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Sottrumer Ehepaar auf dem Weg zum Jagdschein

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Von: Nina Baucke

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Arthur Roloff und Jasmin Roloff-Omary
Arthur Roloff und Jasmin Roloff-Omary absolvieren derzeit ihre Ausbildung zum Jäger. © Nina Baucke

Vielleicht ist die Pandemie schuld, vielleicht ändert sich etwas im Umgang mit der Natur: Die Nachfrage nach einer Jägerausbildung steigt. Ein Beispiel.

Sottrum – Mascha und Elvis dösen entspannt auf dem Sofa: Die beiden Mischlingshunde lassen es offenbar gerne entspannt angehen. „Sie sind echte Couch-Potatos“, sagt ihre Besitzerin Jasmin Roloff-Omary mit einem Lachen. Ganz im Gegensatz zu ihr und ihrem Mann Arthur Roloff: Sie sind mit Begeisterung in der Natur unterwegs – und seit einiger Zeit mit einem besonderen Blick auf Details. Denn das junge Ehepaar aus Sottrum absolviert gerade die Ausbildung bei der Kreisjägerschaft Rotenburg.

Sie sind nicht die einzigen: Immer mehr Menschen machen zur Zeit ihren Jagdschein. „Bei uns in der Jägerschaft Rotenburg sind es zwar nicht gravierend mehr, aber auch bei uns sitzen anstatt durchschnittlich 16 aktuell 20 Personen in den Kursen“, sagt Marco Soltau, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Nicht ganz unschuldig daran könnte Corona sein: „Viele Leute sitzen im Homeoffice und gehen jetzt öfter raus in die Natur“, vermutet er. „Dazu haben sie Geld für Urlaube zurückgelegt, die aufgrund der Pandemie nicht machbar waren.“ Aber noch etwas anderes könnte für die gestiegene Nachfrage an dem Jagdschein eine Rolle spielen: „Das Interesse an der Natur und an der Umwelt ist erfreulicherweise gestiegen – und auch die Bereitschaft, dafür Verantwortung zu übernehmen“, ist Soltau überzeugt.

Suche nach gemeinsamen Hobby

Wie bei Jasmin Roloff-Omary und Arthur Roloff: Sie ist bei der Rehkitzrettung Sottrum aktiv, als sie für dieses Thema Feuer fängt. „Vorher war mein Interesse an der Natur schon da, aber ich hatte nie einen richtigen Anknüpfungspunkt“, erinnert sich die 27-Jährige. Bei den Kitzrettern verschafft ihr Bettina Diercks, auch Jägerin, Einblicke. „Sie hat mir viel erzählt, und das hat mich dann so richtig gecatcht.“ Ihr Mann ist zwar da schon bereits beruflich viel an der frischen Luft unterwegs – „allerdings eher auf Baustellen“, bemerkt der 28-jährige Garten- und Landschaftsbauer.

Alles fängt im vergangenen Jahr an, als sie auf der Suche nach einem gemeinsamen Hobby sind – und nach einigem Überlegen der Jagdschein ins Spiel kommt. Im September startet die Ausbildung. „Viele haben dieses Bild vom Jäger vor Augen: Irgendjemand, der mit dem SUV in den Wald fährt und schießt. Aber das ist ein Fehler“, sagt Arthur Roloff.

Da ist untereinander immer ganz viel Geben und Nehmen.

Jasmin Roloff-Omary

Er und seine Frau wollen dazu betragen, dass das Klischee künftig getrost ad acta gelegt werden kann. Denn wie sehr die Jägerschaft im Wandel ist, zeigt sich an ihrer Lerngruppe: „Die ist bunt gemischt, die Jüngsten sind 15 und 16, die Ältesten im Rentenalter. Das ist immer sehr spannend“, findet Jasmin Roloff-Omary, die derzeit Architektur in Bremen studiert. „Da ist untereinander immer ganz viel Geben und Nehmen.“ Und nicht nur die Altersspanne ist groß, auch die Zahl der Frauen steigt in der ehemaligen „Männerdomäne“ Jagd. „Mittlerweile sind 25 Prozent derer, die die Ausbildung bei uns machen, Frauen“, weiß Marco Soltau.

Zweimal pro Woche steht derzeit für Arthur Roloff und Jasmin Roloff-Omary Theorieunterricht in Wensebrock auf dem Stundenplan. Vieles von dem Stoff, den verschiedene Dozenten ihnen dort vermitteln vertiefen Jasmin Roloff-Omary und Arthur Roloff dann zu Hause. „Es ist sehr viel, was wir uns hier auch noch aneignen, dabei stehen Wildbiologie und Naturschutz absolut im Fokus“, betont die Sottrumerin. Fest steht für sie: „Es ist viel Lernstoff, beispielsweise gehen wir ja die gesamte Bandbreite an heimischen Wildtieren durch – inklusive der Brutzeiten“, sagt ihr Mann. „Und dabei ist das, was wir jetzt gerade lernen nur der Anfang, die Basis, um weiter darauf aufzubauen“, ergänzt sie. Darüber hinaus gehören Jagdrecht, Wildhygiene und Waffenkunde zum Unterricht. Dafür wälzen sie zum einen Bücher, zum anderen läuft das Lernen auch im Jagdbereich per Smartphone-App.

Ende April die Prüfung

Neben der Theorie geht es auch in die Praxis – in Form von Reviergängen, bislang einmal im Monat, „das wird aber zum Ende der Ausbildung im Frühjahr noch mehr“, sagt Jasmin Roloff-Omary. „Unter anderem waren wir da schon mit Heike Vullmer von der Stiftung Naturschutz im Landkreis Rotenburg unterwegs.“

Ende April steht dann die Prüfung an, darunter auch die Schießprüfung. „Die ist schon ziemlich anspruchsvoll, aber das ist auch richtig so“, sagt Jasmin Roloff-Omary. „Mit der Waffe zu arbeiten – davor habe ich schon einen Riesenrespekt.“ Momentan trainieren sie auf einem Übungsstand der Kreisjägerschaft in Rotenburg. „Aber irgendwann auf dem Hochsitz zu sein und dort eine Entscheidung zu treffen – das ist dann sicher noch einmal etwas ganz anderes“, vermutet Arthur Roloff. „Gerade dann will man ja auch schusssicher sein und genau treffen können“, betont auch seine Frau. Mit bestandener Prüfung kann das Paar einen Jagdschein beantragen, nach drei Jahren dann wären sie befähigt, eine Pacht zu übernehmen. „Aber das braucht sehr viel Zeit“, wissen beide. Sie wollen in der Umgebung mit aktiv sein, „beispielsweise nach Wildunfällen unterstützen, wenn das Tier verletzt noch dazu in der Lage war, davon zu laufen und es nun gefunden werden muss“, so Arthur Roloff. Auch, wenn beide offiziell noch keine Jäger sind: „Mit dem ganzen Hintergrundwissen aus der Ausbildung nimmt man Tiere und Pflanzen ganz anders wahr“, findet der Sottrumer. „Als Spaziergänger ist einem vieles gar nicht so bewusst, jetzt aber schauen wir da anders hin. Es ist ein komplexes Zusammenwirken von Dingen. Wenn sich etwas im Revier verändert – was hat das dann alles für Auswirkungen?“

Neuer Blick auf die Natur

Auch Berichterstattung zu aktuellen Themen, wie Afrikanische Schweinepest oder Vogelgrippe, sehen sie mittlerweile noch einmal mit anderen Augen. „Da ist es wichtig, up to date zu bleiben.“ Jasmin Roloff-Omary ist gerne draußen in der Natur unterwegs, ab und zu auch mal begleitet von Freundinnen. „Da erkläre ich jetzt die Wildspuren, die wir auf dem Weg entdecken.“

Entdeckt das Paar irgendwo einen Greifvogel, „dann geht die Diskussion darüber los“, sagt sie und lacht. Bei solchen Gelegenheiten zieht es dann sogar Elvis und Mascha von ihrer Couch.

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