Hoffen auf den Rebound-Effekt

Sottrumer Fitnessstudio startet nach Zwangspause mit Hygienekonzept

Holger Ihnen im Fitnessstudio Prolife.
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Holger Ihnen rechnet damit, dass Studios wie das Prolife in Sottrum noch Jahre brauchen werden, um sich von der Krise zu erholen.

Sottrum - Nach gut zehn Monaten Corona-Zwangspause startet im Fitnessstudio Prolife in Sottrum wieder der Betrieb. Inhaber Holger Ihnen sieht sich allerdings noch am Anfang der Herausforderungen.

Das Klappern der Gewichte ist zu hören, Menschen in Sportkleidung und mit Mundschutz gehen von Trainingsgerät zu Trainingsgerät: Seit Anfang Juni steht das Prolife-Fitnesscenter an der Alten Dorfstraße in Sottrum wieder seinen Mitgliedern offen. „Natürlich sind wir froh, die Leute wieder zu sehen“, sagt Holger Ihnen, der gemeinsam mit seiner Frau Jeanette das Unternehmen betreibt.

Für ihn ist der Neustart jedoch mit gemischten Gefühlen verbunden: „Ich habe noch nie soviel gearbeitet, denn jetzt erst beginnt für uns die schwierige Zeit.“

Hilfe durch Mitgliederbeiträge

Von November bis Mitte April hatte das Prolife eine Zwangspause einlegen müssen, danach war es Ihnen lediglich möglich gewesen, das Studio zu vermieten. „Aber diese Mietphase war nicht kostendeckend“, macht er deutlich. Erst am 31. Mai kam das Signal zum Neustart, mit dem einiges auf die Betreiber des Prolife zukommt. Er ist allerdings froh, dass er keinen seiner rund zehn Mitarbeiter entlassen musste. „Gerade die sind so wichtig, um richtig auf die Mitglieder einzugehen: Sie kennen jedes von ihnen, einschließlich der gesundheitlichen Probleme“, betont Ihnen.

„Von vorneherein haben wir nicht auf den Staat, sondern auf unsere Mitglieder vertraut“, macht er deutlich. Diese hätten überwiegend ihre Beiträge während der Lockdown-Monate weitergezahlt, „und das hat uns gut über die Zeit gebracht. Darüber sind wir sehr glücklich.“ Allerdings wird diese Solidarität nun zum Boomerang: Jetzt liegt für das Prolife die Schuldenlast nicht bei einer Bank, sondern bei den Mitgliedern.

„Sie haben nun natürlich einen Anspruch auf Vergütung, und da ist im Laufe dieser zehn Monate sehr viel zusammengekommen.“ Das Prolife, aber auch die ganze Branche werde daher noch Jahre brauchen, um sich von der Krise zu erholen, vermutet er. „Vermutlich wird es in den nächsten zwei, drei Jahren auch Studios geben, die das leider nicht überstehen“, fürchtet er. Denn kaum ein Fitnessstudio starte jetzt mit Kostendeckung.

Immerhin beginnen nun einige, gegen die Lockdown-Pfunde zu kämpfen: „Wir merken, dass die Nachfrage da ist, aber bei Weitem nicht so, wie wir es aus anderen Jahren gewohnt sind.“ Das bedeutet, dass das Prolife bei der ohnehin üblichen Fluktuation ein Drittel der Abgänge bisher nicht kompensieren konnte. „Der Rebound-Effekt reicht noch lange nicht“, sagt Ihnen.

Dennoch sieht er das Prolife in einer, wie er sagt, „recht glücklichen Situation“: „Wir gehören zu den höherpreisigen Studios. Das bedeutet auch, dass es bei uns nie richtig voll ist und wir somit viel Platz zum Trainieren bieten können.“

Unverständnis für Einschränkungen

Schon die Einschränkungen im vergangenen Jahr betrachtet er mit Unverständnis: „Gerade hier in Fitnessstudios lassen sich Hygienekonzepte gut umsetzen. Deshalb gab es auch kaum Ausbrüche in diesem Zusammenhang. Aber stattdessen standen wir in der Reihenfolge der Öffnungen auf einer Stufe mit Bordellen“, kritisiert er. Zumindest die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und dem Gesundheitsamt sei perfekt gelaufen.

Jetzt zum Neustart spielt nach wie vor Hygiene eine große Rolle im Ablauf des Studios: „Wir steuern den Zutritt zu den Umkleiden, wir verhindern, dass unsere Mitglieder hier etwas anfassen müssen. Außerdem sind sie angehalten, an benutzten Geräten alle Kontaktflächen zu reinigen, dazu wischen unsere Leute noch einmal hinterher“, erklärt Ihnen. „Wir sind davon überzeugt, dass unsere Mitglieder da auch immer viel mitdenken.“ Zudem stehen die Fenster offen, eine Lüftungsanlage ist auch in Betrieb und demnächst treffen auch noch von Ihnen bestellte Hepa-Filter für den Gerätebereich ein.

„Wir haben zudem eine Terminvergabe für den Gerätezirkel eingerichtet, maximal vier Leute können dort gleichzeitig trainieren. Und in manchen Fällen, in denen wir wissen, dass der Gerätewechsel länger dauert, richten wir es sogar so ein, dass dann noch weniger dort gleichzeitig aktiv sind.“

Wir bieten gelebte Gesundheitsprävention.

Holger Ihnen

Auch die Teilnahme an den Kursen ist derzeit auf neun Personen beschränkt, um notwendige Abstände zu gewährleisten. Dazu gibt es einen Check-in und die Dokumentation der Kurse, sodass Ihnen einen Überblick hat, wer sich wann im Prolife aufgehalten hat. „Wir haben hier eine Fläche von 400 Quadratmetern, sodass maximal 20 Leute gleichzeitig trainieren dürfen. Die Zahl erreichen wir so gar nicht.“

Auch die gesundheitlichen Folgen, die die Zwangspause mit sich bringt, könne noch niemand abschätzen, so Ihnen. „Wir haben hier viel eher älteres Publikum, das sich hier fit hält und für das regelmäßige Bewegung wichtig ist. Und da hören wir schon von Rücken- und Hüftproblemen, die in den vergangenen Monaten aufgekommen sind.“ Was Studios wie das Prolife anböten, sei, so Ihnen, „gelebte Gesundheitsprävention“.

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