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Sottrumer Jugendtreff bietet jetzt eigenen Raum für Mädchen

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Von: Nina Baucke

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Stacy Hoops, Laura Hüsing und Jamie Hoops
Stacy Hoops, Laura Hüsing und Jamie Hoops haben sich auch an der Wunschliste beteiligt. © Nina Baucke,

Mädchen im Sottrumer Jugendtreff können jetzt auch mal die Tür hinter sich zu machen: im neuen Mädchenraum, den die jungen Besucherinnen der Einrichtung gemeinsam mit den Erziehern und Sozialpädagogen nach ihren eigenen Wünschen gestaltet haben.

Sottrum – Ein altrosafarbenes Plüschsofa, drei Wände in Weiß und eine in Blau mit einem großen, aufgemalten Gender-Symbol, Pflanzen, eine kleine Kommode mit Büchern, ein bisschen Deko – und viel Licht: „Es ist schön, hier einfach mal Ruhe zu haben“, sagt Stacy Hoops. Die 15-Jährige sitzt auf dem Sofa in dem neuen Mädchenzimmer, das die Mitarbeiter der Sozialpädagogischen Familien- und Lebenshilfe (Sofa) im Sottrumer Jugendtreff eingerichtet haben.

Mädchen die Gelegenheit zu geben, in der Einrichtung bei Bedarf einfach mal die Tür zuzumachen, war das Anliegen, das Erzieherin und Theaterpädagogin Tatjana Rempel von der Sofa auf die Idee mit dem eigenen Raum für die Mädchen gebracht hatte. „Sie haben hier die Möglichkeit, einfach mal die Tür zu zu machen.“ Und nicht nur das: „Endlich findet wieder Mädchenarbeit hier in Sottrum statt“, freut sie sich.

Vor etlichen Jahren hatte es bereits schon einmal so eine Gruppe im Jugendtreff gegeben, irgendwann war sie allerdings mangels Beteiligung eingestampft worden. „Hier waren nur Jungs, Mädchen waren hier nur manchmal, und wenn, dann als Begleitung der Jungen.“ Das sei generell in Jugendtreffs der Fall. „Und dann ist es einfach schwierig, einen Draht zu ihnen zu bekommen.“ Dazu kommt: Die offene Jugendarbeit ist grundsätzlich eher jungsorientiert. „Mädchen haben in der Regel einen geregelteren Tagesablauf, mit festen Terminen neben der Schule“, weiß Rempel, die seit Kurzem die Mädchenarbeit zusammen mit Sozialpädagogin Vanessa Weht auf die Beine stellt.

Tatjana Rempel (l.) und Vanessa Weht (r.) freuen sich, dass Stacy Hoops, Laura Hüsing und Jamie Hoops der neue Raum gefällt.
Tatjana Rempel (l.) und Vanessa Weht (r.) freuen sich, dass Stacy Hoops, Laura Hüsing und Jamie Hoops der neue Raum gefällt. © Nina Baucke

Neuen Aufwind bekommt die Mädchenarbeit in Sottrum Ende 2019, mittlerweile sind es sieben bis zehn Mädchen, die regelmäßig und aus eigener Motivation den Jugendtreff besuchen – unter anderem Stacy, ihre 13-jährige Schwester Jamie und beider Freundin Laura Hüsing (13). Stacy ist fast jeden Tag im Jugendtreff, aber auch Jamie und Laura sind regelmäßig dort. „Wir kochen hier viel zusammen, aber auch zum Beispiel Graffitisprühen macht Spaß“, sind sie sich einig.

„Die Mädchen haben natürlich bei allem mitgemacht, was wir hier so anbieten – die Workshops, Playstation, Kicker, Billard. Wir hatten aber den Eindruck, dass sie das aber nicht wirklich auch hier hält“, erklärt Rempel. Anregungen für ihr Konzept holt sie sich aus der Mädchenarbeit anderen Kommunen, „zum Beispiel gibt es in Bremen einen Jugendtreff, der komplett nur für Mädchen ist“.

Das ist nun anders, zwar sind die Mädchen auch bei den regulären Angeboten dabei, und dennoch gibt es ein speziell auf sie zugeschnittenes Angebot, hauptsächlich mit Kreativangeboten – „damit hoffentlich noch mehr kommen“, sagt Rempel. Aber es geht auch um Gespräche, in denen sie und Weht die Selbstwertstärkung und die Auseinandersetzung mit Rollenklischees fördern wollen. „Wichtig ist, dass es ihnen Spaß macht und woran sie Interesse haben.“

Die Mädchen öffnen sich mehr, es gibt mehr Austausch.

Tatjana Rempel

Ein Baustein ist dafür nun der neue Raum, der bis vor einigen Wochen noch das Internetcafé gewesen ist. „Die Idee hatten aber nicht nur wir, sondern auch die Mädchen selbst“, betont Rempel.

Bei der Gestaltung haben die Mädchen ein Wörtchen mitzureden: „Wir hatten eine Wunschliste, auf der sie eintragen konnten, was sie sich für den Raum wünschen“, so Rempel. Die Liste ist lang und reicht über die Farbe der Wände, einen Spiegel, Bilder, ein Sofa, dass sie am Ende gemeinsam bei Ebay aufstöbern, einen Tisch bis hin zu Pflanzen. Ein Wunsch sticht in Großbuchstaben besonders hervor: eine Tür. „Als Internetcafé hatte der Raum keine, für den Umbau haben wir die alte Tür wieder eingehängt“, erzählt Rempel. „Es ist einfach wichtig, einen Raum zu haben, wo ungestört hinter verschlossener Tür auch über andere Themen gesprochen werden kann.“ Auf dem weißen Untergrund prangt nun ein buntes Schild mit der Aufschrift „Mädchenzimmer“.

Rempel ist von dem Konzept überzeugt: „Die Mädchen öffnen sich mehr, es gibt mehr Austausch.“ Jetzt will sie einen Schritt weitergehen: „Wir überlegen gerade, einen Mädchen-Montag anzubieten, mit einer Öffnung des Jugendtreffs am Montag extra für Mädchen.“ An solchen Tagen kann dann die Tür die ganze Zeit über offen stehen.

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