Fokus auf Digitalisierung

Sottrumer Mitgliedsgemeinden wollen Infosystem einführen

In Reeßum werden bei der Ratssitzung bereits einige Module des Ratsinformationssystems genutzt.
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In Reeßum werden bei der Ratssitzung bereits einige Module des Ratsinformationssystems genutzt.

Die Gemeinde Sottrum als auch die Samtgemeinde setzen bereits seit einigen Jahren auf das Ratsinformationssystem, jetzt wollen auch die anderen Mitgliedsgemeinden der Kommune nachziehen.

Sottrum – Im Wahlkampf schreiben sich viele Kandidaten „Transparenz“ auf die Fahne. Auch wenn der Wille bei vielen Kommunalpolitikern vorhanden ist, lässt sich das bisher bei den Gemeinderäten Ahausen, Bötersen, Hassendorf, Hellwege, Horstedt und Reeßum nicht in allen Bereichen umsetzen. So haben Bürger im Vorfeld von Sitzungen derzeit nur die Möglichkeit, die Tagesordnung über Bekanntmachungen oder die Zeitung zu sehen, nicht aber die zugehörigen Beschlussvorlagen.

Diese wären für Hintergrundwissen wichtig. Das soll sich nun durch die Einführung des Ratsinformationssystems ändern, das bereits seit 2014 bei der Gemeinde Sottrum und seit 2019 bei der Samtgemeinde im Einsatz ist.

Ein weiterer Pluspunkt: Ist die Umsetzung abgeschlossen, sind ab dem Einführungsstichtag auch Protokolle zu sehen. In der Gemeinde Reeßum wurden bereits die ersten Schritte im Ratsinformationssystem getan, nachdem der Beschluss zur Einführung noch vom alten Rat gefasst worden war. „Wir konnten die Einladung für unsere jüngste Sitzung über das System generieren“, erklärt Bürgermeister Julian Loh. Dafür musste er auswählen, welche der vorher eingepflegten Vorlagen auf die Tagesordnung kommen sollen.

Sitzung ohne Papierkram

Durch die Online-Vorlagen könnten nicht nur die Ratsmitglieder die Sitzung ohne Papierkram verfolgen, sondern in Zukunft auch Zuschauer zum Beispiel per Handy. Einen weiteren Vorteil sieht Loh im Aufbau des Archivs: „So haben alle dauerhaft Zugriff auf die Unterlagen.“ Gewundert hätten sich die neuen Ratsmitglieder, „dass wir so etwas nicht haben“.

Obwohl sich Loh bewusst ist, dass durch das System der Anspruch und die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wachsen und so mehr Angriffspunkte geboten werden, steht er der Einführung sehr positiv gegenüber. Auch Cord Trefke, seit November Bürgermeister in Bötersen, freut sich auf die Digitalisierung: „Es ist der richtige Weg. Bisher sind wir zu 100 Prozent analog unterwegs.“ Der Beschluss fiel bei der Sitzung im Dezember. „Wir müssen noch den Starttermin mit der Samtgemeinde abstimmen“, so Trefke, der das Programm bereits aus dem Samtgemeinderat kennt und schätzt.

In den Startlöchern stehen auch die anderen Gemeinden. In Hellwege wurden seit der Ratssitzung im Dezember erstmals die Beschlussvorlagen auf der eigenen Internetseite veröffentlicht. „Wir möchten das System gerne Anfang dieses Jahres einführen und damit das Papier loswerden“, erklärt Bürgermeister Wolfgang Harling. Er freut sich, dass er mit Peter Strohschän einen technikaffinen Stellvertreter hat. Auch Ahausens Bürgermeister Rainer Henke weiß, dass er auf einen Administrator in den Rats-Reihen zählen kann. „Der Beschluss zur Einführung wurde noch vom alten Rat getroffen“, betont Henke.

Das Ergebnis kann nur sein, dass wir uns beteiligen werden.

Klaus Dreyer

In Horstedt ist das Infosystem schon länger Thema. „Ich hatte das noch mit Ex-Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag vorbesprochen“, so Bürgermeister Michael Schröck. Er weiß, dass mit dem technischen Fortschritt vieles einfacher wird. „Dann entfallen leider meine Fahrten durch das Dorf, um die Einladungen zu verteilen“, merkt er an. Auch in Hassendorf sieht es jetzt nach der Einführung aus: Nachdem der von den Grünen bei der Ratssitzung Mitte Dezember gestellte Antrag noch an den Ausschuss verwiesen wurde, bekundet jetzt Bürgermeister Klaus Dreyer Interesse. „Wir werden beraten. Das Ergebnis kann nur sein, dass wir uns beteiligen werden.“ Bei der Umsetzung wolle man sich einreihen, aber darauf achten, „dass wir nicht an letzter Stelle stehen“. Während in Hassendorf noch nicht ganz klar ist, ob die Ratsmitglieder für die Verwendung der eigenen Geräte einen einmaligen oder monatlichen Zuschuss erhalten, wurde in den anderen Gemeinden schon eine leichte Erhöhung der Aufwandsentschädigung beschlossen.

Vorbereitungen sind getroffen

Damit überhaupt alle Vorteile genutzt werden können, ist André Bischof im Sottrumer Rathaus gefragt, denn bei dem Abteilungsleiter für Interne Dienste laufen die Fäden zusammen. „Die Vorbereitungen sind getroffen und die ersten Schulungen bereits gelaufen.“ Da die technische Einrichtung und weitere Schulungen mit großem Zeitaufwand verbunden wären, sei dies nicht mal eben erledigt. „Wir brauchen Zeit und können es nicht ad hoc für alle gleichzeitig umsetzen“, dämpft Bischof die Hoffnungen der Kommunalpolitik auf eine schnelle Einführung. Dabei weist er darauf hin: „Mehr Aufgaben erfordern zusätzliches Personal.“ Dass die derzeitigen Personalkapazitäten nur eingeschränkt Möglichkeiten bieten, weiß auch Samtgemeindebürger-meister Holger Bahrenburg. Eine zusätzliche Stelle, um im Digitalisierungsprozess besser aufgestellt zu sein, kann nur über den Haushalt geschaffen werden. „Wir werden mit den Bürgermeistern einen Zeitplan abstimmen, um die Anforderungen aus den Mitgliedsgemeinden bedienen zu können“, sagt Bahrenburg, der die Prozesse nicht ausbremsen möchte.

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