Grüner Frühlingsanfang

Sottrumer Grüne begrüßen Bundesvorsitzenden Robert Habeck

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Der neue Parteichef in Sottrum: Nicht nur als Vortragender, sondern auch als begehrter Gesprächspartner, hier mit Gabriele und Hans-Joachim Schnellrieder. 

Sottrum - Von Bettine Diercks. Eher ein grüner Frühlingsanfang war am Freitag der Neujahrsempfang der Bündnis90/Die Grünen im Gasthof Röhrs in Sottrum. Farblich passte sich Gastredner Robert Habeck eher dem üblichen norddeutschen Wetter an, brachte aber aus derselben Region frischen Wind mit. Der junge Bundesvorsitzende hatte seine ländlichen Parteifreunde ein paar mal vertröstet, deshalb kam es zu diesem späten Jahresbeginn.

Schleswig-Holsteins stellvertretender Ministerpräsident beeindruckte durch leidenschaftliche und zugleich gelassene Offensive. Zu allen Themen hatte der 48-Jährige Antworten oder Ideen. Ob Altersarmut, Digitalisierung und ihre Folgen, Gülle oder staatliche Garantiesysteme. Gefühlt ließ er nichts aus. Seine Gewandheit und gedankliche Beweglichkeit in all den Bereichen erklärt Habeck durch seinen Job als Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein. 

Ist er beispielsweise für etwas in der Landwirtschaft, könnte es gleich als ein Dagegen in der Umweltpolitik interpretiert werden. So wurde der Schriftsteller zum Multi-Jongleur und realistisch agierenden Strategen. Was ihn, so sieht er es, wohl auch dafür prädestiniert hat, in Zeiten eines „nervösen Deutschlands“ Bundesvorsitzender der Grünen zu werden. „Der ewig Ausgleich, die Suche nach Kompromissen, das Ringen nach gemeinsamen Lösungen“ sei in den vergangenen Jahren sein Job gewesen und „es hat an erstaunlich vielen Stellen funktioniert“. Klar wurde ihm dabei, wie befriedigend es ist, Lösungen zu erarbeiten, die dauerhaft und gesellschaftlich akzeptiert Bestand auch über die Legislaturperiode hinaus haben.

„Es ist nicht vorgesehen, immer weiter zu regieren“

Für ein politisches Problem hält Habeck, wenn Parteien nur über die Partei nachdenken und nicht darüber, was die Gesellschaft will. Festgemacht an der jüngsten Bundestagswahl. „Was ich Lindner nachtrage: Man hat nicht überlegt: ,Was macht das mit Deutschland’?“, sagt Habeck zum Scheitern der Jamaika-Koalition. Das Problem, dass er bei der erneuten großen Koaliton sieht: „Die Politik hat Schwierigkeiten, sich der gesellschaftlichen Geschwindigkeit anzupassen.“ Und: „Es ist nicht vorgesehen, immer weiter zu regieren. Irgendwann hört man auf, sich selbst zu hinterfragen.“

„Man muss infrage stellen, was man vor Jahren beschlossen hat.“ Beispiel digitale Revolution. Ständig befeuert ein Smartphone seine Anwender, wo das nächste Café, passende Urlaubsziel oder Buch liegt. Habeck: „Dieses Eindringen von Kommerz in die privatesten Bereiche, das ist neu. Und das ist aber das, was man mit digitaler Revolution meint. Es zersplittert die Gesellschaft in lauter Konsumenten, die individuell adressiert werden. Und damit entsolidarisiert sich die Gesellschaft ganz automatisch. Und zwar nicht, weil wir alle unsolidarisch sind, sondern weil die Technik weiter ist als die gesellschaftliche Debatte beziehungsweise die Regelinstrumente der Politik.“ 

Habeck: Parteien ohne Antworten auf neue Herausforderungen

Sowohl die Umbrüche aus der alten Zeit, Landwirtschaft, Kohleabbau, Diesel, sowie die Herausforderung der neuen Zeit würden etwas mit uns machen. „Wir spüren, dass etwas passiert, aber wir wissen nicht, was.“ Und, laut Habeck, keine der Parteien hat Antworten darauf.

„Wenn wir wissen, dass der Erfolg eines Lebens, wie fleißig war man, wieviel Geld hat man verdient, am Ende darüber entscheidet, wieviel Rente man bekommt und damit wieviel Würde, ist es dann richtig daran festzuhalten, dass durch Digitalisierung, Hedgefonds Arbeitslosigkeit auch die Tüchtigen treffen?“ Später dann zum Arbeitsamt gehen zu müssen, um zu gestehen, dass das Geld nicht reicht findet Grünen-Chef Habeck würdelos. „Und das spaltet die Gesellschaft. Und da müssen wir neue Antworten geben. Alle Parteien müssen sich das zumuten.“

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