Gut zu Fuß

Sottrumer Hermann Blanken marschiert gerne auf der Langstrecke

Hermann Blanken sitzt vor einem Ordner.
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Hermann Blanken hat im Ordner alle Urkunden gesammelt.

Sottrum – Durch Corona haben viele Bürger ihre Lust zu Spaziergängen in Wald und Flur entdeckt. „Als wir am Wochenende vor dem Lockdown auf dem Nordpfad ‚Zevener Geest‘ unterwegs waren, sind dort unwahrscheinlich viele Leute wandern gewesen“, erzählt Hermann Blanken, der mit zwei Bekannten die letzte Gelegenheit nutzte, noch im Jahr 2020 auch den 24.

Nordpfad zu erkunden. Zur Erklärung: Die Nordpfade sind 24 Wanderwege im Landkreis Rotenburg zwischen Hamburg, Bremen und Hannover, die zwischen sechs und 32 Kilometer lang sind. „Wir hatten uns für die Nordpfade entschieden, denn so gut wie alle anderen Veranstaltungen wurden durch die Pandemie abgesagt“, sagt Blanken. Mit „anderen Veranstaltung“ meint der 66-jährige Sottrumer Langstreckenmärsche, die ihn schon in – und rechnerisch sogar um – die ganze Welt führten.

Die Leidenschaft nahm im Jahr 1989 seinen Anfang. „Durch einen Arbeitskollegen hatte ich von den Abendmärschen gehört, die von den Niederländern organisiert wurden, als diese noch in Seedorf stationiert waren“, berichtet Blanken. Und weiter: „An vier Abenden wurde jeweils 15 Kilometer marschiert.“ Bei diesem Event entdeckte der gebürtige Horstedter einen Prospekt über Märsche in den Niederlanden, bei denen an vier Tagen jeweils 50 Kilometer hinter sich gebracht werden müssen, der sofort sein Interesse weckte.

Durch die Recherche seines damaligen Kollegen, einem Reisejournalisten, bekam der technische Verlagsmitarbeiter weitere Informationen. „Wenn die Märsche dort stattfinden, dann ist das wie Rosenmontag in Köln: Als ob Feiertag ist, sind dann ganze Dörfer, durch die bis zu 50 000 Menschen gehen, dicht“, weiß Blanken, der inzwischen schon mehr 20 Mal teilgenommen hat. Und weiter: „Auf den letzten 500 Metern sind neben der sechsspurigen Straße Tribünen aufgebaut, auf denen gegen Eintrittsgeld Plätze gebucht werden können.“ Schon mehrmals absolvierte der Sottrumer sogar Langstreckenmärsche, bei denen innerhalb von 30 Stunden 150 Kilometer bewältigt werden müssen.

„Geführte Märsche, die über die französische Vereinigung Audax laufen und dort angemeldet werden, gibt es überwiegend in Frankreich, Belgien, Holland aber auch vereinzelt in Dänemark und Deutschland. Einige finden sogar weltweit statt“, erzählt Hermann Blanken. So führte ihn die Lust an Bewegung schon in Länder wie Neuseeland, Australien, China, Dubai, Südkorea oder Japan. In Japan wurden sogar Bekanntschaften mit netten Menschen geschlossen, die durch Familie Blanken die Wiestegemeinde besuchten.

Oftmals wird ein Marsch oder eine Wanderung mit einem Urlaub von Elke und Hermann Blanken verbunden. „Bei den touristischen Strecken sind es rund 20 Kilometer, die wir gehen. Da jeder sein eigenes Tempo hat, geht jeder mit einer anderen Gruppe oder allein. Am Ziel treffen wir uns wieder“, so Blanken, der, als er bis vor sieben Jahren noch beruflich aktiv war, die Zeit dafür mit Urlaub und Überstunden abdecken konnte.

Viel ist er auch mit Freunden und Bekannten unterwegs. Am anstrengendsten empfand Hermann Blanken bisher den Marsch von Paris nach Brüssel, bei dem es innerhalb von vier Tagen 296 Kilometer zu bewältigen galt. „Ein halbes Jahr plant Hermann und ein halbes Jahr ist er unterwegs“, sagt Elke Blanken schmunzelnd. Im Laufe der Jahre summierten sich die Strecken auf weit über 40 000 Kilometer, also rechnerisch einmal rund um die Erdkugel. „Mein Freund, mit dem ich oft unterwegs bin, führt Buch. Bei ihm sind es inzwischen 50 000 Kilometer“, berichtet Hermann Blanken, der bei fast jeder Tour dabei war. Bei ihm kommen noch die vielen Kilometer dazu, die er laufend zurücklegte.

Ehrensache, dass er auch zum Staffellauf nach Sauveterre (Frankreich) im Jahr 1998 zum 25. Geburtstag der Partnerschaft mit der Samtgemeinde Sottrum viele Kilometer beisteuerte. „Bis ich im vergangenen Jahr als Fahrradfahrer von einem Auto angefahren wurde, war ich zwischen zehn Kilometer und Marathon unterwegs“, erzählt der sportliche Sottrumer.

Seit dem Unfall hat er aber Bedenken, dass sich die Erschütterung beim Laufen negativ auf seinen Halswirbel auswirkt, der durch den Zusammenstoß in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Solange es mir Spaß macht, werde ich aber weiter an den Märschen teilnehmen“, so Blanken, der sich für dieses Jahr, wenn es Corona zulässt, die erste Etappe eines Traumes erfüllen möchte. Diese soll ihn auf Schusters Rappen nach Köln führen. Endziel des Marsches ist das 3 000 Kilometer entfernte Santiago de Compostela in Spanien, das rund 40 Kilometer vor der Atlantikküste liegt.

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