Alltag integrieren lässt. Gearbeitet wird tagsüber – mit einem Vollzeitjob ist das schwierig zu vereinbaren. Das Mintenbecks Ansicht nach einer der Gründe, warum die Tafel aktuell zu wenig Helfer hat.

Es müssen aber schon deutlich mehr Engagierte in der Sottrumer Tafel-Ausgabestelle arbeiten. Vier Fahrer, also zwei Teams, zusätzlich wären gut, sagt Mintenbeck. Dazu bräuchte sie noch zwei bis drei Helfer beim Sortieren und im Verkauf. Und die möchte sich die 76-Jährige verlassen können. „Ich erwarte eine gewisse Verbindlichkeit“, sagt sie; und wird selbstkritisch: „Ich habe Ansprüche, die vielleicht nicht jedem gefallen.“ Manchmal wisse sie morgens noch nicht, ob und wer über den Tag hinweg hilft. „Dabei brauche ich ein regelmäßiges Team.“ Oft genug, wie eben an diesem Tag, steht sie dann alleine im Verkauf. Sie ist froh, dass ihre Kunden nicht meckern, wenn es deshalb mal etwas länger dauert, sondern sich lieber selbst die blauen Einweg-Handschuhe überziehen und mit anpacken. Das sind die Momente, die Mintenbeck bei Stange halten. „Diese Hilfe bestärkt mich.“ Sie meint das Begegnen auf Augenhöhe, und dass man als Ehrenamtliche auch viel zurückbekomme.

Mittlerweile macht auch die helfende Kundin Feierabend. Noch ein paar kurze freundliche Sätze, eine Packung Frischkäse wechselt ihren Besitzer. Mintenbeck bedankt sich für die Unterstützung. Nachdem die Kundin gegangen ist, blickt sich Mintenbeck in der Küche um. Es gibt kaum einen Platz, an dem nicht irgendwas steht. Gurkengläser, Sahne, Geschirr. Eigentlich hätte sie gerne aufgeräumt. Aber: keine Zeit.

Doch mittlerweile ist nicht nur die Tafel von der Personalnot betroffen, auch die angeschlossene Kleiderkammer muss seit Kurzem auf eine Helferin verzichten. Der Verkauf von Kinderbekleidung finde deswegen aktuell bereits nicht mehr statt. Und dass, obwohl der der dazugehörige Raum direkt nebenan voll mit gespendeten Klamotten ist.

Auch ans Aufhören hat Mintenbeck schon nachgedacht. Damit stünde die Zukunft der Ausgabe auf dem Spiel. Doch sie sei keine, die einfach so schnell das Handtuch werfe. „Noch läuft es, wir müssen uns da irgendwie durchlavieren“, sagt sie. Doch es sei traurig, dass sie immer mehr an ihre Grenzen stoße. Langsam gehe es eben an die Substanz. Gelegentlich blitzt ein gewisser Galgenhumor zwischen den Sätzen Mintenbecks hervor. Doch dann kommen immer wieder die Momente, die sie im Weitermachen bestärkten. „Es sind ja alles nette Menschen“, es sei ja auch ein vertrauensvoller Umgang miteinander. Stimmung sei aber ungebrochen gut. Das ist ein großes Anliegen Mintenbecks.

Kontakt

Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Sottrumer Tafel hat, kann sich bei Brigitte Mintenbeck nähere Informationen einholen. Sie ist unter 0173 / 7374205 erreichbar.

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