Harmonie mit Delle

Sottrumer Gemeinderat wählt Hans-Jürgen Krahn zum Bürgermeister

Hans-Jürgen Krahn (r.) gratuliert Holger Bahrenburg zu dessen Ernennung zum Gemeindedirektor.
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Hans-Jürgen Krahn (r.) gratuliert Holger Bahrenburg zu dessen Ernennung zum Gemeindedirektor.

Die Alten sind die Neuen: Der Sottrumer Gemeinderat bestätigt Hans-Jürgen Krahn als Bürgermeister und Holger Bahrenburg als Gemeindedirektor in ihren Ämtern. Zudem haben sich die Fraktionen auf eine offene Ratsarbeit geeinigt, die allerdings eine erste Delle bekam.

Sottrum – Es gab sie reichlich – die Blumensträuße für die neuen-alten Amtsinhaber der Gemeinde Sottrum und ihre Vertreter: Hans-Jürgen Krahn (CDU) bleibt Bürgermeister, ebenso wie Holger Bahrenburg Gemeindedirektor – letzterer dieses Mal mit dem Posten des Samtgemeindebürgermeisters im Rücken und nicht als Amtsleiter. Die Erste Samtgemeinderätin Kerstin Wendt kürte der Rat zu Bahrenburgs Stellvertreterin. In allen drei Fällen votierte der Gemeinderat einstimmig und ohne Enthaltungen.

Acht Sitze für die CDU, fünf für die Grüne/FDP-Gruppe, einer für die AfD und vier für die SPD, nachdem dort der ehemalige Ortsvereinsvorsitzende Gerd Helms ausgeschert war und nun fraktionslos im Sottrumer Rat sitzt: Angesichts dieser Situation hatten sich die Fraktionen im Vorfeld der Sitzung auf eine offene Ratsarbeit geeinigt. „Aber das wird nur gelingen, wenn sich auch alle daran halten“, mahnte Hans-Jürgen Brandt (SPD) zum Abschluss der Sitzung.

Fehler in der Beschlussvorlage

Da hatte die neu verordente Harmonie zum Wohle der Gemeinde allerdings schon längst wieder eine erste kleine Delle bekommen, als es um die Stellvertreter des Bürgermeisters ging. Schuld war ein Fehler in der Beschlussvorlage als auch ein „Missverständnis“, wie Krahn es nannte. Statt wie in der Vorlage angeführt drei gleichberechtigte Stellvertreter zu küren, sind nur zwei zulässig. Für einen dritten muss ein weiterer Beschluss her, den die Versammlung so allerdings am Montag erstmal nicht fassen durfte.

„Um die offene Ratsarbeit zu unterstreichen, wollen wir drei Stellvertreter“, machte Sven Plaschke (Grüne) deutlich. „Es herrscht hier nicht immer Harmonie, aber bei den Aufgaben, die vor uns liegen, brauchen wir die.“ Die Grüne/FDP-Gruppe nominierte daher Lühr Klee. Allerdings hatte Brandt, als Krahn zuvor nach Vorschlägen für den ersten Stellvertreter gefragt hatte, bereits für die SPD Andreas Rosebrock ins Rennen geschickt. So kam es nun zu einer geheimen Wahl, bei der der Sozialdemokrat 13 von 19 Stimmen bekam und Klee fünf.

Ich dachte, die Stellvertreter sollen die Verhältnisse im Rat und den Willen der Bevölkerung abbilden.“

Lühr Klee

Zu der Wahl des zweiten Stellvertreters, für die die CDU dann Achim Figgen nominierte, trat Klee dann nicht an. „Ich dachte, die Stellvertreter sollen die Verhältnisse im Rat und den Willen der Bevölkerung abbilden. Diese Konkurrenzsituation war nicht unser Ziel“, machte der Stuckenborsteler deutlich. Figgen bekam 18 Stimmen, die Wahl eines dritten Stellvertreters verschob die Verwaltung auf eine spätere Sitzung.

Gegen die Kür der Stellvertreter war zuvor die Wahl Krahns nahezu geräuschlos über die Bühne gegangen: „Wir freuen uns auf die offene Ratsarbeit, wir müssen Gespräche führen und nach vorne schauen – und werden daher für Hans-Jürgen Krahn stimmen“, hatte vor der Abstimmung noch Andreas Zack (FDP) im Namen der Grüne/FDP-Gruppe betont. Krahn wiederum bedankte sich für die Wahl und bekundete seinen tiefen Respekt vor allen, die überhaupt für einen Sitz im Gemeinderat kandidiert hatten und ebenso vor seiner Aufgabe, die Gemeinde weiterhin zu vertreten. „Sottrum 2030 ist eine Herausforderung, auch, was beispielsweise die Kinderbetreuung und die Strukturen der Gemeinde angeht“, so Krahn, der sich auch an die übrigen Mitgliedsgemeinden der Kommune wandte: „Wir sitzen alle in einem Boot, daher ist es gut, dass sich die Samtgemeinde in Richtung einer Neustrukturierung auf den Weg gemacht hat.“

Ein Ausschuss mehr als vorher

Ebenso reibungslos lief die Bestimmung von Bahrenburg als Gemeindedirektor. Bahrenburg hatte bereits im Vorfeld seiner Wahl zum Samtgemeindebürgermeister erklärt, für den Posten als Ehrenbeamter zur Verfügung zu stehen. Am Montagabend nach der Abstimmung bedankte er sich für das für das ihm entgegen gebrachte Vertrauen, „auch wenn es sicher natürlich den ein oder anderen Interessenskonflikt geben wird“, so Bahrenburg.

Darüber hinaus legte der Rat die Besetzung des Verwaltungsausschusses fest, diesem gehören neben Krahn als Bürgermeister künftig für die CDU Achim Figgen, Friederike Paar und Reiner Loss, für die Grüne/FDP-Gruppe Andreas Zack und Lühr Klee (Grüne) und für die SPD Andreas Rosebrock an. Statt der vier Fachausschüsse wird es künftig fünf geben. Neu ist der Ausschuss Sottrum 2030, dem Achim Figgen vorsitzt. Den Finanzausschuss leitet Friederike Paar, den für Klima, Bau, Planung und Wirtschaft Jürgen Böschen (CDU), den für Umwelt, Wege und Natur Lühr Klee sowie den für Kinder, Jugend, Sport, Soziales und Kultur Andreas Zack.

„Der Bürgermeister macht sich angreifbar“

Ein Kommentar von Matthias Röhrs

Es läuft bei Holger Bahrenburg. Erst haben ihn die Wähler, wenn auch sehr knapp, zum Samtgemeindebürgermeister befördert, und nun spricht der Sottrumer Gemeinderat dem Horstedter erneut das Vertrauen als Gemeindedirektor aus. Für die Gemeinde Sottrum ist das sicher nicht die falsche Entscheidung, wenn der eigene Verwaltungsmann auch der Hauptverwaltungsbeamte der Samtgemeinde ist. Die Wieste-Gemeinde hat nun einen Vorteil, wenn es zu Interessenskonflikten mit den anderen Mitgliedsgemeinden kommt – und das wird es erfahrungsgemäß schon bald.

In allen anderen Mitgliedsgemeinden wird man genau beobachten, wie Bahrenburg sich verhält. Schon seit langer Zeit denkt man in der Samtgemeinde darüber nach, wie man sie neu ordnen kann, Stichwort: Schnittstellenoptimierung. Was trocken klingt, birgt Streitpotenzial. Immerhin geht es um den Erhalt von Einfluss und Unabhängigkeit. Ohnehin stößt den kleineren Gemeinden die privilegierte Stellung Sottrums im Rathaus (und deren Finanzierung) häufig sauer auf. Es geht dann um anteilige Bürokosten, die Sottrum mal mehr, mal weniger bezahlt, und im zweiten Schritt um die Samtgemeinde-Umlage, die von den Vertretern kleinerer Gemeinden vehement diskutiert und als zu hoch angesehen wird. Entlastung fordern sie dann gerne aus Sottrum als größte und wirtschaftsstärkste Gemeinde. Ein Thema, das in den Haushaltsberatungen ab kommender Woche zur Sprache kommen wird.

Holger Bahrenburg muss dann zeigen, wessen Interessen er Priorität einräumt. Nur die Sottrumer oder die aller Kommunen der Samtgemeinde. Als Hauptverwaltungsbeamter sollte er moderierend auftreten, ist stattdessen aber angreifbar geworden.

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