Nach der Wahl

Sottrum: Samtgemeinde-Fraktionen sondieren

Eine Hand steckt einen Wahlzettel in eine Wahlurne.
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Die Samtgemeinde Sottrum hat am Sonntag mit Holger Bahrenburg einen neuen Bürgermeister gewählt.

Nach Kommunal- und Bürgermeisterstichwahl stehen die kommenden politischen Kräfte der Samtgemeinde Sottrum fest. Die Parteien sondieren nun, wie es ab November weitergehen soll.

Sottrum – Die Samtgemeinde hat gewählt. Mit Holger Bahrenburg (parteilos) gibt es nach knapper Entscheidung einen designierten Nachfolger für Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag, der Ende Oktober aus dem Amt scheidet. Der Wahlausschuss der hat den knappen Wahlerfolg des Horstedters am Dienstagabend auch offiziell bestätigt. Kurz darauf, am 4. November, wird dann der vor zweieinhalb Wochen neu gewählte Samtgemeinderat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen. Nach der Stichwahl am Sonntag haben nun die Parteien Klarheit, wer die bald die Geschicke im Rathaus führen wird. Sie selbst sind nun frei vom Wahlkampf und können sich auf die zukünftige Ratsarbeit fokussieren.

Dieser Tage setzen sich die großen Parteien der Samtgemeinde jeweils zusammen. Teilt man die Verhältnisse im neuen Samtgemeinderat klassisch in linke und konservative Lager, gibt es ein Patt. SPD, Grüne und Die Linke kommen zusammen auf 15 Sitze, CDU, FDP, WFB und AfD ebenfalls – auch wenn keine der Fraktionen mit der AfD-Vertreterin Andrea Kaiser zusammenarbeiten möchte. CDU-Gemeindeverbandschef Marvin Heinrich: „Wir kümmern uns um Sachpolitik.“ Wenn es um Mehrheiten gehe, dann wolle man weder mit der AfD noch mit Die Linke zusammenarbeiten. Am Donnerstag trifft sich die neue Fraktion der Christdemokraten, bestehend aus elf Mitgliedern, erstmals zur Sitzung. Dann werde man das Ergebnis für sich analysieren und die nächsten Schritte abwägen.

Offene Ratsarbeit weiter denkbar

Ob es angesichts der relativ ausgeglichenen Kräfte vielleicht zu einer sogenannten offenen Ratsarbeit ohne Mehrheitsgruppen kommt? Er selbst, so Heinrich, habe diese immer als positiv empfunden. Er schränkt aber auch ein: Mit einer Mehrheitsgruppe seien die anstehenden Entscheidungen einfacher und auch schneller zu treffen. Ähnliches hört man auch von den Grünen und von Robert Abel, im ersten Wahlgang unterlegener Bürgermeisterkandidat der FDP und einer von zwei Vertretern der Liberalen im Samtgemeinderat. Auch die FDP kommt am Donnerstag zusammen, um zu sehen, wie die „Mehrheitsverhältnisse im Rat sind“, so Abel. Um „Dinge auszuloten“.

Die SPD möchte in Sachen Zusammenarbeit mit „allen Fraktionen sprechen“, so Ortsverbandssprecher Klaus Dreyer. Die Sozialdemokraten haben mit neun Sitzen einen weniger als in der ablaufenden Wahlperiode. Aus ihrer Sicht sei noch alles möglich: Sowohl Gruppen als auch eine lockere Zusammenarbeit. Ein rot-grün-rotes Bündnis, ein Linksbündnis, scheint dabei aber nicht die Präferenz des Hassendorfers zu sein. Derartige Begriffen passten nicht in die Kommunalpolitik, erklärt er. Ohnehin sei die „Samtgemeinde nicht besonders linkslastig“.

Grüne halten sich Optionen offen

Auch die Grünen scheinen sich alle Optionen offenhalten zu wollen. „Koalieren würde nicht bedeuten, dass man fünf Jahre lang alles durchpeitscht“, so Co-Vorstandssprecher aber Joris Immenhauser gegenüber der Kreiszeitung. Vielleicht ginge da eher was in Richtung lockerer Verbund. Man müsse jetzt miteinander reden und gucken, was sich die anderen vorstellen.

So ist zwei Wochen nach der Kommunalwahl noch vieles offen im Sottrumer Samtgemeinderat. Das Zünglein an der Waage könnte bei Pattsituationen dann der neue Bürgermeister oder eine der mit nur einem Sitz vertretenen Parteien Die Linke, WFB oder eben die verpönte AfD sein.

Andrea Kaiser (AfD): „Das nun alle Parteien eine Zusammenarbeit mit mir ablehnen, ist weniger mein Problem als das ihre. Müssen sie doch ihren Wählern erklären, warum sie ein langjähriges Samtgemeinderatsmitglied, das sich nie etwas zu Schulden hat kommen lassen, von einer sachorientierten und der Samtgemeinde nutzbringenden Zusammenarbeit ausschließen wollen.“ Sie wolle abwarten, ob die Ratsmitglieder wirklich „gute Ideen, Anregungen und Einwände ignorieren wollen, nur um ihrer Parteiideologie zu folgen.“

Stimmen zur Wahl

Die Parteien im Sottrumer Samtgemeinderat erwarten eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem designierten Bürgermeister Holger Bahrenburg, der als parteiloser Einzelbewerber angetreten ist. Erst kurz vor der Stichwahl hatte sich noch der CDU-Vorstand hinter den Horstedter gestellt. Er gewann die Wahl am Sonntag lediglich mit 71 Stimmen Vorsprung gegen Nicolas Fricke, der für SPD und Grüne angetreten war.

SPD-Ortsverbandssprecher Klaus Dreyer: „Wir werden Holger Bahrenburg in allen Belangen unterstützen.“ Allerdings erwäge seine Partei auch, eine Nachzählung zu beantragen. Für einen Einspruch ist seit dem Wahlausschuss am Dienstag zwei Wochen Zeit. Joris Immenhauser (Grüne) bestätigt ähnliche Überlegungen am Wahlabend. Man habe aber davon Abstand genommen, weil der knappe Vorsprung Bahrenburgs keine ausreichende Begründung darstellen würde. Mit Bahrenburg wolle man nun sachbezogen zusammenarbeiten, so Immenhauser weiter, auch wenn er nicht den „Riesenrückhalt in der Bevölkerung“habe.

Der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Marvin Heinrich freut sich hingegen auf eine „konstruktive Zusammenarbeit“ mit Bahrenburg und zollt den unterlegenen Nicolas Fricke seinen Respekt. Robert Abel (FDP), der ebenfalls kandidiert hat: „Es ist so wie es ist.“ Man werde jetzt nicht lamentieren, das sei Demokratie. Andrea Kaiser (AfD): Mit Bahrenburg habe die Samtgemeinde einen Bürgermeister, „dem die Samtgemeinde und auch jede einzelne Mitgliedsgemeinde am Herzen liegt.“ Er wisse die Herausforderungen der nächsten Jahre zielgerichtet anzugehen.

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